Kurz und bündig: Das sollte man nach den Wahlen im Wahlkreis Wil wissen

Wie ist die Region Wil die nächsten vier Jahren in der Pfalz vertreten? Die St. Galler Kantonsrats- und Regierungsratswahlen 2020 schaffen Fakten. Hier sind sie. 

Hans Suter
Hören
Drucken
Teilen
Geschafft! Die Kantonsräte Bruno Cozzio (links) und Cornel Egger mit der frisch gewählten Regierungsrätin Susanne Hartmann im Pfalzkeller.

Geschafft! Die Kantonsräte Bruno Cozzio (links) und Cornel Egger mit der frisch gewählten Regierungsrätin Susanne Hartmann im Pfalzkeller.

Bild: Ralph Ribi

Der Wahlkreis Wil ist ab 1. Juni mit dem Beginn der Legislaturperiode 2020–2024 mit sechs statt fünf Parteien im 120-köpfigen St.Galler Kantonsparlament vertreten. Zu SVP, CVP, FDP, SP und Grünen ist die GLP hinzugekommen. Am meisten Sitze haben die SVP (5) und die CVP (5), gefolgt von der FDP (3), der SP (2), den Grünen (2) und der GLP (1). Je einen Sitz verloren haben SVP, FDP und SP, je einen gewonnen haben CVP, Grüne und GLP.

Frauenanteil verdoppelt, aber weiterhin viel zu tief

Neu wird die Bevölkerung des Wahlkreises Wil von vier Frauen und 14 Männern vertreten, also zwei Frauen mehr als vorher. Der Frauenanteil steigt damit von 11,1 auf 22,2 Prozent. Angesichts der Tatsache, dass in dieser Region etwa gleich viele Männer wie Frauen leben, sind die Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert. Das bliebe auch so, wenn es bei der SVP, CVP, FDP oder SP während der Legislaturperiode zu einem vorzeitigen Rücktritt käme. Erster Ersatz bei der SVP ist der nicht mehr gewählte Jonschwiler Kantonsrat Peter Haag, bei der FDP würde der ebenfalls nicht mehr gewählte Flawiler Kantonsrat Erich Baumann nachrutschen.

Bei der CVP steht der Uzwiler Gemeindepräsident Lucas Keel an erster Stelle. Das Besondere dabei: Keel wäre eigentlich zweiter Ersatz, rutscht aber auf den ersten Platz nach, weil die Degersheimer Gemeindepräsidentin Monika Scherrer bereits für die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann nachrutschen kann. Diese hat auf Anhieb den Sprung in die Kantonsregierung geschafft.

Bei der SP ist der Wiler Stadtparlamentarier Arber Bullakaj erster Ersatz. Bei zwei Parteien sind Frauen als erster Ersatz gelistet: Bei den Grünen die Niederuzwiler Kindergärtnerin Judith Durot und bei der GLP die Wiler Stadtparlamentarierin Erika Häusermann.

Vorzeitige Rücktritte möglich, aber unbeliebt

Ob es in den nächsten vier Jahren zu vorzeitigen Rücktritten kommen wird, lässt sich aktuell schwer beurteilen. Zum einen würden die Zurücktretenden damit den Wählerwillen missachten, zum anderen aber könnten die Nachrutschenden bei den nächsten Wahlen als Bisherige antreten. Aus parteipolitischer Sicht ein Teufelskreis. Solche Schritte müssen die Parteien deshalb sorgsam abwägen und plausibel begründen können.

Die Bürgerlichen haben weiterhin das Sagen in der Region

Aus den Wahlen resultiert ein leichter Rutsch hin zur Mitte. Rechts haben die SVP und die FDP zu Gunsten der Mitteparteien CVP und GLP je einen Sitz eingebüsst, während sich der Sitzverlust der SP und der Sitzgewinn der Grünen politisch weitgehend neutralisieren. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bürgerlichen in der Region weiterhin das Sagen haben. Die Rechte mit SVP (27,62%) und FDP (16,68%) kommt trotz Verlusten immer noch auf einen Wähleranteil von stolzen 44,3 Prozent. Die Mitte mit CVP (23,67%) und GLP (4,7%) legte um 6 Prozentpunkte auf 28,3 Prozent zu, die Linke mit SP (12,21%) und Grünen (11%) bringt es auf 23,2 Prozent.

Damit spielt die CVP das Zünglein an der Waage. Man mag hier einwenden, der Wahlkreis Wil stelle mit 18 der 120 Sitze nur gerade einen Sechstel des St.Galler Kantonsparlaments. Das stimmt zwar, doch sind die Kräfteverhältnisse auf Kantonsebene fast kongruent mit jenen im Wahlkreis Wil.

Diese Kandidierenden haben am meisten Stimmen erhalten

Die meisten Wählerstimmen hat der Uzwiler Revierförster und CVP-Kantonsrat Bruno Cozzi erhalten: 7529 Wählerinnen und Wähler legten für ihn ein. Auch die Plätze 2 bis 4 gehen an die CVP: Cornel Egger (6156), Oberuzwil; Ernst Dobler (6103), Oberuzwil; Sepp Sennhauser (5453), Wil. Die Ränge 5 bis 10 gehen an die SVP: Bruno Dudli (5272), Oberbüren; Ursula Egli-Seliner (4652), Wil; Erwin Böhi (4481), Wil; Damian Gahlinger (4354), Niederhelfenschwil; Karl Schweizer (4345), Degersheim, und Peter Haag (4236), Jonschwil. Bitter für Peter Haag: Er hat die Wiederwahl nicht geschafft, obwohl er dreimal soviel Wählerstimmen auf sich vereinen konnte wie die neu gewählte GLP-Kantonsrätin Franziska Cavelti Häller. Das geltende Proporz-Wahlsystem ist eben sprichwörtlich des einen Freud und des anderen Leid.

Drei Regierungsmitglieder aus der Region Wil

Stark hat die Region Wil bei den Regierungsratswahlen abgeschnitten: Drei der sieben Regierungsmitglieder wohnen im Wahlkreis Wil. Mit 67316 Stimmen liegt Marc Mächler (FDP, Zuzwil) unter den Drei an der Spitze, gefolgt von Stefan Kölliker (SVP, Wil) mit 65077 und der neu gewählten Susanne Hartmann (CVP, Wil) mit 57464 Stimmen.

Bleibt zum Schluss die Frage: Wer ist eigentlich Panaschierkönig geworden im Wahlkreis Wil? Es ist Bruno Cozzio.

Mehr zum Thema