Interview

Kulturaktivist und Kantonsrat: Der Wiler Michael Sarbach hat für die Grünen einen zweiten Sitz in der Pfalz erobert

Im vierten Versuch hat es geklappt: Sarbach ist in den Kantonsrat gewählt worden.

Tobias Söldi
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Sein Herz schlägt für Wil: Grünen-Politiker Michael Sarbach.

Sein Herz schlägt für Wil: Grünen-Politiker Michael Sarbach.

Bild: Tobias Söldi

Michael Sarbach, wir treffen Sie im Gare de Lion in Wil. Ein alternatives Kulturzentrum ist nicht gerade ein Ort, an dem man einen neugewählten Kantonsrat erwarten würde.

Der Gare de Lion ist meine Heimat. Hier habe ich meine Jugend verbracht, Konzerte und Partys besucht. Und auch heute verbringe ich wahnsinnig viel Zeit hier. Ich bin Mitglied der Betriebsleitung sowie Ressortleiter Programm und Marketing. Ein mittelgrosser Gastrobetrieb wie der Gare de Lion gibt viel zu tun.

Zur Leidenschaft für Musik und Kultur kommt die Politik: Sie sind seit 2005 Stadtparlamentarier und neu Kantonsrat. Wie passt das zusammen?

Das passt sehr gut. Die verschiedenen Bereiche fliessen ineinander über. 2007 habe ich beispielsweise ein Klimafestival mitorganisiert, um mit Konzerten auf die Klimaproblematik aufmerksam zu machen. Das war ein politisch motivierter Anlass. Aber auch Fragen rund um die Finanzierung von Kulturangeboten oder die Erlaubnis, Veranstaltungen bis 5 Uhr durchzuführen, sind letztlich mit der Politik verknüpft.

Sehen Sie sich im Politikerbetrieb als Paradiesvogel?

Nein. Vielleicht sehen andere das so, ich selber habe nicht das Gefühl, dass ich anders wahrgenommen werde.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Meine Eltern haben beim Abendessen oft politische Diskussionen geführt. Ich habe bald versucht, mitzureden. Politisch aktiv wurde ich dann an der Kanti in Wattwil. Mit dem Verein Politakt haben wir Aktionen durchgeführt und uns punktuell für politischen Themen starkgemacht. Später habe ich Politikwissenschaften an der Universität Zürich studiert.

Ihr Bruder Raffael Sarbach ist Präsident der SP Wil-Untertoggenburg. Kommt es bei Familientreffen jeweils zu erbitterten politischen Streitgesprächen?

Nein, nur selten. Wir reden privat nicht schwergewichtig über Politik. Ich bin, ehrlich gesagt, froh, wenn ich nicht ständig nur über Politik reden muss.

2004 waren Sie Gründungsmitglied der Jungen Grünen des Kantons St. Gallen. War Ihnen von Anfang an klar, dass die Grünen Ihre Partei ist?

Die Themenschwerpunkte dieser Partei stimmen für mich. Den Grünen Prowil habe ich mich aber auch deshalb nahe gefühlt, weil sie als unabhängige Gruppe aus der Alternativkultur heraus entstanden ist.

Was stört Sie am Politikbetrieb?

In der Politik geht alles relativ langsam. Es gibt zudem viele Leute, die gerne viel reden. Manchmal ist es so, dass zwar geredet wird, aber die Meinungen eigentlich längst gemacht sind. Aber klar, es ist natürlich wichtig, zu diskutieren. Was ich hingegen unnötig finde, ist stures Parteien-Denken.

Trotzdem sind Sie seit bald 15 Jahren in der Kommunal- und Kantonalpolitik aktiv. Was gefällt Ihnen daran?

Es sind zwar kleine Dinge, die manchmal lange dauern, aber ich kann über die Politik wirklich etwas verändern, etwas bewegen. Und es gibt so viele Sachen, die anders laufen müssten.

Zum Beispiel?

In der zu Ende gehenden Legislatur hatten die FDP und die SVP im Kantonsrat die absolute Mehrheit. Themen wie die Förderung erneuerbarer Energien, Sicherheit für den Langsamverkehr oder verschiedene Kulturanliegen hatten darum wenig Rückhalt. Jetzt, wo die politische Mitte wieder an Gewicht gewonnen hat, ist es hoffentlich wieder möglich, über diese Themen zu diskutieren statt von einer Mehrheit übergangen zu werden. Ich erhoffe mir weniger Stillstand bei Umwelt- und Verkehrsthemen.

Welche weiteren politischen Schwerpunkte haben Sie?

Neben den grünen Themen sicher Bildung, Familienpolitik und der Kulturbereich. Das sind alles Themen, mit denen ich ganz direkt zu tun habe und bei denen ich mich informiert fühle.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf Ihre neue Aufgabe?

Ich habe nicht wirklich mit der Wahl gerechnet, war aber sehr erfreut darüber und bin motiviert und gespannt. Ich muss mich nun aber zuerst neu organisieren für diese Aufgabe und an der einen oder anderen Stelle sicher etwas zurückstecken, damit genügend Zeit für den Kantonsrat bleibt.

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