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Hip-Hop, Soundinstallationen, Malerei: Diese Künstlerinnen und Künstler werden von der Stadt Wil mit Preisen ausgezeichnet

Am Mittwoch wurden in der Tonhalle die Kulturpreise der Stadt Wil verliehen. Ein Wiler Rap-Duo, eine Geräuschkünstlerin, eine Choreografin und ein Maler wurden geehrt. Eine Malerin gewinnt einen Atelieraufenthalt im Tessin.

Josef Bischof
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Stadtpräsident überreicht Vanessa Heer ihren Preis.

Stadtpräsident überreicht Vanessa Heer ihren Preis.

Bild: Josef Bischof

Die Stadt Wil hat am Mittwochabend ihre Kulturpreise verliehen. In seiner Begrüssungsrede erinnerte Stadtpräsident Hans Mäder daran, dass in Wil seit 1985 bereits 133 Anerkennungs- und Förderpreise verliehen wurden. Fünf kamen am Mittwochabend dazu. Die Geehrten sind in verschiedenen Kunstsparten tätig.

Mit dem Anerkennungspreis 2022 wurden der bildnerische Gestalter Christian Zimmermann und die Tanzpädagogin, Tänzerin und Choreografin Irène Blum geehrt. Die Künstlerin Vanessa Heer und die Musiker Gian-Andri Stahl und Jan Räbsamen des Projekt ET haben einen Förderpreis erhalten. Die bildende Künstlerin Corina Schleuniger bekommt ein Stipendium für einen Aufenthalt in einem Atelier im Tessin.

Die Geehrten Irène Blum (ganz links), Corina Schleuniger (5. von links), Vanessa Heer (Bildmitte) und Projekt ET (ganz rechts, 4. von rechts), mit ihren Laudatorinnen und Laudatoren und Stadtpräsident Hans Mäder (4. von links).

Die Geehrten Irène Blum (ganz links), Corina Schleuniger (5. von links), Vanessa Heer (Bildmitte) und Projekt ET (ganz rechts, 4. von rechts), mit ihren Laudatorinnen und Laudatoren und Stadtpräsident Hans Mäder (4. von links).

Bild: Josef Bischof

Geräusche aus der Biosphäre Entlebuch

Vanessa Heer ist in Wil aufgewachsen und hat vor ihrem Kunststudium eine Lehre als Buchhändlerin absolviert. An der Zürcher Hochschule der Künste hat sie mit dem Master Fine Arts abgeschlossen. Ihre Laudatorin Sonja Rüegg erwähnte als weitere Ausbildungsstationen Wien und Berlin, Heers zahlreiche Ausstellungen und ihre Zugehörigkeit zu verschiedenen Künstlerkollektiven.

Eingeleitet wurde die Laudatio mit einer Soundinstallation der Künstlerin. Diese entstand in der Biosphäre Entlebuch in Zusammenarbeit mit der Künstlerin und Autorin Caroline Ann Baur. Die Komposition besteht aus Wassergeräuschen und den Geräuschen verschiedener Organismen an den Gewässern. Sonja Rüegg charakterisierte Vanessa Heer und ihr Werk:

«Die Künstlerin des 21. Jahrhunderts ist nicht mehr das Genie im Atelier. Die Künstlerin des 21. Jahrhunderts denkt die Kunst neu – in einem kollaborativen, kreativen Prozess.»

Gegründet in der S20, Wils «kulturellem Untergrund»

Über die Musiker Gian-Andri Stahl und Jan Räbsamen beziehungsweise ihr Projekt ET sprachen Ronja Stahl und Timo Räbsamen. Sie taten dies in familiärer Verbundenheit, witzig und mit spitzen linken Untertönen.

Das Projekt habe 2018 in der S20, dem «kulturellen Untergrund Wils», begonnen. Wil sei eine schwierige Stadt, so der Juso-Politiker Timo Räbsamen. Ausser seinem Parlamentsmandat sei es das Projekt ET, das ihn hindere, von Wil wegzuziehen.

Jan Räbsamen (links) und Gian-Andri Stahl, zusammen das Rapduo Projekt ET, gaben eine Kostprobe ihrer Kunst.

Jan Räbsamen (links) und Gian-Andri Stahl, zusammen das Rapduo Projekt ET, gaben eine Kostprobe ihrer Kunst.

Bild: Josef Bischof

Der Wortwitz der Darbietungen sei manchmal so originell, dass er nicht einmal von der ganzen Band verstanden werde. Vom Projekt ET aber schwärmten sie, es sei «ein Stück Heimat, ein Stück Revolution, ein Stück Familie und ein Stück gemeinsames Geniessen». Die beiden Musiker gaben im Lauf des Abends drei Kostproben aus ihrem Repertoire.

Bilder, die oft wieder verändert werden

Christian Zimmermann, der mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet wurde, bekam keine Laudatio. Stattdessen erklärte er sein Schaffen gleich selbst. Er pendle zwischen dem Unterrichten und dem Malen. Er gebe gerne Schule, aber ebenso fasziniere ihn das Malen.

Für ein Bild brauche er sehr lange, er komponiere seine Bilder und verändere sie oft wieder. Wenn er wenig Zeit habe, skizziere er. Skizzen, oft auch Fotografien, bildeten dann die Grundlage für ein grossformatiges Bild.

Tanz kann Grenzen überschreiten

Grenzen zwischen Kulturen, Sprachen und Generationen könne der Tanz überschreiten. Das ist die Überzeugung der Tanzpädagogin, Tänzerin und Choreografin Irène Blum. Und: Alle Menschen, auch solche mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung, könnten tanzen.

Auch eine Tanzvorführung, choreografiert von Irène Blum, gab es an der Preisverleihung zu sehen.

Auch eine Tanzvorführung, choreografiert von Irène Blum, gab es an der Preisverleihung zu sehen.

Bild: Josef Bischof

Laudatorin Irène Häne stellte Irène Blum mit einer Videosequenz von einem Tanzfest auf dem Klosterplatz in St.Gallen vor. Darin war zu sehen, wie die Geehrte «ihren Körper als unerschöpfliche Quelle für Bewegung und Ausdruck spielerisch einsetzt», wie es Irène Häne ausdrückte. Dazu wurde eine von Irène Blum choreografierte Tanzeinlage mit sechs Tänzerinnen live in der Tonhalle aufgeführt.

Von der Patientin zur Preisträgerin

Den ungewöhnlichen Werdegang von Corina Schleuniger, Künstlerin und Leiterin des Living Museums Wil, schilderte die Künstlerin und Therapeutin Rose Ehemann in ihrer Laudatio. Corina Schleuniger, gelernte Pflegefachfrau, bekommt das Stipendium für einen Atelieraufenthalt im Tessin.

Leinwandprojektion von zwei Arbeiten von Corina Schleuniger.

Leinwandprojektion von zwei Arbeiten von Corina Schleuniger.

Bild: Josef Bischof

Bis vor zweieinhalb Jahren habe Corina Schleuniger weder gemalt noch geschnitzt, erzählte Rose Ehemann. Ein traumatisches Ereignis habe sie aus der gewohnten Bahn geworfen. Im Therapieprogramm in der psychiatrischen Klinik habe sie zuerst Strickarbeiten gefertigt.

Dann seien erst Holzschnitzen und später das Malen hinzugekommen. Bereits die ersten Arbeiten hätten gezeigt, dass ein aussergewöhnliches Talent in ihr schlummere, so Ehemann. Die Malerin schöpfe aus einem Topf von bunten Emotionen und berühre die Menschen mit ihren Werken.