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KUNST: Präsent im Haus, das er einst malte

120 Jahre alt wäre der Wiler Künstler Karl Peterli heuer geworden. Knapp 40 seiner Bilder sind derzeit in der Praxis am Klosterweg in Wil ausgestellt. Mit seinen Werken hat der Sohn des «Sonnenwirts» bis zuletzt überrascht.
Ursula Ammann
Auch Karl Peterlis Bild der Toggenburgerstrasse schmückt eine Wand in der Praxis am Klosterweg. Links ist des Künstlers Elternhaus – das Restaurant Sonne – zu sehen. Im Fluchtpunkt ist das ehemalige Haus Schmidweber abgebildet. Dort, wo sich die Praxis am Klosterweg heute befindet. (Bilder: Ursula Ammann)

Auch Karl Peterlis Bild der Toggenburgerstrasse schmückt eine Wand in der Praxis am Klosterweg. Links ist des Künstlers Elternhaus – das Restaurant Sonne – zu sehen. Im Fluchtpunkt ist das ehemalige Haus Schmidweber abgebildet. Dort, wo sich die Praxis am Klosterweg heute befindet. (Bilder: Ursula Ammann)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Auf einem Vorkriegsvelo – bepackt mit Malutensilien – fuhr er jeweils zur Thur, wo einige seiner Werke entstanden. Oft sah man ihn aber auch irgendwo in der Stadt, vor seinen Augen das Motiv und die Leinwand, im Mund eine Pfeife, ein Zündholz oder auch einen Pinsel. Karl Peterli, 1897 geboren als Sohn eines Wiler Wirts, ging als bedeutender Künstler in die Geschichte der Äbte­stadt ein. Nebst Landschaften und Häuserfassaden malte er auch Menschen und deren Traditionen – etwa den Silvesterumzug oder Fastnachtsdekorationen. Meist war Wil Gegenstand seiner Werke, was Peterli auch schon die Kritik einbrachte, er male seine Heimatstadt zu oft. Immer wieder vermochte er jedoch zu über­raschen mit seinem ungewöhn­lichen Blick auf die Dinge: So brachte er den Goldenen Boden nicht bei goldenem Wetter auf die Leinwand, sondern bei strömendem Regen. Seine Bahnhofbilder verblüfften durch den plötzlichen Perspektivenwechsel.

Abgebildetes Haus wird zum Ausstellungsraum

Ein roter Faden in Peterlis Werken ist die spürbare Verbundenheit mit Wil. Festgehalten hat er unter anderem das Haus, in dem er aufgewachsen ist – das Restaurant Sonne. Er malte es von der Grabenstrasse aus, quasi als Tor zur Toggenburgerstrasse. Der Fluchtpunkt des Bildes liegt jedoch in der Fassade des ehe­maligen Hauses Schmidweber, wo sich heute die Praxis am Klosterweg befindet. Und dort wiederum hängen nun knapp 40 Bilder von Karl Peterli. Die öffentlich zugängliche Ausstellung ist im Zusammenhang mit dem Zehn-Jahr-Praxisjubiläum organisiert worden. Die Bilder stammen aus der Künstlerstiftung der Orts­gemeinde Wil und sind über mehrere Etagen verteilt. Im obersten Stock erwartet die Besucherinnen und Besucher zudem eine Videodokumentation von Stadtarchivar Werner Warth. Sie zeigt weitere Bilder sowie Sgraffiti von Karl Peterli, aber auch bewegte Bilder, auf denen der Künstler selbst zu sehen ist.

Die Ausstellung ist am Freitagabend im Beisein zahlreicher Gäste eröffnet worden. Einen Einblick ins Schaffen, aber auch in den Charakter des Künstlers gewährte Gabriel Peterli, der Sohn von Karl Peterli. Dabei strich er die Eigenarten seines Vaters heraus. Etwa dessen zwiespältige Einstellung zu Menschen, die sich eher nicht mit Kunst befassten. «Er konnte, wenn er kleinbürgerlicher Skepsis gegenüber der Malerei begegnete, scharfe Urteile über die ‹Spiesser› ab­geben», sagte Gabriel Peterli. Handkehrum habe er sich mit diesen Mitbürgern an einen Tisch ge­setzt und sie gemalt. Und er habe sich gefreut, wenn er den einen oder anderen dieser Herren in eine Ausstellung habe schleppen können. Etwa in die Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» in Winterthur, wo er ihnen zeigen konnte, welch wunder­bare Farben Manet in einer Blumenvase schimmern liess.

Hinweis

Karl Peterlis Werke aus der Künstlerstiftung der Ortsgemeinde Wil sind derzeit in der Praxis am Klosterweg in Wil ausgestellt. Die Bilder sind der Öffentlichkeit frei zugänglich. Dies jeweils am Montagabend von 17 bis 19 Uhr, am Donnerstag von 8 bis 18 Uhr und am Samstag von 9 bis 11 Uhr. Eingang beim Klosterweg 2.

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