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Laienkomiker spielt Laienkomiker

Der Kulturpunkt Degersheim schloss am Freitag seine Saison mit dem St. Galler Komödianten Stefan Millius ab. Der Abend fand wie schon gewohnt am Ende der Saison im Brockenhaus statt.
Michael Hug
Spielt ein neues Programm, das es noch gar nicht gibt: Stefan Millius. (Bild: Michael Hug)

Spielt ein neues Programm, das es noch gar nicht gibt: Stefan Millius. (Bild: Michael Hug)

Hier traten schon Lara Stoll auf, Richi Küttel und Manuel Stahlberger. Grössen in der Kleinbühnenszene. Und jetzt Stefan Millius. Der Komödiant, der sich selbst Laienkaberettist nennt, ist kein Unbekannter als Journalist, doch als Komiker ist sein Palmares noch nicht reichlich beschmückt und sein Ruf noch nicht allzu tief in die Provinz hinausgedrungen. Degersheim ist natürlich Provinz, obwohl es bis in die Hauptstadt nur 20 Minuten sind, doch was in dieser Hauptstadt einen Namen schon hat, muss diesen längst nicht auch im urbanen unteren Toggenburg haben. Vielleicht war das der Grund, warum am Freitag nur drei Dutzend Kulturinteressierte – die Hälfte davon mutmasslich aus der Hauptstadt, bzw. aus dem Fankreis des Protagonisten – den Weg ins Brocki gefunden haben.

Karge Szenerie

Eigentlich schade, denn Stefan Millius hat durchaus etwas zu sagen. Wenn auch nicht mit dem gesprochenen Wort, wie er im Laufe des Abends zugibt, so doch mit dem, was er meint, und das er dann doch noch ausspricht. Seine Szenerie ist ziemlich karg: ein Podest, darauf ein Stuhl (eigentlich zwei Stühle, auf dem zweiten liegt das Textbuch, falls er etwas vergessen sollte aus seinem Monolog), ein Schweinwerfer. Dann der Mann in abgewetzten Jeans und Gammel-Hoodie. Voll auf Understatement.

Der Mann möchte, dass man ihm zuhört, alles andere muss unwichtig sein. Sein Plot ist gesucht und lapidar zugleich: Was geht eigentlich ab, wenn Bühnenkünstler Verträge für eine Performance unterschreiben.

Das Hackbeil des Veranstalters

Millius erklärt es und überspitzt zugleich. 200 Seiten Vertragswerk in 6-Punkt-Schrift und das noch ohne Kleingedrucktes. Das Hackbeil des Veranstalters im Nacken und dann jenes des Publikums. Doch noch hat er nicht einmal ein Programm zusammen. Eine Ausgangslage, die mit sich selbst kokettiert. Der Künstler kann sich jederzeit mit dem Argument herausreden, er habe nicht gewusst, dass von ihm ein neues Programm gewünscht sei. Weil er den Vertrag nicht durchgelesen habe, gibt er kleinlaut zu. Also, liebes Publikum, entschuldigt die mässige Performance, bitte.

Wenn die Beleuchtung nicht funktionieren würde, käme ihm das gerade recht, und für den Veranstalter wäre es das kleinste Problem. Nun sitzt er da in seiner Not und muss etwas liefern, das noch nicht da gewesen ist. Dabei sei sein letztes Programm schon ziemlich schlecht angekommen: Das Publikum hätte stets an den falschen Stellen gelacht.

Horrendes Tempo

Doch dann schlägt sich Stefan Millius durchs Programm, irgendwie. Macht Witzchen, beobachtet und denkt intelligent ums Eck und all das in horrendem Tempo. Seinen Text hat er gut gelernt und trotzdem wirkt der Mann angespannt. Man spürt, wie der Plot vor seinem inneren Auge abläuft, deshalb mag er auch nicht ins Publikum schauen.

Es ist ja eine Premiere. Der erste Auftritt mit einem neuen Programm – das es notabene noch gar nicht gibt –, da läuft nie alles rund, selbst bei abgebrühtesten Profis nicht. Um keine Ansprüche zu schüren, gibt er den übertölpelten Hobbykomiker. Es wird nie ganz klar, ob er diese Rolle spielt oder selber ist. Inhaltlich hat Millius in seinem dritten Bühnenprogramm viel Neues und Überraschendes, ja Intellektuelles anzubieten, schauspielerisch bewegt er sich noch im Laienstadium. Fazit: Laienkomiker: Daumen rauf, Kabarettist: Daumen runter.

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