Landwirtschaftliches Biogasprojekt in Planung

In Kirchberg hat ein Bauer das Baugesuch für die erste landwirtschaftliche Biogasanlage im Toggenburg eingereicht. Er möchte eine Anlage erstellen, die für rund 170 Haushalte Strom produziert. Die dazu notwendigen organischen Reststoffe sind in der Region vorhanden.

Jesko Calderara
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Auch Speisereste eignen sich für die Produktion von Biogas. Energietal Toggenburg lancierte deshalb vor einiger Zeit ein entsprechendes Projekt. (Bild: Ralph Ribi)

Auch Speisereste eignen sich für die Produktion von Biogas. Energietal Toggenburg lancierte deshalb vor einiger Zeit ein entsprechendes Projekt. (Bild: Ralph Ribi)

KIRCHBERG. In der Region sind zahlreiche Photovoltaikanlagen und Wasserkraftwerke in Betrieb. Ein Schattendasein fristet hingegen die Bioenergie. Aus organischen Reststoffen, etwa Abfällen der Gastronomie, Gülle oder Grünabfällen, können in einer Biogasanlage Strom und Wärme gewonnen werden. Nun soll in Kirchberg ein Projekt realisiert werden. Ein Landwirt hat ein Baugesuch eingereicht. «Bis zur Bewilligung solcher Vorhaben ist es ein Hürdenlauf», sagt Ewald Geisser, Vorstand Energietal Toggenburg und Leiter Fachgruppe Bioenergie. Es seien gegenläufige Interessen im Spiel. Dies dürfte seiner Ansicht nach auch der Hauptgrund sein, dass diese Energieform bis anhin nicht stärker genutzt wird.

Strom für rund 170 Haushalte

Eine erste Herausforderung stellt die Erschliessung dar. Weil organisches Material mit Lastwagen angeliefert wird, müssen Biogasanlagen gut erschlossen sein. In der Landwirtschaftszone dürfen zu diesem Zweck jedoch keine zusätzlichen Strassen gebaut werden, gibt Ewald Geisser zu bedenken. «Falls Bauernhöfe nahe an einer Wohnzone liegen, droht möglicherweise Opposition von Nachbarn aus Angst vor Geruchsemissionen.» Dazu seien staatliche Stellen wie das Veterinäramt oder das Amt für Raumplanung involviert, die ein Biogasprojekt beurteilen und ihre Zustimmung dazu geben müssten, erläutert Geisser.

Die Biogasanlage, wie sie in Kirchberg geplant ist, verfügt über eine elektrische Leistung von 200 Kilowatt und soll dereinst Strom für ungefähr 170 Haushalte produzieren. Von der anfallenden Energiemenge sind zwei Drittel Wärme – die Hälfte davon wird für den Betrieb des dazugehörigen Motors verwendet. Die Investitionssumme einer Biogasanlage dieser Grössenordnung beträgt 1,7 bis 2,3 Millionen Franken. Es brauche nicht nur Idealismus, sondern auch erhebliche finanzielle Mittel, betont Geisser. «Ein wirtschaftlicher Betrieb ist deshalb nur dank der kostendeckenden Einspeisevergütung möglich.»

Begrenztes Material für Anlagen

Landwirtschaftliche Biogasanlagen müssen mit 80 Prozent Hofdünger wie Mist und Gülle betrieben werden. Die restliche Menge des notwendigen Substrats können Grüngut oder Abfälle aus Gastrobetrieben sein. «Solches Material ist in der Region aber nur begrenzt verfügbar», sagt Geisser. Er schätzt, dass im Toggenburg zwei, höchstens drei solcher Anlagen optimal wären. «Es handelt sich um eine erneuerbare Energiequelle, die einen wertvollen Beitrag zur Erreichung der Ziele von Energietal Toggenburg liefern wird.»

Seit einigen Jahren läuft darüber hinaus das Projekt Gastroabfälle. Weil Speisereste seit dem 1. Juli 2011 nicht mehr den Schweinen verfüttert werden dürfen, suchte Gastro Toggenburg mit den Energietal-Verantwortlichen nach einer Lösung. Die Abfälle lassen sich relativ einfach zu Biogas verwerten. Durchschnittlich werden pro Woche etwa 1,5 Tonnen Speiseresten in Hotels, Restaurants sowie Kantinen zwischen Wildhaus und Kirchberg gesammelt. Das Potenzial im Toggenburg liege seiner Einschätzung nach aber deutlich höher, sagt Huser.

Pläne bei TMF auf Eis gelegt

Vorerst auf Eis gelegt sind dagegen die Pläne der TMF Extraktionswerk in Bazenheid. Das Unternehmen wollte auf dem eigenen Firmengelände eine Vergärungsanlage für Tier- und Schlachtabfälle bauen. Aktuell sind die Marktpreise für Tiermehl und Extraktionsfett aber attraktiver als jene für Biogas.

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