Kunst, um nicht blöd zu werden

Drei Wochen lang sind in der Galerie Schönenberger die Werke der Künstlerin Marcella Lassen ausgestellt. Ihre Bilder zeigen Menschen, die von uns als bedeutend angesehen werden: Vorbilder.

Larissa Flammer
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KIRCHBERG. Es sind vor allem Freunde und Bekannte von Marcella Lassen, welche die Vernissage ihrer Ausstellung in der Galerie Schönenberger am Sonntag besuchten. Und die wohnen nicht um die Ecke. Marcella Lassen lebt zwar seit einigen Jahren mit ihrem Mann in Teufen, ist aber – als Kind von deutsch-holländischen Auswanderer – in Los Angeles geboren. Als Austauschstudentin verbrachte die heute 61-Jährige einige Zeit in Wien, schloss die Akademie der Bildenden Künste in Brüssel ab und war Mitglied des Berufsverbands Bildender Künstler in Deutschland. Die Ausstellung in Kirchberg ist ihre erste in der Schweiz.

Moderne Vorbilder

Die Bilder in der Galerie Schönenberger stehen unter dem Titel «Icons» – also moderne Vorbilder. Sie malt Personen, die wir für wichtig halten. Den Papst beispielsweise, mit einem modernen Jesus, Sarah Palin mit einem Sturmgewehr oder Nicolas Sarkozy. Hanspeter Spörri, der an der Vernissage die Künstlerin und ihre Bilder vorstellte, fasste es so zusammen: «Marcella Lassen zeigt uns Durchschnittsmenschen mit Durchschnittsbewusstsein und Durchschnittsunterbewusstsein einen Ausgang aus unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit, indem sie uns vor Augen führt, wo das Banale von uns Besitz ergreift.» Kurz: sie hilft uns, nicht blöd zu werden. Denn Ikonen sollen das Gegenteil von Trugbildern sein, nämlich wahre Abbildungen der Wirklichkeit. Indem sich Marcella Lassen daran hält, gibt sie den Ikonen ihre Menschlichkeit zurück und zeigt keine heroischen Übermenschen, wie wir sie uns oft vorstellen. Auffallend bei ihren Ölgemälden ist auch der Hamburger, der auf fast jedem Bild irgendwo zu sehen ist. Hanspeter Spörri zieht dazu die Parallele zwischen dem Hamburger und Kunst. «Beides sind Produkte im Markt, unterliegen den Gesetzen des Marketings, wollen oder müssen gefallen.»

Sich regional zeigen

Etwa 15 Bilder malt die Künstlerin pro Jahr. 20 sind in dieser Ausstellung zu sehen. Auf die Frage, warum ihre Werke denn genau in Kirchberg zum ersten Mal in der Schweiz gezeigt werden, antwortete Marcella Lassen: «Ich möchte mich regional zeigen und habe mich sehr gefreut, als die Galerie auf mich zugekommen ist.» Brigitte Schönenberger erzählte, sie sei durch Bekannte auf die Künstlerin aufmerksam geworden, habe sie in ihrem Atelier in Lustmühle besucht und sei gleich begeistert gewesen. Noch bis zum 29. September sind die modernen Ikonen in Kirchberg ausgestellt.