Neugestaltung des Flawiler Marktplatzes ist in die Zukunft gerückt - Neue Chance für das alte Feuerwehrdepot?

Wird das alte Flawiler alte Feuerwehrdepot doch noch zum Kulturhaus auf Zeit? Ehemalige Mitglieder der IG Kulturhaus fordern den Gemeinderat auf, sich erneut mit der Idee und deren Umsetzung zu befassen.

Andrea Häusler
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Eva-Maria Froidevaux, Dani Müller, Peter Hartmann, Ruedi Steurer und Bernhard Müller (von links) – alles Mitglieder der ehemaligen IG Kulturhaus – bringen die «Nutzung des alten Feuerwehrdepots als Kulturlokal» erneut ins Gespräch.

Eva-Maria Froidevaux, Dani Müller, Peter Hartmann, Ruedi Steurer und Bernhard Müller (von links) – alles Mitglieder der ehemaligen IG Kulturhaus – bringen die «Nutzung des alten Feuerwehrdepots als Kulturlokal» erneut ins Gespräch.

Bild: Andrea Häusler

«Geburtstage stimmen fröhlich, Jahrestage doch eher nachdenklich.» Peter Hartmann, ehemaliger Kantonsrat der SP, steht vor dem alten Feuerwehrdepot am Flawiler Marktplatz. Der verlorene Kampf der IG Kultur um die Nutzung der Altliegenschaft als Kulturhaus jährt sich fast auf den Tag genau zum vierten Mal. Mit ihm haben sich gestern Daniel Müller, Eva-Maria Froidevaux, Bernhard Müller und Ruedi Steurer – alle Mitglieder der einstigen IG Kulturhaus – vor den Depottüren eingefunden. Es hat sich nichts getan, kaum etwas verändert seit dem Nein des Gemeinderats zu einer Zwischennutzung des Objekts am 23. Februar 2016.

Zumindest nichts optisch Erkennbares. Im Hintergrund war derweil planerisch die Neugestaltung des Marktplatzes aufgegleist worden. Bis der Gemeinderat Mitte Januar die Notbremse zog: Das Projekt habe zuviel Speck angesetzt, wodurch die Kosten aus dem Ruder gelaufen seien, hiess es. Als Folge dieser Erkenntnis sollen nun der geplante Markthallen-/Kulturhausbau mit Tiefgarage und die Wasserbauprojekte Dorfbach/ Tüfibächli als separate Projekte beschlossen und getrennt realisiert werden.

Keine Aufteilung in zwei Teilprojekte

«Ein nicht nachvollziehbares Vorgehen», findet Ruedi Steurer. Denn für zwei Projekte brauche es zwei Abstimmungen – jede mit ungewissem Ausgang. Laut Steurer ist auch nicht vorhersehbar, ob eine vorab gebaute Bachführung auch dann noch passte, wenn die Markthallenbauten in der geplanten Art vom Volk abgelehnt würden. Bernhard Müller, selber Architekt, teilt Steurers Bedenken. «Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, den Volkswillen zum Gesamtprojekt zu erfragen», sagt er. «Kostenfrage hin oder her». Mit dem sich abzeichnenden Marschhalt werde der Drive aus der Planung genommen und das Projekt, ein gesellschaftsrelevantes Anliegen, das von grossen Teilen der Bevölkerung mitgetragen werde, drohe zu versanden.

Gemeinderat soll aktiv werden

So oder so. Bis Flawil jenen Marktplatz nutzen kann, den die aktuelle Planung vorsieht, werden noch sehr viele Jahre vergehen. «Jahre, die wir nicht haben», wie Dani Müller befürchtet. Viele lokale Institutionen seien am Kämpfen, einige – wie der Kulturverein Touch – hätten ihr Angebot zurückgefahren, andere, etwa die MVG Flawil, gänzlich aufgegeben. «Niemand kann wirken, wenn keine mittelgrossen Räume verfügbar sind.» Urbanisierung heisse auch, Angebote zu schaffen, sagt Müller. Es genüge nicht, wenn der Gemeinderat gebetsmühlenartig auf die Bedeutung der Dorfvereine hinweise, jedoch keine Pflöcke einschlage. Die Mitglieder der früheren IG Kulturhaus fordern den Rat deshalb auf, eine Zwischen- oder Umnutzung des Feuerwehrdepots erneut ins Auge zu fassen. Insbesondere wird erwartet, dass er den Lead übernimmt, Kontakte zu interessierten Kreisen knüpft und die notwendige finanzielle Beteiligung zusichert.

Auf geleisteter Vorarbeit aufbauen

Die Ausgangslage ist die gleiche wie 2016. Allerdings begänne die Planung nicht bei Null. «Auf unserer Vorarbeit liesse sich aufbauen», sagt Eva-Maria Froidevaux. Damals hatte die IG Kulturhaus Varianten für eine langfristige sowie eine befristete Nutzung aufgezeigt. Zweitere basierte auf Kosten von gut 400000 Franken für drei Jahre. Der Kanton St.Gallen hätte 150000 Franken beigesteuert, sofern der Gemeindeanteil gesprochen worden wäre. Nötig gewesen wäre eine kommunale Anschubfinanzierung von 30000 Franken sowie jährliche Beiträge von 20000 Franken.