Lärmschutz an der Gupfenstrasse: Wie der Uzwiler Gemeinderat gegen den Kanton kämpft

Wer in Wil vom Gammakreisel in Richtung Autobahn fährt oder den Lärmschutzwand-Kanal in Weinfelden passiert, stellt fest: Es gibt Schutzwände, die verunstalten die Welt. Doch exakt solche will der Kanton an der Gupfenstrasse in Uzwil bauen. Der Gemeinderat wehrt sich dagegen – bisher allerdings vergeblich.

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Beispiele von Lärmschutzwänden gibt es viele. Der Nutzen ist gegeben, die Ästhetik liegt im Auge des Betrachters. Das Bild zeigt den Lärmschutz zwischen der Zürcher Strasse und Sonnmattstrasse in St. Gallen.

Beispiele von Lärmschutzwänden gibt es viele. Der Nutzen ist gegeben, die Ästhetik liegt im Auge des Betrachters. Das Bild zeigt den Lärmschutz zwischen der Zürcher Strasse und Sonnmattstrasse in St. Gallen.

Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 15. September 2017)

(gk/ahi) Der Kanton muss an verschiedenen Kantonsstrassen Lärmschutzmassnahmen treffen. So auch auf einem Teilabschnitt der Gupfenstrasse, zwischen der Meisenstrasse und dem Kreisel Flawilerstrasse. «Bei allen acht Liegenschaften dort werden die Lärm-Werte überschritten, für fünf Liegenschaften will der Kanton eine Lösung. Für die drei Häuser, die am nächsten an der Strasse stehen, will er nichts tun – weil es sich nicht lohne», schreibt der Gemeinderat im aktuellen Gemeindeblatt.

Eine begrünte Wand mit Steinmauer

Der Kanton unterbreitete der Gemeinde vor fünf Jahren seine Lösung: Direkt hinter dem Trottoir soll eine dreieinhalb Meter hohe begrünte Wand entstehen. So, wie die Lärmschutzwand an der Autobahn in Gossau. Und obendrauf nochmals eine zwei Meter hohe Mauer, verkleidet mit einem lärmschluckenden Stein. «Dass damit eine Ortschaft räumlich durchtrennt wird, interessiert offenbar nicht» enerviert sich der Gemeinderat.

Mauer zerschneidet Siedlungsgebiet

Und die Gemeinde? Sie will einen siedlungsverträglicheren Lärmschutz. Denn eine Lärmschutzwand wird auch in 50 und 100 Jahren noch stehen und den Raum optisch zerschneiden. «Diese zerschneidende Wirkung könnte man noch hinnehmen, so lange das Areal Sonnmatt nicht bebaut ist. Man stelle sich eine beidseitige Lärmschutzwand und den Kanal vor, den das gäbe», schreibt der Rat weiter.

Taube Ohren in St.Gallen

Die Gemeinde hat versucht, mit dem Kanton zu besseren Lösungen zu kommen, hat dazu Fachleute beauftragt. Keine Chance. Der Kanton will seine Wand mit den tiefsten Bau- und Unterhaltskosten, wie sein ausschliesslich technischer Variantenvergleich ergab. Die Gemeinde nahm einen zweiten Anlauf hat nochmals Planer beauftragt, um das kantonale Projekt für das Ortsbild wenigstens zu verbessern. «Ohne Ergebnis, denn dazu müssten das Korsett der Rahmenbedingungen überdacht werden», kritisiert der Gemeinderat.

Gemeinde würde sich finanziell beteiligen

Die Gupfenstrasse hat eine Gesamtbreite von 18 Metern, die vierspurige Autobahn hat 25 Meter, allerdings mit beidseitigen Pannenstreifen. «Dass die Gupfenstrasse je wieder vierspurig werden könnte, ist ausgeschlossen», macht der Gemeinderat in seinem Bericht klar. Das Strassenprofil hat also Spielraum. Die Idee: Das kaum benützte Trottoir auf der bebauten Seite aufheben und die Fläche für einen siedlungsverträglichen Lärmschutz nutzen. Mit einer deutlich weniger geneigten Böschung statt einer steilen Wand, die einen Tunnel bildet und Lärm zur Sonnmatt reflektiert. Vor allem möchte die Gemeinde die Lösung auf dem ganzen Abschnitt zwischen der Flawiler- und der Meisenstrasse. Der Gemeinderat hat auch seine Bereitschaft signalisiert, allfällige Mehrkosten zu tragen. Das Ergebnis: Keine Chance. «Der Kanton will seine ursprünglich geplante Autobahn-Lärmschutzwand umsetzen», moniert der Gemeinderat.

Hoffnung auf die neue Departementsführung

Die Gemeinde hat jeweils ihre Planungen rasch umgesetzt und dem Kanton überlassen. Um für die anstossenden Eigentümer die Situation nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Ganz ohne Gemeinde wird der Kanton seine Lärmschutzwand wohl nicht schaffen. Will er sie bauen, muss ein Weg geschlossen werden, der aus dem Quartier an die Gupfenstrasse reicht. Dazu muss die Gemeinde die Wegklassierung aufheben. Soll sie das? Wenns diesen Weg zum Trottoir der Gupfenstrasse nicht mehr gibt, gibts definitv keinen Grund mehr, dort ein Trottoir zu haben. Aus Sicht der Gemeinde wäre es höchste Zeit, dass der Kanton Gesamtbetrachtungen macht und nicht nur in Strassen und Einzelaufgaben denkt. Ob die neue Führung des Baudepartements integriertere Lösungsansätze anstrebt?