Lauter Scharlatane überall

Michel Gammenthaler füllte am Freitag mit seinem neuen Programm «Scharlatan» die «Spurbar» im katholischen Pfarreizentrum. Der Zauberer kämpft neuerdings gegen Scharlatanerie – und schummelt dabei selber hemmungslos.

Michael Hug
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Bringt seine Tricks in unterhaltsamer Form und bleibt immer charmant: Michel Gammenthaler mit Zuschauerin Conny. (Bild: Michael Hug)

Bringt seine Tricks in unterhaltsamer Form und bleibt immer charmant: Michel Gammenthaler mit Zuschauerin Conny. (Bild: Michael Hug)

FLAWIL. Mit einem Pamphlet gegen Scharlatanerie, Falschspielerei, Beschiss und Esoterik eröffnet der «neue» Gammenthaler sein neues Programm. Ganz ohne seine beliebt gewordenen Alter Egos und ohne sein Markenzeichen, den Rossschwanz, tritt er nun auf. Geblieben sind aber das Plaudern und die erstaunlichen Tricks. Und genau bei diesem Stichwort setzt er an, der Antischarlatan: Tricks. Sie würden alle nur mit Tricks agieren, die neuzeitlichen Scharlatane dieser Welt. Die Wunderkartendrucker und Buchautoren, die angeblich das Geheimnis kennen, wie man sein persönliches Wunder erlebt oder vielleicht nur einmal so etwas wie Glück hat im Leben. Der Trick dabei sei stets der gleiche: Vom Geld überschüttet werden nur die Urheber, Falschspieler, Bluffer. Scharlatane eben.

Armbanduhr weg

Sagt's und lässt im selben Augenblick die wertvolle Armbanduhr von Conny in der ersten Reihe verschwinden. Verrät den Reisewunsch von Angela, die, wie sie etwas verdutzt zugibt, sich tatsächlich wünscht, im Herbst ins Berner Oberland zu fahren mit ihrem Partner. Er sei, durch langes Training und harte Arbeit im mentalen Bereich, im Hirn also, zum Medium geworden, verrät Michel Gammenthaler. Da sei nicht Scharlatanerie, keine Taschenspielertricks, pure Gedankenkraft. Mit purer Gedankenkraft bringt er in Erfahrung, welche Karten eine Pokerrunde (Christoph, Eveline und Heinz aus dem Publikum) in den Händen hält. Und steuert so das Spiel von Eveline, der er die richtigen Anweisungen gibt, mit denen sie das Spiel trotz hoffnungsloser Karten – einem «Brett» – spielend gewinnt.

Masche bleibt dieselbe

«Scharlatan» ist Michel Gammenthalers 5. Soloprogramm. Mittlerweile hat sich der Magier aus dem Aargau dank wohlwollender Unterstützung des nationalen TV-Kanals bis an die Spitze der hiesigen Alleinunterhalterszene gezaubert. Seine Masche bleibt auch bei «Scharlatan» dieselbe. Ein Dutzend Zaubereien vorführen und viel plaudern dazu. Er ist nicht nur ein Meister seiner Kunst, sondern auch ein Meister der Verpackung. Er packt die Magie in eine Geschichte, in eine Aktion mit «Opfern» aus dem Publikum oder arbeitet mit technischen Tricks. So zum Beispiel zu Beginn, wenn das Mikrophon übersteuert und Gammenthaler kurzerhand das Kabel zerschneidet. Doch das Kabel ist nicht entzwei, aber angeschlossen ist es auch nicht – am anderen Ende hängt ein Föhn. «Aha, ein Mikroföhn», lächelt der Meister und hat das Publikum auf seiner Seite.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Es sind alte Tricks, die er so aufpeppt. Alter Wein in neuen Schläuchen sozusagen, doch das wird dem ganz grossen Kunststück, das dem Programm zugrunde liegt, nicht ganz gerecht. Denn der Meister aller Magier «bescheisst» derart unterhaltsam, dass man es ihm verzeiht – oder es gar nicht merkt –, dass kein einziger Trick wirklich neu ist. Doch die Tricks der wahren Scharlatane sind ja auch nie neu. Nur gut verpackt: «Warte nur», sagt er zu einem Zuschauer in der zweitvordersten Reihe, «morgen rufe ich dich an und stelle mich als deinen Enkel vor!» Connys Armbanduhr kommt übrigens noch vor der Pause wieder zum Vorschein: Sie liegt die ganze Zeit in einem über der Bühne aufgehängten Geschenkspaket.

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