Küchenschlacht neben dem Fussballplatz

Metzgete des FC Flawil

David Metzger
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Durften reichlich Lorbeeren entgegennehmen: Mischa Sutter und Ramon Helbling. (Bild: David Metzger)

Durften reichlich Lorbeeren entgegennehmen: Mischa Sutter und Ramon Helbling. (Bild: David Metzger)

«Schuster, bleib bei deinen Leisten», dürften sich manche Skeptiker sagen, wenn sie von der Idee des FC Flawil hören, eine Metzgete durchzuführen. Doch besagte Redensart bestätigte sich auch bei der fünften Auflage nicht. Die Fussballer machten ihre Sache nicht nur ordentlich, sondern sehr ordentlich. «Schmeckt auf jeden Fall besser als die eine oder andere Leistung, die unsere Kicker in der Hinrunde auf dem Rasen gezeigt haben», war nur eine der verbalen Lorbeeren, die dem Küchenteam um Mischa Sutter und Ramon Helbling zugetragen wurden.

Die Sache mit der saftigen Rechnung

Zeit, sich darüber zu freuen, bleibt allerdings keine. Mischa Sutter steht bereits wieder in der Küche, die Kochschürze gegen das Fussballtrikot getauscht, und schneidet die Zutaten für die Gerichte in mundgerechte Stücke. Das pingelige Rüsten mit den Fussballern zu vergleichen, wenn sie im Vorfeld eines Fussballspiels zimperlich ihre Stulpen und Fussballschuhe montieren, drängt sich geradezu auf. Dann klimpert etwas metallen. Übereifrig hat Sutter das Küchenmesser auf die Stahlablage fallen lassen. Wäre der Ton auch nur einen Hauch dumpfer gewesen, wäre der Eindruck entstanden, die Fussballer hätten mit ihren Stollenschuhen eben den Teerbelag zwischen Garderobe und Rasenspielfeld betreten.

Aus dem Speisesaal dringt lautes Geschrei in die Küche. Etwa schon der Führungstreffer? Mitnichten. Der Kellner, der normalerweise in der 2. Mannschaft die Schuhe schnürt, hat gerade die Rechnung gebracht. Geschnetzeltes, Schnitzel paniert, Blutwurst und Wädli stehen da drauf; ganz unten dann der bürgerliche Preis. «... aber es ist ja für den Fussballclub», weiss der Serviergarçon mit einem Zwinkern zu beschwichtigen. Säuberlich hatte er die Abrechnung zuvor erstellt – so sauber, wie der Schiedsrichter vor dem Anpfiff einer Partie die Mannschaften auf seiner Einsatzkarte notiert.

Ein (kulinarisches) Schützenfest

In der Küche kommt nun Hektik auf. Der Ansturm ist immens. «Über 200 Portionen dürften die beiden Tage über die Bühne gehen», kalkuliert Mischa Sutter. Man wird das Gefühl nicht los, dass hier durchgehend mehr Betrieb herrscht als an einem Wurststand im Fussballstadion.

Wieder schwillt im Speisesaal der Geräuschpegel an. Freudiger Jubel ist es dieses Mal. Endlich ein Tor? Ein kulinarisches! «Ach, ist dieses Kotelett herrlich», schwärmt ein Gast. Erster Punkt für die Küchencrew, aber längst nicht der letzte an diesem Abend. Aus deren Sicht kommt es fast zu einem Schützenfest: überall zufriedene Gesichter, leergegessene Teller, Lobeshymnen.

So bleibt dem FC Flawil die Gewissheit, dass die Redensart «Schuster, bleib bei deinen Leisten» nicht immer zutreffen muss. Jedenfalls hat die Metzgete 2017 nicht nur den hungrigen Mägen und dem Vereinsleben, sondern auch der Vereinskasse ausgesprochen gutgetan.

David Metzger

redaktion@wilerzeitung.ch