KULTURGUT: Rückführung ins Spätmittelalter

Rund drei Viertel der voraussichtlichen Umbauzeit des Zuckenrieter Schlosses sind vorbei. Gemäss Projektleiter Martin Häberli dürfte es aber weitere Jahre dauern, bis die Gesamtsanierung abgeschlossen ist.

Ernst Inauen
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Schloss Zuckenriet, seit fünf Jahren eingerüstet. (Bilder: Ernst Inauen)

Schloss Zuckenriet, seit fünf Jahren eingerüstet. (Bilder: Ernst Inauen)

Ernst Inauen

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Seit rund fünf Jahren deuten das Gerüst rund um das markante Schloss oberhalb des Dorfes Zuckenriet sowie der Baukran auf eine langwierige Restauration des historisch wertvollen Gebäudes hin. Auswärtige Passanten, aber auch viele neugierige Einheimische fragen sich, was während einer so langen Zeit gemacht wird. Rein äusserlich präsentierte sich das Schloss vor der Renovation in einem relativ guten Zustand. Die Expertise durch Fachleute ergab jedoch eine dringend notwendige Sanierung. Insbesondere erforderte die gefährdete Statik besondere, radikale Massnahmen. Es wurde festgestellt, dass sich der Bau im Verlaufe der Jahrhunderte um 40 Zentimeter gesenkt hat.

Der Toggenburger Projekt- und Bauleiter Martin Häberli nannte bei einem Gespräch mit dieser Zeitung die Gründe für die mehrjährige, umfassende Sanierung: «Damit die Bausubstanz erhalten und gründlich saniert werden konnte, musste praktisch jeder Tuffstein neu gesetzt und auch einige morsche Holzelemente im Westteil des eindrücklichen Ständerbaus ersetzt werden. Ebenso beanspruchten das neue Dach und die besonders sorgfältige innere Gestaltung der Räume nach den Wünschen der Bauherrschaft eine lange Bauzeit.» Im Gegensatz zu den zahlreichen Neubauten im Dorf sei jedoch bei der Schlosssanierung überhaupt kein Termindruck da.

Kulturgut von nationaler Bedeutung

«Für das Dorf Zuckenriet und die Gemeinde Niederhelfenschwil ist es ein absoluter Glücksfall, dass der neue Besitzer des Schlosses viel Zeit und Geld investiert, um das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zu sanieren», stellt Gemeindepräsident Simon Thalmann fest. Lange Zeit lag das Schicksal des markanten Gebäudes oberhalb des Dorfes nach mehreren Besitzerwechseln im Ungewissen. Die jetzige Besitzerfamilie erwarb das Schloss 2011. Sie plante zusammen mit dem kompetenten Spezialisten für Sanierungen historischer Gebäude, Martin Häberli von der Firma Hausschmied, ein umfangreiches Sanierungsprojekt. Weil das stattliche und historisch wertvolle Wahrzeichen der Gemeinde Niederhelfenschwil unter dem Kulturgüterschutz steht, musste auch die kantonale Denkmalpflege das Konzept und die Pläne absegnen.

Private Nutzung

Das Schloss soll dereinst Wohnsitz der Besitzerfamilie werden. Ihren Wünschen entsprechend werden neben dem Wohnbereich verschiedene Räumlichkeiten so gestaltet, wie sie im Spätmittelalter in vergleichbaren Herrschaftsbauten vorhanden waren. So sollen eine Schmiedewerkstatt und im Kellergeschoss eine zur ländlichen Gegend passende Obstpresse und ein Weinkeller entstehen. Andere Räume sind als Bibliothek und als Apotheke vorgesehen.

Auch die angebaute kleine Schlosskapelle, die wie der heutige Bau ebenfalls aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt, wird in aufwendiger Arbeit fachgerecht restauriert. Allerdings wird das Schloss nach dem Endausbau rein privat genutzt. Dennoch soll es der Bevölkerung anlässlich eines Tages der offenen Tür vorgestellt werden.