KUNSTTURNEN: Seit Jahren gute Freunde

Reck-Europameister Pablo Brägger und die Olympia-Dritte Giulia Steingruber sind die Gesichter des Schweizer Turnsports. Das sportliche Traumpaar versteht sich auch privat bestens.

Urs Huwyler
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Giulia Steingruber und Pablo Brägger verbindet einiges, aber sie sind kein Paar. (Bild: Urs Huwyler)

Giulia Steingruber und Pablo Brägger verbindet einiges, aber sie sind kein Paar. (Bild: Urs Huwyler)

Urs Huwyler

sport@wilerzeitung.ch

Sind sie nun ein Paar oder nicht? Dies fragen sich bei gemeinsamen Auftritten der TZ-Fürstenländer Giulia Steingruber (Gossau) und Pablo Brägger (Oberbüren) immer wieder wissbegieriege Beobachter. Zumal es kein Schweizer Weltklasse-Sportler-Duo gibt, das sowohl visuell als auch altersmässig derart gut zusammenpasst. Der WM-Vierte hat am Montag seinen 25. Geburtstag gefeiert, die mehrfache Europameisterin wird am 24. März 24 Jahre jung.

Die Boulevard-Frage entlockt den in Magglingen trainierenden Micarna-Team-Mitgliedern meist ein schelmisches Lächeln. Sie treten zwar wie beim Sieg am Swiss Cup oft paarweise auf, sind seit ihrer Jugend befreundet, mögen und verstehen sich, haben schon den einen oder andern Samstagabend zusammen im Ausgang oder an der Olma verbracht. Aber privat sind sie kein Paar, waren es nie. Ihre Partner, denen die Schwärmereien für die Lieblinge schon mal zu denken geben dürfte, stamm(t)en nicht aus der Turnszene.

Magglingen liegt nicht im Zentrum der Schweiz

Der Traumpaar-Effekt ist wegen der Erfolge und des Strahlemann-/ -frau-Images allerdings längst zum Bumerang geworden. Giulia Steingruber wird durch den Verband (STV) seit Jahren als «Gesicht des Turnsports» hergezeigt, Pablo Brägger entwickelt sich zum Pendant bei den Männern. Ob DV, Wettkämpfe, VIP- und andere Anlässe, Giulia und Pablo sind in Sport, Wirtschaft, Politik und Medien als Traumpaar gefragt, werden als «Verbands-­Angestellte» auf- und herum­geboten.

Es sei manchmal schwierig, Training, Wettkämpfe und offizielle Termine unter einen Hut zu ­bringen, betonen beide. Zumal Magglingen nicht im Zentrum der Schweiz liege. Für Aussen­stehende ist es sowieso unvorstellbar, täglich stundenlang in einer Halle herumzuturnen. «Manchmal macht es keinen Spass, es schmerzt immer etwas, aber das Positive überwiegt. Wir ar­beiten seit Jahren darauf hin, an Grossanlässen vorne dabei zu sein. Dieses Ziel haben wir erreicht», tönt es in der Kunstturn­fraktion. Entsprechend gross sei die Freude über Erfolge der «andern Hälfte».

Fernziel bleiben die ­ Olympischen Spiele 2020

2020 nach den Olympischen Spielen in Tokio könnten die Karrieren zu Ende gehen. Turnen auf Profi-Niveau hinterlässt Spuren. Pablo Brägger geht derzeit nach einer Operation am rechten Knie (Schleimhautfalte/Meniskus) seit Mitte November an Krücken, muss vier Monate pausieren, möchte im August (EM) und November (WM) mehr als dabei sein. Wobei pausieren für den Turner des STV Oberbüren nicht zutrifft. Er trainiert bereits wieder in Magglingen. Neben der Reha den Oberkörper.

Die gesundheitliche Ausgangslage war ähnlich wie bei (Sportler-)Freundin Giulia Steingruber. Sie hatte sich Anfang Januar entschieden, die Beschwerden (Aussenband/Sprunggelenk) am rechten Fuss operativ beseitigen zu lassen und nicht mehr mit Schmerzmitteln einzudämmen. «Ich hätte noch drei Jahre weiterturnen können wie bisher und die Schmerzen statt die Ursachen bekämpfen können, doch das wollte ich nicht», sagt Pablo Brägger und hofft wie bei Giulia Stein­gruber auf eine Heilung ohne Komplikationen.

Wird den Athleten im Spitzensport zu wenig Erholungszeit eingeräumt? Bei der WM-Dritten Giulia Steingruber meldet sich der Fuss nach Extrembelastungen. Zwei Wettkämpfe innerhalb von vier Tagen sind unmöglich. «Mein Körper ist bestimmt nicht unglücklich über die Ruhephase und ich bringe den Kopf frei», ­gewinnt Pablo Brägger der Verletzung Positives ab. Doch eigentlich hat er wie seine Sport-Freundin keine Zeit für die Heilung. Kunstturnen ist trainingsintensiv, kann nicht bis ins frühe Mittel­alter auf höchstem Niveau betrieben werden. Und irgendwann möchten die Traum-Partner eine eigene Familie gründen. Trotz ­aller Sympathien füreinander nicht miteinander.