Kriterien und Gewichtung für die Bewertung einer Braunviehkuh

Als eine «schöne» Kuh erachtet der Züchter eine, die wirtschaftlich ist. Will heissen, eine, die eine hohe Lebensleistung aufweist, sprich über einen langen Zeitraum viel Milch produziert.

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Als eine «schöne» Kuh erachtet der Züchter eine, die wirtschaftlich ist. Will heissen, eine, die eine hohe Lebensleistung aufweist, sprich über einen langen Zeitraum viel Milch produziert. Dies muss der Züchter nicht dem Zufall überlassen: Denn der Idealtyp einer Kuh kann an fünf Positionen gemessen werden, welche die Grundlage für eine hohe Lebensleistung bilden. Diese Positionen (Exterieur) sind es denn auch, die an der Viehschau gemäss dem durch den Braunviehzuchtverband festgelegten Zuchtziel beurteilt werden:

Rahmen (25 Prozent der Gesamtwertung)

Als «Rahmen» wird der Bereich des Kuhkörpers von der Flanke bis zur Brust sowie die «obere Linie» (Teil des Rückens oberhalb der Schulter) und die Gesamtgrösse bezeichnet. Flankentiefe, obere Linie und Brustbreite geben unter anderem Auskunft darüber, wie viel Futter sie aufnehmen kann, wie viele räumliche Möglichkeiten für die Organe bestehen oder wie fruchtbar eine Kuh ist – je fruchtbarer, desto mehr Milch gibt sie.

Becken (10 Prozent)

Am Becken einer Kuh wird primär die Neigung beurteilt. So ist es optimalerweise leicht nach unten geneigt oder gerade, sowie breit. Ein ansteigendes oder schmales Becken kann die Fruchtbarkeit der Kuh sowie die Reinigung der Geschlechtsorgane verschlechtern.

Fundament (25 Prozent)

Spricht man vom Fundament der Kuh, sind die Beine (das Gangwerk) gemeint. Hier spielen die Beinwinkelung, die Ausprägung des Sprunggelenkes, die Klauen und die Fesseln eine Rolle. Dicke und harte Klauen und die Ausprägung von Sprunggelenk und Fesseln sind für die Gesundheit des Tieres und damit die Langlebigkeit von Bedeutung. Ein grobes Sprunggelenk kann leicht geschwollen sein oder aufgeschürft, weshalb ein feines Sprunggelenk von Vorteil ist.

Euter (30 Prozent)

Wichtigstes Kriterium für die Wirtschaftlichkeit einer Kuh ist das Euter. Die «Nutzungsdauer» einer Kuh wird unter anderem an der Eutertiefe – das heisst, wie weit es über dem Sprunggelenk hängt – gemessen. Je höher der «Euterboden» über dem Gelenk hängt, desto besser. Ferner wird die Voreuteraufhängung bewertet. Als Voreuter wird jener Winkel bezeichnet, den Euter und Bauchdecke miteinander bilden. Je länger diese Verbindung ist, desto fester ist das Euter. Auch das «Zentralband» – der Spalt an der Rückseite des Euters – ist wichtig. Je tiefer und länger es ist, desto senkrechter liegen die Zitzen (Striche) am Euter. Schliesslich wird auch die Euteraufhängung gewichtet. Je näher sich der Beginn des Eutergewebes an der Scheide befindet, desto höher ist das Euter, sprich die Verbindung zwischen Euter und Körper ist fester und die Nutzungsdauer länger.

Zitzen (10 Prozent)

Relevant an den Zitzen (Strichen) ist deren Verteilung vorne und hinten. Zu nahe beieinander oder zu weit auseinander liegende Zitzen erschweren die Melkbarkeit. Auch die Länge der Zitzen haben Einfluss auf das Melken. Weil heute maschinell und nicht mehr manuell gemolken wird, ist die Länge der Zitzen allerdings nicht mehr so bedeutend wie früher. Sehr wichtig ist die Verteilung der Zitzen. Sie müssen problemlos zu melken sein, mit der Melkmaschine oder dem Melkroboter. (ohu)