Laura im Scheinwerferlicht

Das Jazzin-Festival 2011 ist Geschichte. Ein Kapitel gehört Laura Boldo. Die 17jährige Hobby-Sängerin aus Flawil hatte vor einem Monat ihren grossen Auftritt. Das junge Gesangstalent entzückte die erfahrenen Jazzfans. Doch wer ist sie?

Mario Fuchs
Drucken
Teilen
Singt und spielt neuerdings Piano: Laura Boldo, deren Stern am Jazzin-Festival aufging und vielleicht bald wieder aufleuchten wird. (Bild: mf.)

Singt und spielt neuerdings Piano: Laura Boldo, deren Stern am Jazzin-Festival aufging und vielleicht bald wieder aufleuchten wird. (Bild: mf.)

FLAWIL. Der Scheinwerfer zündet mitten auf die Bühne. Im weissen Lichtkegel steht sie. Schwarze Leggings, beiges Oberteil bis über die Hüfte, das lange Haar zusammengebunden. Laura Boldo lächelt. Etwas schüchtern, etwas nervös, etwas stolz. Aber so richtig ehrlich. Sie weiss es noch nicht, doch nach dem zweiten Song beginnt sie, es zu erahnen: Das könnte ihr Abend werden. Hier, im Lindensaal, nur gerade 50 Meter von dort entfernt, wo vor vier Jahren alles begonnen hatte.

Mit doppeltem Mut geht's

Laura Boldo, halb Italienerin, halb Spanierin, war damals 13jährig. Sie besuchte die Flawiler Oberstufe. Musik hatte ihr schon immer etwas bedeutet, doch als Freundin Deborah sie überreden will, Gesangsunterricht zu nehmen, zögert sie. «Alleine hätte ich mich nicht getraut», sagt Laura Boldo heute. Zu zweit schon. Gesangslehrerin Daniela Candrian nimmt die jungen Frauen auf, unterrichtet sie. Erste Erfahrungen sammelt Laura Boldo in der Schülerband von Urs C. Eigenmann. Mit dem Flawiler Musiklehrer und Jazzpianisten kann sie es gut, man versteht sich, ist sich sympathisch.

«Yeah man!»

Der helle Scheinwerfer erlischt, das Saallicht wird heller. Das Publikum kann sich nicht mehr halten. Pfiffe, Applaus, Bravo-Rufe. Begeistert, ja gar entzückt sind die Zuhörer von der 17-Jährigen, die da auf der Bühne steht und Jazz-Standards singt, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Urs C. Eigenmann, dessen Band off&out gerade ihren Auftritt am Jazzin-Festival 2011 beendet hat, legt den Arm um Laura Boldo. «Yeah man!», fährt es ihm heraus. Laura Boldo lächelt. Etwas schüchtern, gar nicht mehr nervös, dafür etwas stolzer. Neben ihr Eigenmann, mindestens so stolz.

So zwei oder drei Lieder

Schon zu Beginn der Sekundarschule weiss Laura Boldo: «Ein Bürojob ist nichts für mich.» Sie hockt nicht gerne am PC, will etwas Handwerkliches machen. In St. Gallen kann sie als Zahntechnikerin schnuppern. Das Filigrane, das genaue Arbeiten mit den Händen, das sagt ihr zu. Die zwei Jahre Violinunterricht haben doch noch etwas Gutes – die Feinmotorik ist gut trainiert. Mit dem Singen ist Anfang 2011 zunächst Schluss, für Unterricht bei Daniela Candrian bleibt nebst Arbeit und Berufsschule keine Zeit.

Urs C. Eigenmann vergisst seine Schülerin nicht, hat seine helle Freude am jungen Gesangstalent. Er lädt sie ein, an Proben seiner Band off&out teilzunehmen. Im Frühling dieses Jahres fragt der Jazzer schliesslich, ob Laura Boldo denn Lust hätte, einen oder zwei Auftritte mitzumachen. Sie hat. Es wird geprobt, «so zwei oder drei Lieder, mehr nicht», erinnert sich Laura an die Worte ihres Mentors. Am Schluss werden es sechs.

Rock im Zug, Jazz im Proberaum

So ruhig, so unspektakulär wie Laura Boldo im Garten des Elternhauses sitzt, so sei es dann nicht immer bei ihr, sagt sie. «Mein Temperament kann schon manchmal zum Vorschein kommen.» Etwa dann, wenn die selbsternannte «Musiksüchtige» ihren iPod nicht findet. Er ist ihr ständiger Begleiter, zu Hause, im Zug, überall. Er spielt «e chli alles», aber viel Rock, etwa von Rise Against oder Yellowcard. Und Jazz? «Ja, natürlich auch Jazz, aber das vor allem im Proberaum.»

Wie es weitergeht nach dem famosen Auftritt am Jazzin-Festival, weiss sie noch nicht. «Im Zentrum steht klar die Lehre», sagt Laura Boldo. Mit Urs C. Eigenmann trifft sie sich immer noch, er bringt ihr jetzt das Klavierspielen bei. Damit sie ihren Gesang selbst begleiten kann. Und damit der Scheinwerfer im Lindensaal, oder in einem noch grösseren, dereinst wieder auf eine junge Sängerin zeigt, die dasteht und lächelt, dann nicht mehr schüchtern, nicht mehr nervös, aber so richtig stolz.

Aktuelle Nachrichten