Laut über Umfahrung nachdenken

Seit drei Jahren steht er dem Hauseigentümerverband Flawil als Präsident vor. Nun kandidiert er als einer von drei Neuen für den Flawiler Gemeinderat: Noldi Baumann (parteilos) über seine Person und Positionen.

Andrea Häusler
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Noldi Baumann im Garten seines Zuhauses im Flawiler Weidegg-Quartier. Bild: Andrea Häusler

Noldi Baumann im Garten seines Zuhauses im Flawiler Weidegg-Quartier. Bild: Andrea Häusler

Parteilos zu sein, bedeute nicht, meinungslos zu sein, macht Noldi Baumann gleich einleitend deutlich. «Ich bin ein politischer Neuling, und ein Parteibeitritt aus wahlstrategischen Gründen kam für mich nicht in Frage», sagt er. Als (Partei-)Unabhängiger sieht er sich zudem als Vertreter von immerhin gegen 94 Prozent der Wählerschaft. In der Frage, wo er sich auf der Skala von Links bis Rechts ansiedeln würde, gibt er sich diplomatisch: «In der Mitte.»

Viel wichtiger als die parteipolitische Position ist für ihn ohnehin das Interesse an der gemeinsamen, positiven Entwicklung der Gemeinde – Sachpolitik vor Parteipolitik quasi. Sich für öffentliche Anliegen und Aufgaben einzusetzen, habe er in seinem Elternhaus gelernt, sagt er. «Ich bin mit sechs Geschwistern auf einem Bauernhof aufgewachsen – oben in der Egg.» Dann erzählt Noldi Baumann von seinem Grossvater Fritz, der einst im Gemeinderat gesessen habe. Und von seiner Mutter. «Sie engagierte sich im Einwohnerverein Egg und später für die Senioren der Oberen Gegend.» Noldi Baumann, der bis 1991 in der «Oberen Gegend» wohnen geblieben war und – nach 15 Jahren in der Innerschweiz – seit 2006 wieder in Flawil lebt, ist überzeugt: «Sich zu engagieren, gehört sich einfach.» Während er spricht, lässt er den Blick immer wieder über die Dächer Flawils schweifen. Die Aussicht, die sich vom Garten an der Weideggstrasse aus bietet, ist ein Privileg, das er schätzt. «Ich war viel unterwegs», sagt der dreifache Vater, der mit seiner Frau Susanne in einem alten, schmuck renovierten Haus, dem «Trautheim», wohnt. Vor allem früher, als er, der gelernte Käser, für den Churer Käsereianlagenbauer Grob als Geschäftsleitungsmitglied und Kundenberater tätig war, folgte er öfter dem Ruf der weiten Welt. Baumann nimmt sein Tablet zur Hand, zeigt Bilder, die ihn bei der Personaleinweisung in die neue Milchverarbeitungsanlage in Lubango/Angola zeigen.

Energie als zentrales Anliegen

Von Kindsbeinen an habe er viel von der Natur mitbekommen, sagt er als bekennender Befürworter der Wasserkraft. Entsprechend wichtig sei ihm deshalb, dass die ländliche Bevölkerung nicht benachteiligt und Rücksicht auf die Umwelt genommen wird.

Noldi Baumann ist in Flawil vor allem als Präsident des Hauseigentümerverbandes bekannt. Ein Amt, das er seit 2013 innehat. Den Zugang zum HIV habe er 2008 auch über seine Tätigkeit im Versicherungsbereich gefunden. Als Verbandsmitglied hatte er bereits mehrfach Gelegenheit, an der Gestaltung der Zukunft Flawils mitzuarbeiten: als Mitglied der Begleitgruppen zur Ortsplanung, der Sanierung des Bahnhofplatzes und der Neugestaltung der Wiler-/St. Gallerstrasse. Dass er dem Strassensanierungsprojekt skeptisch gegenübersteht, auch zu den Befürwortern des Referendums zählt, hatte der 48-Jährige nie verhehlt. Nach wie vor ist er überzeugt, dass der Preis, den die Geschäfte mit den Parkplatz-Verlusten zahlen, zu hoch ist. «Die Leistungsfähigkeit bzw. Sicherheit liesse sich auch über Temporeduktionen verbessern.»

Leider hätten es die Flawiler 1984 versäumt, an einer Umfahrung weiterzuarbeiten», bedauert er und ergänzt: «Darüber sollten wir, angesichts der zu erwartenden Verkehrszunahme, wieder laut nachdenken.» Von einer «gefreuten Sache» hingegen spricht Noldi Baumann bei der Marktplatzgestaltung. Neben den 100 Parkplätzen wünschte er sich jedoch auch Raum für Lasten- bzw. Cargovelos. «Eine praktische und umweltfreundliche Alternative zum Auto für Kurzstrecken.» Energie sei ohnehin ein wichtiges Thema. Erstrebenswert wäre, findet er, eine flächendeckende energetische Eigenversorgung von Wohneigentum.

Energie besitzt Baumann selber zuhauf. Entsprechend aktiv ist er in seiner Freizeit – weniger im sportlichen denn im kulturellen/kulinarischen Bereich. Kochen tue er gern, wenn auch nicht hobbymässig, sagt er. Gelernt habe er dies als Koch im Militär. Und er spielt Handharmonika. Neun Jahre sei er mit den «Saitenspringern» aufgetreten, und seit dem Frühling begleite er nun als Akkordeonist den Kindertrachtenchor Niederwil.

Bild: Andrea Häusler

Bild: Andrea Häusler