Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kuscheln gegen die Kälte: Der Oberuzwiler Imker Urs Lenz erklärt, wie Bienen der Kälte trotzen

Im April wird Flawil zum Mekka der Schweizer Imker: Rund 350 Mitglieder des Dachverbands Bienen Schweiz werden an der Delegiertenversammlung erwartet. Grund genug, einmal nachzuschauen, was die Bienen im Winter eigentlich so treiben.
Tobias Söldi
Der Winter fordert seine Opfer: Damit der Eingang zum Bienenstock nicht verstopft, muss Urs Lenz erfrorene Bienen entsorgen. (Bilder: Tobias Söldi)

Der Winter fordert seine Opfer: Damit der Eingang zum Bienenstock nicht verstopft, muss Urs Lenz erfrorene Bienen entsorgen. (Bilder: Tobias Söldi)

Zu sehen gibt es nichts, nur zu hören – gespitzte Ohren vorausgesetzt. «Wenn man den Kopf ganz nah an den Bienenkasten hält, nimmt man ein leises Summen wahr», sagt Urs Lenz, Präsident des Bienenzüchtervereins Untertoggenburg. Hinter den Holzwänden seiner beiden Bienenhäuschen in Oberuzwil spielt sich Sonderbares ab: Die Bienen veranstalten ein regelrechtes Gruppenkuscheln, um gemeinsam der Kälte der Wintermonate zu trotzen.

Etwa ab Oktober rückt das gesamte Bienenvolk zu einem Haufen zusammen und bildet die sogenannte Wintertraube, in deren Mitte sich – natürlich – die Königin befindet. Die Bewegungen von Tausenden Flügeln lassen die Temperatur ansteigen. «Im Innern kann es bis zu 35 Grad warm werden», erklärt Lenz. Die Bienen zehren dabei von den in den Waben abgelegten Vorräten.

Ein ungebetener Gast klopft an

Während die Bienen versteckt ihrer gar nicht so untätigen «Winterpause» frönen, können sich ihre Besitzer auf die faule Haut legen. Alle zwei Wochen kontrolliert Urs Lenz, ob im Innern der Bienenkästen alles seine Ordnung hat. Dafür zieht er eine Schublade am Boden der Bienenkästen hervor, auf der sich in feinen Bahnen eine pulverförmige Substanz sammelt: Speisereste aus den Waben. «Je dicker die Spur, desto grösser das Volk. Ausserdem kann ich erkennen, wo im Stock es sich befindet», erklärt Lenz. Manchmal stört auch ein ungebetener Gast die zurückgezogenen Bienen: der Specht. «Er klopft und versetzt sie damit in Aufruhr – wenn er nicht gleich ein ganzes Loch durchs Holz schlägt.» Ihre Neugierde wird den Bienen zum Verhängnis: Einige wagen sich ins Freie – und werden gefressen.

Kinder sind besonders fasziniert: Lenz zeigt seinen Bienenstand auch Schulklassen.
Ein Blick auf Bienenwaben: Sie dienen zur Aufzucht von Larven und zur Lagerung von Honig und Pollen.
Der Rauch aus dem Smoker (rechts) stellt die Bienen ruhig und erleichtert die Arbeit mit ihnen.
Im Winter ist vor den farbenfrohen Bienenkästen wenig los.
Die Spuren auf der Schublade am Boden der Bienenkästen zeigen Urs Lenz, wie gross das Bienenvolk ist und wo im Stock es sich befindet.
6 Bilder

Kuscheln gegen die Kälte

Erst wenn die Tage wieder länger werden und die Temperaturen steigen, verlassen die Bienen langsam ihr Winterlager. Bei Temperaturen von über 9 Grad fliegen sie aus, um sich zu erleichtern – auf dem sogenannten Reinigungsflug. Auch die Imkerinnen und Imker werden wieder aktiver. Sie kontrollieren die Futtervorräte, im März werfen sie bereits einen ersten Blick auf die Völker.

Dann beginnen die geschäftigen Monate. «Zwischen April und Mitte September ist man ziemlich gebunden. Drei Wochen Ferien liegen da nicht drin», sagt Lenz. Im Mai hat er alle Hände voll zu tun und muss fast täglich nach seinen 18 Bienenvölker schauen. Der 52-Jährige, der als Mesmer bei der Galluspfarrei Oberuzwil arbeitet, besitzt nicht nur zwei Bienenhäuschen bei sich im Garten, sondern hat auch den ehemaligen Schiessstand zwischen Oberuzwil und Bichwil an der Längistrasse zum Bienenhaus umfunktioniert.

