«Kunst hat eine Gestalt»

Arthur Wyss stellt sieben seiner Bilder im Gemeindehaus Bronschhofen aus. Die Farben, das Gestalten und seine Lehrertätigkeit prägen ihn. Er malt nicht aus Gefühlen heraus, sondern kontrolliert diese und setzt seine Ideen in Kunst um.

Andrea Schlegel
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Arthur Wyss erzählt aus seinem Leben. (Bild: as.)

Arthur Wyss erzählt aus seinem Leben. (Bild: as.)

BRONSCHHOFEN. Die erste Schulwoche des neuen Schuljahres hat begonnen. Für Erstklässler, aber auch für alle anderen Schüler, Studierenden oder Kursbesucher hat die Zeit des Lernens und Erfahrens angefangen. Am Montagmorgen ist es still im «Varwe» in Wil an der Hubstrasse. Die neuen Vorkursbesucher arbeiten konzentriert. Die Stille wird nur gelegentlich von der Lehrerin unterbrochen, während sie etwas ausführt. Das «Varwe» strebt eine ganzheitliche Förderung der gestalterischen Fähigkeiten durch Zeichnen, Malen und Formen an. Das Hauptprogramm ist jedoch der Vorkurs Bildnerisches Gestalten. Arthur Wyss hat diese Schule 2003 gegründet. Er ist bis heute der Schulleiter und unterrichtet auch.

Lebenslange Begeisterung

«Ein Leben ohne Farbe hat es für mich nie gegeben», erinnert sich Wyss. Er wuchs im väterlichen Malerbetrieb in Kappel (SO) auf. In diesem Betrieb absolvierte er die Lehre als Maler und Schriftenmaler. «Der Umgang auf dem Bau hat mir nicht gefallen», erzählt Wyss. Die derbe Sprache und der teilweise respektlose Umgang mit der Gerätschaft hatten ihn gestört. Ihm wurde bewusst, dass er seinen Lebensweg selber formen kann. Seine verträumte Kindheit und Jugend hinter sich lassend, bildete er sich zum Zeichnungslehrer weiter. Wyss schwärmt: «Gestaltung, Farben und Pädologie ergänzen sich wunderbar.» Malen sei eine einsame Sache im Gegensatz zu seiner Lehrtätigkeit. Unterrichten schafft soziale Kontakte, die den Tag bereichern. Bei seinen Schülern stellt er besonders Erwartungen ans Menschsein. Sachlich bestünden selten Probleme. Wyss möchte, dass sich die Schüler während ihres Vorkurses weiterentwickeln.

Ideenreichtum

Nebst seiner Arbeit im «Varwe» nimmt sich Arthur Wyss Zeit für sein Quantum Malen. Meist steht er am Morgen früh auf, um eine Stunde zu Hause zu arbeiten. So ist er im Fluss, wenn die Unterrichtszeit beginnt. Wenn abends keine Kurse anstehen, nutzt er auch diese Stunden für seine Werke. «Die Stimmung kommt bei mir mit der Arbeit.» Er definiert klar: «Kunst hat eine Gestalt.» Alles müsse stimmen, die Gestalt, die Struktur und der Aufbau eines Werkes. Seiner Meinung nach sollte vermehrt zwischen den Bildern differenziert werden. Es besteht ein Unterschied zwischen dem, was Kunst sei, und dem, was eine persönliche Liebhaberei sei. Letzteres befinde sich nicht auf dem Niveau der Allgemeingültigkeit. In der heutigen Zeit werden viele Menschen zur Persönlichkeitsentwicklung künstlerisch tätig. Ein paar Spritzer da und ein paar Klackse am anderen Ende mögen den momentanen seelischen Zustand darstellen, doch Kunst sei es deswegen nicht. Seine Schüler lehrt Wyss, dass sie am Gesamtüberblick arbeiten sollen. «Kunst hat eine Gestalt», ist Wyss überzeugt. Ideen für Bilder finden ist nicht schwer, Wyss hat derer noch viele. Sich dagegen für eine Idee zu entscheiden, ist schwierig. Viele Ideen sortiert er vorab in Gedanken. Die Bilder entstehen zu Themen, die ihn gerade interessieren. Diese Freiheit geniesst er. Bei Auftragsarbeiten müsste er das malen, was andere wollen.

Zwischen Kunst und Politik

Am zweiten Tag des neuen Schuljahres findet die Vernissage von Arthur Wyss im Gemeindehaus in Bronschhofen statt. Er hat sieben Bilder dafür ausgewählt. Anders als bei seinen anderen Ausstellungen hat er die Bilderauswahl auf die Besucher abgestimmt. Die Betrachter werden während der Öffnungszeit kommen, um Geschäftliches abzuwickeln. Die Bilder sollen auch Passanten ansprechen und sich nicht nur Kunstkennern erschliessen. Seine Vernissage ist an die Arbeitszeit im «Varwe» angepasst – zwischen Vorkurs am Tage und einem Abendkurs. Eine Zeit, in der über Kunst, aber auch Politik gesprochen wurde.