Musikgesellschaft Oberbüren
lässt Corona-Krise für Stunden vergessen

Viele Vereine haben ihre Unterhaltungsabende abgesagt. Nicht so die Oberbüren Musikanten. Am Samstag hiess es: Bühne frei für den «Eurovision Music Contest 2020 by Musikgesellschaft Oberbüren».

Andrea Häusler
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Das Bild ist befremdlich, zumindest ein bisschen. Denn spielt die Musikgesellschaft Oberbüren zum frühjährlichen Konzert auf, ist der Saal im Oberstufenzentrum Thurzelg gewöhnlich rappelvoll. Jetzt sind die Reihen lichter. Und entlang der Wände warten mehrere Tische und Stühle vergeblich auf Besucher. «Wir wussten zum Vornherein um das Wagnis, den Anlass trotz Corona-Krise durchzuführen», sagt Co-Präsidentin Marianne Bernhardsgrütter. Deshalb sei man von 200 statt wie üblich rund 350 Besuchenden ausgegangen und habe auch die Bestellungen für die Gastronomie entsprechend angepasst.

Die Schätzung erweist sich als Punktlandung. Kurz vor Konzertauftakt sind gut 200 Personen im Saal. Die Zahl ist verlässlich, zumal sich jeder Besucher, aber auch jeder Protagonist auf der Bühne mit Name und Adresse in eine Liste einzutragen hatte: Vorschrift ist Vorschrift.

Letztes Konzert mit Patrik Arnold

Dem Vorstand war die Durchführung der Abendunterhaltung wichtig. Nicht bloss, weil der Probenaufwand und die Vorfreude des Korps jeweils gross sind. Mit dem Anlass beschloss Patrik Arnold auch sein achtjähriges Engagement als Dirigent der Musikgesellschaft Oberbüren. Bereits zur Erstkommunion am 19. April wird der Verein unter der neuen Leitung von Fabian Schaltegger spielen.

«Den Entscheid haben wir jedoch ungeachtet dessen, wohl überlegt und keinesfalls leichtfertig getroffen», betont Marianne Bernhardsgrütter und ergänzt, dass man sich vorgängig mit anderen Vereinen der Region ausgetauscht habe. Beispielsweise mit der Musikgesellschaft Andwil-Arnegg, die dieses Wochenende in Andwil spielte oder dem Jodlerclub Älpli, der seine Unterhaltung auf nächstes Wochenende angesetzt hat. Beide wollten an den Daten festhalten. Dies beabsichtigte allerdings auch die Bürgermusik Zuzwil. Nun ist ihr Event vom 14. März doch abgesagt. Gegen die Durchführung der Unterhaltung hatte sich auch der von Fabian Schaltegger dirigierte Musikverein Thundorf entschieden. Dafür konnte der neue Dirigent der Oberbürer dem letzten Auftritt seines Vorgängers beiwohnen.

Die Queen und der Gondoliere

Wie das Licht ausgeht, die leeren Sitze im Dunkel versinken, ist die Stimmung entspannt. Das Jugendensemble bestreitet den Auftakt: acht junge Musikanten, unterstützt von älteren Vorbildern. Leider, wie Leiter Roman Heierle findet. Lieber würde er mit einem reinen Nachwuchskorps auftreten. Nur fehlen hierfür noch einige Jungmusiker.

Dann schalten sich die imaginären Fernsehkameras sein, beginnt die Übertragung des «Eurovision Music Contests» – live aus Oberbüren. Italien, Frankreich, England, Österreich oder gar Russland? Wer wird gewinnen? Obwohl das im Grunde völlig egal ist, übertrumpfen sich die «Nationen» in der Kreativität ihrer Darbietungen und in der Präsentation der Stücke. Witzige Video-Einblendungen sorgen für spontane Lacher, amüsante Moderationsbeiträge für spontanen Szenenapplaus.

Dorfgeist in einer Zeit des «Social Distancing»

Das Publikum entrückt der Realität, lässt sich mitreissen von den Melodien, prostet sich zu, unterhält sich. Es ist fast wie immer, so wie geschätzt. Er bedaure nicht, gekommen zu sein, sagt ein Mann zwischen zwei Schlucken Bier. Angst vor einer Ansteckung mit dem omnipräsenten Virus hat er nicht. «Und wenn’s denn so wäre – jänu», meint er. Andere sehen das ähnlich. «Die Musikerinnen und Musiker haben es verdient, dass sie vor Publikum spielen können», findet eine Frau. Und ihre Bekannte ergänzt: «Man darf sich doch nicht von allem zurückziehen.»

Die Zuschauerzahl ist etwas kleiner, aber umso dankbarer. Marianne Bernhardsgrütter schätzt die Treue des Publikums. Die finanziellen Einbussen, seien verkraftbar. «Wir sind gottseidank nicht massgeblich vom Erlös der Unterhaltungsabende abhängig.»