80 Prozent bleiben den Bienen treu

Dass sich die Imker dem Rhythmus der Bienen und der Natur anpassen müssen – und nicht umgekehrt – stört Urs Lenz nicht. Im Gegenteil: Gerade die Arbeit mit der Natur, der Einklang der Tätigkeiten mit den Jahreszeiten und die Abhängigkeit von Naturkräften faszinieren ihn besonders am Imkern. «Es gibt heute immer mehr Leute, welche die Jahreszeiten, das Wetter, die Vegetation gar nicht mehr spüren, weil uns immer alles zur Verfügung steht», sagt er. Lenz hat schon als Kind gemeinsam mit dem Vater geimkert. Nachdem das Interesse in der Jugend kurzzeitig einschlief, ist er mit 25 Jahren endgültig in die Welt der Bienen eingetaucht. Seit 2012 amtet er als Präsident des Bienenzüchtervereins.

Mit dieser Faszination ist Lenz nicht alleine. Imkern ist beliebt. Vergangenen Herbst haben 27 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den zweijährigen Imkergrundkurs des Bienenzüchtervereins Untertoggenburg abgeschlossen. Die Nachfrage ist gross, so Lenz, etwa 80 Prozent, schätzt er, blieben den Bienen treu. Das Teilnehmerfeld ist bunt: Ärzte und Bauern, Jung und Alt, Männer und Frauen – alle sind fasziniert von den summenden Insekten. Das Interesse weiter angefacht habe auch der Dokumentarfilm «More Than Honey». Der 2012 vom Schweizer Regisseur Markus Imhof gedrehte Film über das weltweite Bienensterben erschütterte. Und demnächst avanciert Flawil gar zum Zentrum der Schweizer Imkerszene, wenn die Delegiertenversammlung von Bienen Schweiz stattfindet (siehe Kasten).

Beliebt ist auch das Imkern auf den Dächern der Städte. «Basel weist den besten Honigertrag in der Schweiz auf», sagt Lenz. Schrebergärten, Parks, Pflanzen auf Balkonen – sie bieten den Bienen ein ideales Umfeld, das besser ist als die Monokulturen der Landwirtschaft.

Imker haben ein ruhiges Naturell

Doch in der Welt der Bienen ist nicht alles so kuschelig wie in der heimeligen Wintertraube im geschützten Bienenstock. Sorgen bereitet den Imkern etwa die Varroa-Milbe, eine 1,6 Millimeter grosse Milbe aus Asien. Sie wurde 1977 mit asiatischen Honigbienen nach Deutschland eingeschleppt. Der Parasit schädigt Bienen und ihre Brut. «Hiesige Bienen sind nicht in der Lage, die Milbe zu eliminieren», erklärt Lenz, asiatische Bienen hingegen seien resistent. Gegen die Milbe werden natürliche Mittel wie Oxal- und Ameisensäure oder Thymol eingesetzt. Auch fremde Bienen können einem Volk schaden. «Es gibt aggressive Völker, die Honig klauen und bei sich einlagern», sagt Lenz.

Für Kopfzerbrechen sorgt auch der Kleine Beutenkäfer, ein Bienenschädling, der in Süditalien sein Unwesen treibt. Ausgewachsene Käfer und Larven fressen Honig, Pollen und bevorzugt Bienenbrut. «Alles geht kaputt», sagt Lenz. In der Schweiz sind zwar noch keine Fälle bekannt, die Ausbreitung in Italien aber verlangt auch von Schweizer Imkerinnen und Imkern erhöhte Aufmerksamkeit. «An den Grenzen wird alles genau kontrolliert, damit der Käfer nicht eingeschleppt wird.»

Allzu besorgt wirkt der passionierte Imker aber nicht ob dieser Aussichten und Probleme. Vielleicht liegt es auch am Naturell der Bienenzüchter. «Man muss schon eher ein ruhiger Typ sein, um zu imkern.»

Zentrum der Bienenszene

Am 6. April wird Flawil zum Zentrum der Bienenwelt. Dann findet im Lindensaal die vom Bienenzüchterverein Untertoggenburg organisierte Delegiertenversammlung von Bienen Schweiz statt. Rund 350 Delegierte werden erwartet, darunter Vertreter der Gemeindebehörde Flawil, des Regierungsrates des Kantons St. Gallen und ein Nationalrat.
Bienen Schweiz (früher VDRB, Verein deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde) vertritt als Branchenverband die Interessen der Imker in der deutschen und rätoromanischen Schweiz. Das sind rund 14000 Imker mit ungefähr 140000 Völkern. (tos)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.