KRÖNUNG: Vielseitiges Kulturschaffen geehrt

Was haben Ruedi Schär, Erna Hürzeler, Fabian Kaiser und Bettina Scheiflinger gemeinsam? Sie wurden von der Stadt Wil belohnt, weil sie dem Wiler Kulturleben ihre persönliche Note verliehen haben.

Thomas Riesen
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Vier strahlende Gewinner: Erna Hürzeler (von links), Ruedi Schär, Bettina Scheiflinger und Fabian Kaiser. (Bild: Thomas Riesen)

Vier strahlende Gewinner: Erna Hürzeler (von links), Ruedi Schär, Bettina Scheiflinger und Fabian Kaiser. (Bild: Thomas Riesen)

Thomas Riesen

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Vier Preise wurden an der Kulturpreisverleihung in der Tonhalle vergeben. Die bedeutendste Auszeichnung erhielt Ruedi Schär, denn der Kulturpreis wurde letztmals 2007 vergeben, an den ­Bariton-Konzertsänger Kurt Widmer. Entsprechend fiel die Laudatio von Susanne Hartmann aus. Die Stadtpräsidentin ist Vorsteherin des Departementes für Finanzen, Verwaltung und Kultur. Sie bezeichnete Ruedi Schär als «eierlegende Wollmilchsau», als «Schweizer Sackmesser» oder übersetzt als Allzweckinstitution der Wiler Kultur, ohne dass er Kulturschaffender wäre. Aber im Hintergrund sei er ein «Hansdampf in allen Gassen», ein «Kulturmultifunktionär».

Das kam auch im filmischen Porträt von Renato Müller und Werner Warth zum Ausdruck. Sichtlich und hörbar gerührt nahm Ruedi Schär die Auszeichnung entgegen, in seiner typischen Art. Man hätte meinen können, dass die Leistung vor allem seiner Frau Praxedis zu verdanken ist, die ihn immer unterstützt habe, oder all jenen, mit denen er zusammengearbeitet hat. Deshalb schnell Licht an und Spot wieder aus.

Malatelier als Institution für kreative Impulse

Der Anerkennungspreis der Stadt Wil ging an die Künstlerin Erna Hürzeler. Ihr Malatelier im Hof zu Wil sei zur Institution geworden, in der Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihrem kreativen Impuls folgen. Sie selber sei Mentorin und Inspirationscoach, die Resultate nicht plane, sagte die Laudatorin Gabrielle Obrist, Leiterin und Co-Kuratorin der Kunsthalle Wil. Vielmehr nehme Erna Hürzeler ihren Schützlingen die vermeintliche Sicherheit des «konventionellen Kunst-Machens». Ihr Wirkungsfeld ist das elterliche Stickerei-Lokal, welches sie in ein Wohnatelier umwandelte. Das Thema «Spielform versus Norm» ziehe Erna Hürzeler dort erneut in ihren Bann, und was daraus wird, zeigt sich, wenn sie wieder in der Kunsthalle ausstellt, unter dem Titel «Im grünen Bereich».

Fabian Kaiser erhielt den Förderpreis der Stadt Wil. Ihn fasziniert das Medium Film, ob Kurzfilm oder Musikvideo. Beides mache er mit Erfolg, betonte die Laudatorin Kathrin Dörig, Kulturbeauftragte der Stadt Wil. Sein erster professioneller Film war «Festjagd» und entstand 2008. Bemerkenswert ist auch seine Arbeit als Musikregisseur für die Wiler Band Frantic, aber vor allem dass Fabian Kaiser – er wuchs in Bronschhofen auf und ging in Wil zur Schule – mit dem Projekt «De Schnuuf» international ausgezeichnet wurde. Der Film überzeugte auch bei der Vorführung an diesem Abend. Ebenfalls ausgezeichnet wurde sein Dokumentarfilm «Das Leben drehen».

Das Projekt Ines

Eine Premiere war die Verleihung des Bick-Atelierstipendiums für einen Aufenthalt in der Künstlerresidenz des 1974 verstorbenen Wilers Eduard Bick im Tessiner Sant’Abbondio. Er ging an die Schriftstellerin Bettina Scheiflinger. Laudator war Heinrich Gartentor, Präsident der Stiftung Eduard Bick. Er stellte fest, dass sich die Künstlerin im Internet hinter einer passwortgeschützten Seite versteckt. Ob das in Zukunft noch möglich ist? 2017 beginnt ein neuer Lebensabschnitt, wenn sie sich auf die vier intensiven Wochen ab Mai 2017 vorbereitet, in denen sich alles um Ines dreht. Sie ist ihre Romanfigur, die sie während des Stipendiums entwickeln wird.

Klassisch wienerisch war die Musik an der Preisverleihung. Er wurde gestaltet durch Marie-Louise Mouthon, Mihaela Stefanova sowie Vessela Christini. Sie sind «Musica Arte Vienna».