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KUNSTHALLE: Bizarre Welt der Illusionen

Sie grochsen und grunzen, sie klönen und stöhnen. Fünf schwarze Figuren mit weissen Köpfen sitzen in der Wiler Kunsthalle und proben scheinbar für ein Theaterstück. Sprachfetzen sind hörbar, Ansätze von Dialogen.
Rolf Hürzeler
Die apokalyptisch anmutenden fünf schwarzen Figuren halten Gorillaköpfe – es handelt sich im wörtlichen Sinn also um «Menschenaffen». (Bild: PD)

Die apokalyptisch anmutenden fünf schwarzen Figuren halten Gorillaköpfe – es handelt sich im wörtlichen Sinn also um «Menschenaffen». (Bild: PD)

Rolf Hürzeler

redaktion@wilerzeitung.ch

Beim Betrachter kommt ein leises apokalyptisches Grausen auf. Zumal diese Wesen Gorillaköpfe halten, es handelt sich also im Wortsinn um «Menschenaffen».

«Kinematografische Performance» nennt das Zürcher Künstlerduo Magdalena Kunz und Daniel Glaser diese spektakuläre Installation. Die Werkbezeichnung lüftet somit das Geheimnis der fünf Figuren: Sie wirken zwar auf den ersten und den zweiten Blick lebensecht, lassen sich von wirklichen Personen nicht unterscheiden. Aber sie sind Figuren, filmische Projektionen nur. In einem raffinierten Übertragungsverfahren haben Kunz und Glaser diese Gesichter auf künstliche Köpfe projiziert. Magdalena Kunz hat sich während Jahren mit den technischen Finessen von Film und Fotografie vertraut gemacht.

Immer wieder aufsehenerregende Werke

Die Künstlerin und der Künstler gehören seit Jahren zur etablierten Zürcher Kunstszene. Sie machen immer wieder mit aufsehenerregenden Werken auf sich aufmerksam. Derzeit mit einer Retrospektive im Thurgauer Kunstmuseum in der Kartause Ittingen. Oder unlängst an der Oberen Bahnhofstrasse in Wil mit einer Mauer aus Ziegelsteinen, die Arbeiter unermüdlich auf- und abbauten, so dass sich das Objekt um mehr als 100 m verschob. Die Symbolik ist klar: Die Mauer steht als Sinnbild des menschlichen Zusammenlebens sowohl im gesellschaftlichen als auch im privaten Bereich.

Hinter der kinematografischen Installation steckt ebenfalls Weltanschauung. Die fünf Figuren beklagen während ihrer Bühnenprobe die Ungerechtigkeiten des Lebens: «Kann nicht sein, dass der Hunger nach Rendite Menschen vor Hunger stehen lässt», sagt einer. Dann will einer plötzlich aussteigen, hat genug von der scheinbar sinnlosen Bühnenprobe: «Und wer spielt den Affen für dich?», fragt ein anderer. Ernsthaftigkeit kippt hier schnell ins Groteske.

Der unterschwellige Humor und die hintergründige Ironie zeichnen für Gabrielle Obrist, Co-Leiterin der Kunsthalle, dieses Werk aus: «Es tritt mit dem Betrachter gleich in einen Dialog», sagt sie. Für Obrist steht diese Kunst in der Tradition der US-amerikanischen Avantgarde in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts mit den schier lebensechten Figuren eines Edward Kienholz oder George Segals.

Künstlerin Magdalena Kunz spricht von der Verbindung zwischen «Bauch und Verstand», die sie und ihr Partner mit den kinematografischen Performances eingingen: «Wir vermitteln einen Blick auf die Welt und lösen Emotionen aus.» Tatsächlich steht man als Besucher nach einer Weile im Bann dieser Figuren und kann sich ihren Texten nicht mehr entziehen. Ein Ablauf des gesamten Dialogs dauert 38 Minuten lang. Schauspieler und Slampoeten wie Etrit Hasler oder Simon Chen haben die Texte gesprochen und geben die emotionalen Stöhnlaute von sich.

Grafitblätter mit geheimnisvollen Strukturen

Im oberen Stock der Kunsthalle zeigen Glaser/Kunz Papierarbeiten: Schwarze Grafitblätter mit geheimnisvollen Strukturen, die an Satellitenaufnahmen erinnern. Der Betrachter unterliegt der Versuchung, seine eigenen Fantasien einfliessen zu lassen – Vorstellungen von unerforsch-ten Flusssystemen oder geheimnisvollen Pisten in Wüstengebieten. Dann geht es in der Kunsthalle wieder die Treppe runter in dem grossen Raum. Und man begrüsst die fünf dunklen Gesellen schon fast wie alte Freunde.

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