Kunstdünger und Wasser retteten die Rennen

Idealismus und Freude am Skisport veranlassten die rund 400 Helfer aus Ebnat-Kappel am Herren-Weltcup-Riesenslalom 1977 tatkräftig mitzuhelfen, «und das ohne Eigennutzen. Alle haben Ja gesagt», sagt Toni Stalder. Er war damals Präsident des Skiclubs Speer Ebnat-Kappel.

Christiana Sutter
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Die Sieger des 1. Weltcup-Riesenslaloms: Heini und Christian Hemmi. (Bilder: pd)

Die Sieger des 1. Weltcup-Riesenslaloms: Heini und Christian Hemmi. (Bilder: pd)

Idealismus und Freude am Skisport veranlassten die rund 400 Helfer aus Ebnat-Kappel am Herren-Weltcup-Riesenslalom 1977 tatkräftig mitzuhelfen, «und das ohne Eigennutzen. Alle haben Ja gesagt», sagt Toni Stalder. Er war damals Präsident des Skiclubs Speer Ebnat-Kappel. «40 Funkgeräte waren im Einsatz, 16 Telefonanlagen aufgestellt und im Schulhaus Wier acht Telexe für die Journalisten», sagt der Verantwortliche für die Funkanlagen am Weltcup-Rennen.

Kunstdünger als Bindemittel

Nicht nur die Bevölkerung stand hinter den Organisatoren, auch das Gewerbe unterstützte das Rennen voll und ganz. Bereits in den Vorbereitungen stellte das Bauunternehmen Giezendanner Maschinen, Werkzeuge und Materialien kostenlos oder zu günstigen Konditionen zur Verfügung. Die Dorfgemeinschaft, Gewerbler aus dem Dorf, halfen wo es nur möglich war. Sie waren sich bewusst, dass dieses Rennen kein materieller Nutzen für sie haben wird. Aber der Bekanntheitsgrad der Ebnat-Kappler Industriebetriebe würde durch das Weltcup-Rennen weit über die Landesgrenze getragen.

Verantwortlich für die Begeisterung der Ebnat-Kappler war OK-Präsident Hans-Ruedi Mettler. Unter Rennsport-Veranstalter galt er als Pionier mit innovativen Ideen. Denn er war es, der als erster billigen Kunstdünger anstelle von Schneezement als Schnee-Bindemittel einsetzte. Auch 1977, in der Nacht vor dem Weltcup-Rennen, war er es, der die Helfer alarmierte, als ein Föhnsturm aufkam. Mit einer Million Liter Wasser und dem unermüdlichen Einsatz der Helfer konnte die Piste gerettet werden.

Gute Verkehrslage

Bei der Budgetierung des Rennens 1977 stellte Finanzchef Sepp Stäheli folgendes fest: «Das Wetter am Renntag ist ein Fragezeichen. Haben wir schönes Wetter am Renntag, wird das Geschäft gut sein, ist das Wetter schlecht, werden wir weniger gut abschliessen.» Anfänglich rechnete der Finanzchef mit 98 000 Franken Ausgaben und Einnahmen. Diese Zahl wurde dann während des Jahres auf 150 000 Franken Ausgaben erhöht. Auf der Einnahmenseite rechnete Sepp Stäheli mit 229 000 Franken. Das war ein Reingewinn von 79 000 Franken. Mit einem solchen Gewinn war das Weltcup-Rennen Ebnat-Kappel alleine auf weiter Flur. Denn der Riesenslalom in Adelboden erzielte 1967 als Vergleich ein Defizit von 45 000 Franken. Ein Grund für den grossen Ertrag waren sicher auch die 30 000 Zuschauer. Obwohl es am Renntag wie aus Kübeln regnete, waren die 25 000 Tickets bereits am frühen Morgen ausverkauft. Dies lag wohl auch an der verkehrstechnisch idealen Lage Ebnat-Kappels. Gewonnen hat das Rennen der Churwaldner Heini Hemmi vor seinem Bruder Christian.

Mit öV ans Weltcup-Rennen

Bereits im Herbst 1980 beschlossen die Verantwortlichen, eine Kunstschneeanlage für das Weltcup-Rennen vom 4. Januar 1981 zu mieten. Die Miete betrug 40 000 Franken. Die Stromkosten beliefen sich auf 10 000 Franken. Das Wasser wurde mit einer Tauchpumpe aus der Thur hinauf ins Renngelände gepumpt.

Toni Stalder sagt, dass die Organisation damals noch etwas einfacher war als heute. «Natürlich war auch ein Technischer Delegierter vor Ort, wobei das ein sehr umgänglicher Typ war», sagt er schmunzelnd. «Damals wurde die Absperrung für die Sicherheit der Fahrer nach Gutdünken plaziert.» Man setzte Staketenzäune ein. Diese kaufte man den Organisatoren der Alpinen Weltmeisterschaften in St. Moritz (1974) ab. «Als Polsterung wurden Strohballen benutzt.» 36 Kilometer Kabel wurden verlegt, erinnert sich der Funkanlage-Verantwortliche Stalder. Weiter sagt er, dass viele Helfer für diese Zeit frei genommen haben. «Für das Weltcup-Rennen investierte ich drei Wochen Ferien.»

Amüsiert erzählt Toni Stalder eine Anekdote. «Ich erinnere mich an den kanadischen Rennfahrer Steve Podporski. Er reiste jeweils mit den öV an, ausgerüstet mit einem Rucksack und einem Skisack.»

1981: Die erste Kunstschneeanlage wird in Ebnat-Kappel eingesetzt.

1981: Die erste Kunstschneeanlage wird in Ebnat-Kappel eingesetzt.

Die Rennstrecke «Färch» (rechts) am Girlen-Hang. Links die Ersatzstrecke «Rütiberg».

Die Rennstrecke «Färch» (rechts) am Girlen-Hang. Links die Ersatzstrecke «Rütiberg».

Zieleinlauf der OSSV-Abfahrt im Januar 1946. (Bild: pd)

Zieleinlauf der OSSV-Abfahrt im Januar 1946. (Bild: pd)

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