LAGEPLAN DER BEIDEN WIL: Das Weinland Wil

Das Dorf Wil im Kanton Aargau befasst sich mit ganz anderen Problemen wie die Stadt Wil im Kanton St. Gallen. Gemeindepräsident Peter Weber erzählt von den Herausforderungen einer kleinen Gemeinde.

Jonas Manser
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Das ländliche Wil im Kanton Aargau ist bekannt für seinen Wein. (Bild: PD)

Das ländliche Wil im Kanton Aargau ist bekannt für seinen Wein. (Bild: PD)

Jonas Manser

jonas.manser@wilerzeitung.ch

Die formschönen Jurahöhen umgeben das ländliche Wil im Kanton Aargau, bekannt für seinen Wein, wovon jedes Jahr rund 80000 Flaschen verkauft werden. Im Jahr 2008 fusionierte die ehemals eigenständige Gemeinde mit den umliegenden Gemeinden Etzgen, Hottwil, Mettau und Oberhofen und wurden so zur Gemeinde Mettauertal vereint. Der Grund dafür war, dass die Gemeinde nur knapp 600 Einwohner zählte. «Wil war schlichtweg zu klein, um den heutigen Anforderungen einer Gemeinde zu genügen. Wir waren finanziell den zukünftigen Herausforderungen nicht mehr gewachsen», sagt Peter Weber, ehemaliger Gemeindepräsident von Wil. Er übernahm nach der Fusion das Gemeindepräsidium der neu entstandenen Gemeinde Mettauertal.

Zusammen besser in die Zukunft

«Wir hätten die jetzige Infrastruktur nicht aufrechterhalten können. Eine Verschuldung wäre unausweichlich gewesen», sagt Weber. Um die fortlaufend zunehmenden Aufgaben zu bewältigen, bräuchte man eine gewisse Grösse. Auch nach der Fusion sei die Gemeinde Mettauertal mit einer Bevölkerung von rund 2000 Personen immer noch klein. Der Zusammenschluss brachte viele Vorteile mit sich. So konnten beispielsweise die Schulen der fünf Dörfer kombiniert werden: Aus fünf Schulen wurden zwei. Eines der lehrstehenden Schulhäuser wurde zu einer Herberge umfunktioniert, andere verkauft oder vermietet.

«Wil ist sehr ländlich und umgeben von einer intakten, wunderschönen Landschaft mit einem aktiven Vereinsleben», beschreibt Weber seinen Heimatort. Dabei könne sich der Turnverein mit der grössten Mitgliederzahl brüsten. Die Guggenmusik sei mit 40 bis 50 Mitgliedern ebenfalls stark vertreten. Wie die Gemeinden, so seien auch einige der Vereine zusammengekommen. Andere wollten auf jeden Fall eigenständig bleiben. «Wil ist für seinen guten Wein bekannt», sagt Weber. Dies sei jedoch nicht immer der Fall gewesen. «Übertrieben gesagt, konnte man den Wein beinahe nicht trinken.» Vor ungefähr 35 Jahren kam dann die Wende. «Wie überall in der Schweiz fing man an, sich gründlicher mit der Materie zu befassen, das Handwerk weiterzuentwickeln. Jetzt ist unser Wein immer ausverkauft.»

Die Entstehung einer Tradition

Um den nun vorzüglichen Wein zu vermarkten, wurden seither zweimal jährlich Weinfeste in Wil durchgeführt. Diese sind mittlerweile fester Bestandteil im Jahreskalender der gesamten Region geworden. «Unser Wein hat in der Region und darüber hinaus einen guten Namen. Man kennt Wil vor allem für seinen Wein», sagt der Gemeindepräsident. Ein weiteres Gewerbe des Dorfes ist die Holzköhlerei, die auch heute noch in Wil betrieben wird. Vor zwei Monaten konnte eine Schulklasse, die für eine Woche zu Besuch in Wil war, beim Aufbau eines Köhlers mithelfen.

«Wer gerne Wein trinkt, für den lohnt sich ein Besuch in Wil auf jeden Fall», sagt Weber. Für eine gute Verpflegung finde man ganz in der Nähe in Hottwil eine hervorragende Wirtschaft. Führungen durch die Rebberge, Wanderwege ohne Ende, Nordic-Walking-Strecken oder Zelten auf dem Campingplatz: Es gebe einiges zu erleben.