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«Hierzulande werden die meisten Küken mit CO2 vergast und erst danach geschreddert»: Ein Blick in die Ostschweizer Eierproduktion

Das Schreddern von Küken soll verboten werden. Grund genug, einen Blick auf den Ostschweizer Umgang mit Hühnern zu werfen.
Philipp Wolf
In der Eierproduktion sind männliche Küken unbrauchbar. (Bild: Keystone)

In der Eierproduktion sind männliche Küken unbrauchbar. (Bild: Keystone)

Es sind keine Bilder für Zartbesaitete: Wehrlose Küken fallen von einem Laufband in einen Schredder. Das Band läuft immer weiter. Ein Küken nach dem anderen wird geschreddert. Vergangene Woche hat nach dem Nationalrat auch der Ständerat einer Motion zum Verbot dieser Art, Küken umzubringen, angenommen.

Dem Schredder fallen männliche Küken zum Opfer, die Rassen angehören, welche zur Eierproduktion herangezüchtet wurden. Da bei diesen Rassen Pouletmast wirtschaftlich nicht rentabel genug ist, und Männchen keine Eier legen, sind sie quasi unbrauchbar. Tobias Sennhauser, Präsident von Tier im Fokus, hält wenig vom geplanten Verbot:

«Hierzulande werden die meisten Eintagesküken sowieso mit CO2 vergast und erst danach geschreddert».

In der Region Wil gibt es zahlreiche Unternehmen, die mit Hühnern ihr Geld verdienen; beispielsweise die Frifag oder die Micarna-Gruppe. Doch nur jene, welche in der Eierproduktion tätig sind, sehen sich mit der Problematik der unbrauchbaren männlichen Küken konfrontiert.

Unterschied zwischen Eier- und Geflügelproduktion ist zahlreichen Konsumenten nicht bewusst

Für Produzenten von Geflügelfleisch hingegen spielt das Geschlecht der Tiere keine Rolle. Sowohl Weibchen als auch Männchen werden gemästet. Der Unterschied zwischen Eier- und Geflügelproduktion sei jedoch zahlreichen Kunden nicht bewusst, sagt Andi Schmal, Geschäftsleiter des Geflügelproduzenten Frifag Märwil AG.

«Man denkt, Hühner sind Hühner, Eier sind Eier.»

Doch dem sei schon lange nicht mehr so. Heute sind die Tiere entweder dazu gezüchtet, prächtige Eier zu legen oder saftige Schenkel zu haben; die Hühner gehören völlig unterschiedlichen Rassen an und werden unterschiedlich alt. Die Küken werden von spezialisierten Brütereien bezogen. Frifag erhält ihre Küken beispielsweise von der Trupro AG in Mörschwil. Dort schlüpfen die Tiere. Im Alter von nur einem Tag kommen sie in die Ställe der Bauern, wo sie schliesslich 31 bis 38 Tage lang gemästet werden.

Eier werden von Schweizer Brütereien bezogen

Die Frage lautet dementsprechend nicht mehr, was zuerst war – das Huhn oder das Ei, sondern wer was produziert. Die Geschäftsfelder Eier- und Geflügelproduktion sind komplett verschieden. Die Micarna-Gruppe, mit einem grossen Standort in Bazenheid, ist sowohl in der Eier- als auch in der Geflügelproduktion tätig. Zu ihr gehört der Eierproduzent Lüchinger+Schmid, der in Flawil eine Eierfärbungsanlage betreibt und in der Region Wil zahlreiche Eierproduzenten unter Vertrag hat. Das Unternehmen bezieht ausschliesslich weibliche Küken von Schweizer Legehennen-Brütereien.

Deborah Rutz, Mediensprecherin der Micarna-Gruppe sagt, der Umgang mit männlichen Küken sei Lüchinger+Schmid wichtig. Sie verweist darauf, dass einige der männlichen Junghühner in die Pouletmast kämen. Dies sei jedoch weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll, wie Rutz sagt:

«Der Futterbedarf ist bis zu vier Mal höher bei einem Kilogramm Lebendgewicht eines Tieres, welches aus der Eierproduktion stammt, im Vergleich zur regulären Pouletmast.»

Für Rutz läge die nachhaltigste Lösung deshalb darin, «zu verhindern, dass überhaupt männliche Küken produziert werden». Eine Methode wäre das sogenannte «In-Ovo-Sexing»: eine Möglichkeit, schon vor dem Brutprozess das Geschlecht des Tieres zu bestimmen. «So könnte man die Eier, aus denen männliche Küken schlüpfen würden, zur Herstellung von Eierprodukten sinnvoll verwenden», sagt Rutz. «In-Ovo-Sexing» befindet sich jedoch erst im Teststadium.

Tierrechtsaktivist Sennhauser sieht die Thematik des «In-Ovo-Sexing» anders. Auf diese Methode warte man schon seit Jahren. Sennhauser sagt:

«‹In-Ovo-Sexing› ist ein leeres Versprechen der Tierindustrie.»

Zudem würden mit «In-Ovo-Sexing» die Probleme in der Massentierhaltung nicht gelöst.

Legehennen werden den Produzenten abgekauft

Denn nicht nur am Anfang des Lebens sehen sich Eierproduzenten mit ethischen Fragen konfrontiert: Hennen werden rund 18 Wochen lang aufgezogen und legen dann etwa ein Jahr lang im Akkord Eier. Danach werden viele Hennen – weil Suppenhühner nicht mehr gefragt sind – entsorgt, in dem sie beispielsweise zu Biogas verarbeitet werden.

Auch bei Lüchinger+Schmid und der Micarna-Gruppe werden die Hennen meist nicht älter, doch werden sie zum Schluss nicht einfach entsorgt. Nachdem sie keine Eier mehr legen, werden die Hennen der Micarna-Gruppe zu Poulet-Charcuterie verarbeitet.

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