KUNSTSCHAFFEN: Vier Künstler zeigen ihre inspirierenden Orte

Mit einem Atelier ist oft die romantische Vorstellung eines magischen Ortes verbunden, wo es erst möglich wird, Kunst entstehen zu lassen. Ob dies der Realität entspricht, erfahren Besucher im Rahmen der offenen Künstlerateliers in Oberuzwil.

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Urs Sohmers Leidenschaft ist die analoge Fotografie. (Bilder: PD)

Urs Sohmers Leidenschaft ist die analoge Fotografie. (Bilder: PD)

«Fünfstern – offene Künstlerateliers» findet alle drei Jahre in den vier Ostschweizer Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St. Gallen und Thurgau statt. Kunstschaffende zeigen im Rahmen dieser Veranstaltung ihre Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit. In der Gewerbeliegenschaft an der Freudenbergstrasse 2 in Oberuzwil haben sich vier Kunstschaffende den Wunsch eines eigenen Ateliers erfüllt. Auch sie werden am nächsten Wochenende, 6./7. Mai, ihre Ateliers interessierten Besuchern öffnen.

Es war 1983, als Urs Sohmer in der Sekundarschule Uzwil einen Laborkurs besuchte und sich mit dem Fotovirus infizierte. Auch wenn er sich seither der digitalen Technik nicht verschlossen hat und diese teilweise in seine Arbeiten einfliessen lässt, so gilt seine Leidenschaft der analogen Fotografie. Seine Werke sind der Ausdruck seiner Experimentierfreude. «Die Bilder sind laut, ganz leise, und manchmal schreien sie», sagt Sohmer. Das Atelier ist oft der Ort, wo kreative Prozesse initiiert werden. Die Arbeit mit den grossen Balgenkameras erfordert Sorgfalt, Präzision und Ruhe. Diese Stimmung wirkt sich aus; auf das Model wie auch auf das finale Werk. Urs Sohmer bricht mit der klassischen Fotografie und sieht seine Werke als Gegenpol zu einer allgegenwärtigen künstlichen Bilderflut.

Die abstrakte Malerei und die Kombination mit dem Surrealen ist die Leidenschaft von Thomas Bertolf. Das Atelier ist für ihn der kreativ-träumerische Ort und auch seine Werkstatt, wo er mit Farben, Material und Formen arbeitet. «Im Atelier springt der schöpferische Funke auf mich über. Ich entdecke immer wieder Frisches oder das Alte neu», sagt Bertolf. Eine Bildidee wird erst mit Kohle auf die Leinwand gezeichnet, um danach mit unterschiedlichen Maltechniken ausgearbeitet zu werden. Dabei ­entstehen, kombiniert und verschmolzen mit abstrakten Elementen, surreale Bilder einer unwirklichen Wirklichkeit.

Paul Nagel hat sich der abstrakten Ölmalerei verschrieben. Mit seinen meist grossflächigen Bildern werden Gefühle und Emotionen sichtbar gemacht. Im Mittelpunkt steht der Mensch und wie er nicht umhin kommt, sich mit sich selbst und der Welt auseinanderzusetzen. Die kon­trastreichen Werke regen an und überzeugen durch die Kraft ihrer Ausstrahlung. Darin verarbeitete Textfragmente inspirieren die Betrachter und lassen vermeintlich Offensichtliches in neuem, anderem Licht erscheinen. Die Worte, in Kombination mit Farbe und Formen, lassen viel Raum für eigene Interpretationen.

Tritt man in das Atelier von Ralf Fitze, so glaubt man sich eher in einer Werkstatt; auch wenn ein Atelier per Definition ja eine Künstlerwerkstatt ist. Metall zu verarbeiten, erfordert Kraft und teils entsprechend grobes Werkzeug. Dass daraus so ausgewogene, sanft fliessende und in ihren Dimensionen in Erstaunen versetzende Objekte entstehen, ist umso bemerkenswerter. Das künstlerische Hauptinteresse von Ralf Fitze gilt der technischen Umsetzung der aus seinem Geist entsprungenen Formen. Inspiriert durch organisch anatomische Systeme, spielt die Ausarbeitung harmonischer Übergänge bei seinen Objekten eine wesentliche Rolle. (red)

Hinweis

Offene Künstlerateliers, Freudenbergstrasse 2, Samstag, 12 bis 19 Uhr; Sonntag, 11 bis 17 Uhr.