"KV 4.0" soll kaufmännische Ausbildung ins digitale Zeitalter führen

In vielen Ausbildungsbetrieben hinkt die kaufmännische Lehre der digitalen Zeit hinterher. Ein Pilotprojekt des Berufs- und Weiterbildungszentrums Wil-Uzwil will das ändern.

Lara Wüest
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Die KV-Lehrlinge müssen sich neuen Herausforderungen stellen. (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die KV-Lehrlinge müssen sich neuen Herausforderungen stellen. (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)


Die kaufmännische Lehre galt lange als gute Basis für die berufliche Zukunft. Seit einigen Jahren hat die Ausbildung ihren Reiz für viele Jugendliche jedoch verloren. «Das Image des KV ist verstaubt», sagt Urs Thoma. Er ist am Berufs- und Weiterbildungszentrum Wil-Uzwil für den Bereich KV zuständig. Um dem KV neuen Aufwind zu geben, hat das Berufs- und Weiterbildungszentrum in Zusammenarbeit mit dem Amt für Berufsbildung St. Gallen und mit regionalen Lehrbetrieben ein neues Projekt lanciert: das KV 4.0. «Damit wollen wir die Lernenden besser auf den Arbeitsmarkt und die digitale Zeit vorbereiten», sagt Thoma. Die Berufsschule und viele Betriebe hätten da Aufholbedarf.

Im Umgang mit digitalen Medien geschult

Beim KV 4.0 handelt es sich um ein neues Ausbildungsmodell für die kaufmännische Lehre. Wie dieses konkret aussieht und welche Lehrbetriebe im Kanton St. Gallen am Projekt teilnehmen, verrät Thoma noch nicht. «Das werden wir diesen Donnerstag öffentlich bekanntgeben.»

Klar ist aber: Lehrlinge, die diese Ausbildung machen, werden im Umgang mit digitalen Medien geschult. Zudem leiten sie selbstständig ein grösseres Projekt. Und sie lernen gezielt, Probleme aus der Berufspraxis zu lösen. Zur Ausbildung gehört aber auch ein Praxisjahr zwischen dem zweiten und dritten Lehrjahr. In diesem sollen die Lernenden einige Monate in einem fremden Beruf arbeiten, etwa als Dachdeckerin oder Maurer. Zudem reisen sie für einen Auslandaufenthalt nach England.

Ein Unternehmen, das beim Projekt mitmacht, ist der Technologiekonzern Bühler in Uzwil. «Wenn sich Kaufleute mit multimedialen Anwendungen besser auskennen, ist das für unseren Betrieb ein Vorteil», sagt Andreas Bischof, Leiter der Berufsbildung bei Bühler. Für das Unternehmen geht es aber auch darum, im Wettbewerb um den Nachwuchs attraktiv zu bleiben. «Im Moment können wir unsere Lehrstellen gut besetzen», sagt Andreas Bischof. «Wir möchten, dass das auch in der Zukunft so bleibt.»

Teurer als das herkömmliche KV

Wie viel diese neue KV-Ausbildung kostet, behält Urs Thoma derzeit noch für sich. Er gibt aber zu: «Die Ausbildung ist teurer als das herkömmliche KV.» Die Lernenden müssen dafür jedoch nicht in die eigenen Taschen greifen. «Die Finanzierung erfolgt über eine Mischrechnung zwischen einer halböffentlichen Institution, den Lehrbetrieben und den Eltern», so Thoma.

Ob die neue kaufmännische Ausbildung über die Projektphase hinaus bestehen kann, ist offen. «Vielleicht wird es das KV der Zukunft, doch wer weiss, was in zehn Jahren ist», sagt Thoma.