Kunststudenten verzieren die Fassade des Schulhauses Hofacker in Jonschwil mit neugierigen Einzellern – und einer subversiven Botschaft

Studierende der Schule für Gestaltung St.Gallen haben in den vergangenen Tagen die Fassade des Schulhauses Hofacker in Schwarzenbach bemalt. Auch die Wand des Kindergartens hätte bunt werden sollen – doch die Gemeinde war dagegen.

Tobias Söldi
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Sichtlich stolz: die Studierenden vor ihrem Kunstwerk, ganz rechts Dozentin und Projektleiterin Myriam Gämperli.

Sichtlich stolz: die Studierenden vor ihrem Kunstwerk, ganz rechts Dozentin und Projektleiterin Myriam Gämperli.

Bilder: Tobias Söldi

Bunte Einzeller kriechen über die Fassade des Schulhauses Hofacker in Schwarzenbach. Manche erinnern an Tintenfische, andere an Elefanten, wieder andere an Wasserpflanzen. Mit grossen, neugierigen Augen blicken sie umher, als wüssten sie nicht recht, wo und wie sie hier gelandet sind.

Myriam Gämperli kennt die Antwort. Sie ist Dozentin an der Schule für Gestaltung St.Gallen – und ehemalige Bettenauerin. Unter ihrer Leitung haben in den vergangenen Tagen zwölf Studierende des gestalterischen Vorkurses die Fassaden des Schulhauses mit solchen «Mönsterli», wie sie ihre Wesen nennen, bemalt.

Myriam Gämperli, Dozentin an der Schule für Gestaltung St. Gallen.

Myriam Gämperli, Dozentin an der Schule für Gestaltung St. Gallen.

Ein verlassenes Schulhaus

Der Auslöser zum Wandbild kam jedoch nicht von St.Gallen, sondern aus dem Schulhaus Hofacker selbst. Der baldige Abbruch des Gebäudes brachte das Team um Lehrerin Katrin Pedrazzi auf die Idee, das Gebäude gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zu bemalen und zu gestalten. Das Thema: Wie sähe das Schulhaus in 100 Jahren aus, wenn es, völlig verlassen, der Natur überlassen würde? Ende Februar fiel der Startschuss an einer grossen Versammlung mit allen 250 Kindern des Schulhauses.

Künstlerische Unterstützung holte sich die Lehrerschaft dabei von der Schule für Gestaltung St.Gallen. Die Studierenden des Vorkurses wurden eingeladen, die Fassade zu bemalen, während sich die Schülerinnen und Schülern im Innern kreativ austobten.

Wegen Corona verzögerte sich jedoch alles ein wenig, und erst jetzt, mit Beginn der Sommerferien, konnten sich die Studierenden des Vorkurses ans Werk machen.

11 Bilder

Bilder: Tobias Söldi

Politisches Statement für die Kunst

Und eigentlich hätte noch eine weitere Wand bunt werden sollen, nämlich diejenige des Kindergartens gleich nebenan, der nicht abgebrochen wird – damit wenigstens ein Werk der Studierenden nicht der Zerstörung zum Opfer fällt.

Doch eine entsprechende Anfrage habe der Jonschwiler Gemeinderat abgelehnt, erzählt Lehrgangsleiter Andy Storchenegger – auch er hat wie Dozentin Gämperli seine Wurzeln in der Gemeinde. Ob «Normalbürger» denn unterscheiden könnten, ob es sich dabei um Kunst handle oder nicht, habe sich die Behörde in der Absage gefragt.

Die Studierenden drehten kurzerhand den Spiess um und versahen eine der Wände mit einem politischen Statement. «Befreit die Normalbürger*Innen» steht da, darunter eine kämpferisch geballte Faust mit einem Pinsel, ein Aufruf gegen ein allzu engstirniges Kunstverständnis. Kunst lässt sich eben keinen Maulkorb anlegen.

An einer Wand findet sich ein politisches Statement.

An einer Wand findet sich ein politisches Statement.

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