KUNST: Eine Katzenliebhaberin, die ein «Büsi» köpfte

Die neue Ausstellung in der Galerie zur alten Bank in Niederuzwil ist der Kunst von Veronika Dierauer gewidmet. Die Thurgauer Steinbildhauerin präsentiert Figuren und Plastiken.

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Da sitzt sie auf dem Boden in der Galerie zur alten Bank: eine Figur aus durchscheinendem Polyester, deren Kopf stark in die Länge gezogen ist und an den eines Ausserirdischen erinnert. Das Thema dieses Kunstwerks sei Gravitation, erklärt die Kunstschaffende Veronika Dierauer aus Steckborn. Gerne hätte sie die Figur an der Decke montiert, so dass sich diese im «freien Fall» befunden hätte. Leider sei dies in der Galerie zur alten Bank nicht möglich, da die Decke dem Gewicht der Skulptur nicht standhalten würde.

Für Veronika Dierauer ist das jedoch kein Problem. «An der Ausstellung wird noch eine zweite solche Figur zu sehen sein, die in der Nähe der anderen platziert wird.» So stehe dann eine andere Bedeutung von Gravitation, nämlich eine anziehende beziehungsweise eine abstossende Wirkung beider Figuren zueinander im Zentrum. Auch bei anderen Skulpturen, wie bei den von ihr gefertigten Katzen ergibt sich durch die unterschiedliche Anordnung der einzigen weissen Katze im ansonsten rein schwarzen Katzenrudel stets eine neue Bedeutung. Je nachdem sei die weisse Katze Aussenseiter, Anführer, Querdenker oder Mitläufer, erklärt die Künstlerin.

Solche philosophischen Gedanken bringt Veronika Dierauer mit ihrer Kunst zum Ausdruck. Eine Botschaft transportieren, will sie allerdings nicht. «Ich bin schliesslich nicht jemand, der alles besser weiss», sagt sie. Die Betrachter sollen durch ihre Werke zum Nachdenken über gewisse Themen angeregt werden.

Das Besondere an ihrer Arbeit sei, dass Steine als Material einem keine Fehler verzeihe. «In der Lehre hatte ich einmal die Aufgabe, eine Katze herzustellen», erzählt die Katzenliebhaberin. Der Hals der Steinkatze, die sie anfertigte, sei relativ dünn gewesen. «Ich habe sie dann ausversehen mit einem falschen Schlag geköpft.» Solche Fehler würden ihr mit ihrer gesammelten Erfahrung zwar nicht mehr unterlaufen, doch immer noch stelle die Arbeit an Stein eine Her­ausforderung dar. Man müsse sich vorstellen können, wie die Skulptur am Ende aussehe, bevor man den Stein mit dem Werkzeug zu bearbeiten beginne.

Nachdem sie nach ihrer Lehre als Steinbildhauerin einige Jahre ausschliesslich mit Stein gearbeitet hatte, gehören nun auch Plastiken aus Gummigranulat und Polyester zu ihrem künstlerischen Repertoire. «So kann ich meiner Kreativität noch besser Ausdruck verleihen», sagt Veronika Dierauer. Kürzlich wurde sie für eines ihrer Kunstwerke an einem Wettbewerb der Stadt Kreuzlingen ausgezeichnet. «Das freut mich und zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.»

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Hinweis

Veronika Dierauer, Skulpturen und Plastiken, Vernissage, Samstag, 6. Mai, um 16 Uhr.