Kunst, die mit den Menschen spricht: Geschichtenrundgang um den Weier

Erstmals wird im Rahmen von «Kunst am Weier» der Stadt Wil der Hörsinn angesprochen.

Gianni Amstutz
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Bettina Scheiflinger zeigt, wie die Tafeln mit den QR-Codes aussehen, mit denen sich die Geschichten abspielen lassen. Bild: Gianni Amstutz

Bettina Scheiflinger zeigt, wie die Tafeln mit den QR-Codes aussehen, mit denen sich die Geschichten abspielen lassen. Bild: Gianni Amstutz

Die Idee von Melinda Giger stiess bei der Kulturkommission der Stadt Wil auf offene Ohren – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Denn das neuste Projekt von «Kunst am Weier» ist – anders als seine Vorgänger – keine plastische Skulptur, sondern ein Geschichtenrundgang. An fünf Orten rund um den Stadtweier werden Stationen mit QR-Codes darauf aufgestellt. Mit der Handykamera können diese gescannt werden, worauf die Geschichten abgespielt werden können.

«Wir waren in der Kulturkommission vom Projekt sofort überzeugt», sagt Kathrin Dörig, Kulturbeauftragte der Stadt Wil. Einerseits, weil man damit zum ersten Mal neue Wege beschreite, da die Idee noch umgesetzt werden musste und nicht ein bestehendes Werk eingereicht wurde. Anderseits, weil die Geschichten einen Bezug zur Stadt haben.

Wiler Geschichten von einer echten Wilerin

Nicht nur die Geschichten, sondern auch deren Autorin, Bettina Scheiflinger, ist stark mit Wil verbunden. Die gebürtige Wilerin, die derzeit Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien studiert, kennt den Stadtweier seit ihrer Kindheit und verbindet viele Erlebnisse damit.

Um Inspiration für ihre Geschichten zu finden, verbrachte sie in den vergangenen Wochen viele Stunden am Weier. Entstanden sind fünf Kurzgeschichten, die zwischen zweieinhalb und zehn Minuten dauern. Vom Krimi über ein Märchen bis hin zu einer Geschichte, die sich beinahe wie Poetry Slam anhört, ist alles dabei. Genau so unterschiedlich wie die Gruppen am Weier sollen auch die Geschichten sein. «Das einzige verbindende Element aller Geschichten ist der Stadtweier», erklärt Bettina Scheiflinger.

Mal kommt dieser als solcher in der Geschichte vor, mal spielt sich die Handlung an einem fiktiven Weiher ab, der von den Gegebenheiten und der Umgebung des Stadtweiers inspiriert wurde.

Das Ziel der Geschichten sei es, den Weier zu erweitern. «Ich wollte eine Ergänzung zum Ort schaffen und nicht etwas abbilden, was schon da ist», sagt die Autorin. Im Rahmen ihrer Arbeit an den Geschichten habe sie den Weier neu kennen gelernt. Das wolle sie auch den Hörern ihrer Geschichten ermöglichen. «Beim Hören soll die Fantasie der Leute angeregt werden.»

Der Reiz des Projekts lag für die Autorin darin, dass die Kunst niederschwellig zu den Leuten gebracht wird. Ein Smartphone besitze heute ja fast jeder und mehr brauche es nicht. Gleichzeitig müsse aber die Bereitschaft der Hörer vorhanden sein, sich die Zeit zu nehmen, für ein paar Minuten aus dem hektischen Alltagstross auszubrechen und sich ganz der Geschichte zu widmen. Dafür werden die Links zu den Geschichten nur über die Tafeln abrufbar sein. Denn obwohl sie primär den akustischen Sinn ansprechen, würden sie nur durch die Umgebung des Weiers komplett erlebbar.

Kommen weitere
Geschichten hinzu?

Am 12. August wird der Geschichtenrundgang offiziell eingeweiht. Ob das Projekt damit beendet ist oder ob weitere Geschichten hinzukommen, das lässt Bettina Scheiflinger offen. Ideen jedenfalls hätte sie noch genug. So würde sie gerne ein Projekt mit Jugendlichen umsetzen, bei dem diese auch als Sprecher fungieren würden.

Hinweis
Öffentliche Vernissage am Montag, 12. August, um 19 Uhr mit Stadtpräsidentin Susanne Hartmann und Projektleiterin Bettina Scheiflinger.