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KRISE: Die Emotionen gingen hoch

Der Streit in der Katholischen Kirchgemeinde Zuzwil ist noch nicht beigelegt. Das zeigte sich an der Bürgerversammlung einmal mehr. Das Gros der Anwesenden stand aber hinter dem Vorgehen des Kirchenverwaltungsrats und befürwortet einen Neuanfang.
Ursula Ammann
Claudine Hofer von der IG «Transparenz und Menschlichkeit in der Pfarrei» wirft KVR-Präsident Marcel Alder (hinten) vor, eine Hetzkampagne gegen Pfarrer Simon Niederer lanciert zu haben. (Bild: Ursula Ammann)

Claudine Hofer von der IG «Transparenz und Menschlichkeit in der Pfarrei» wirft KVR-Präsident Marcel Alder (hinten) vor, eine Hetzkampagne gegen Pfarrer Simon Niederer lanciert zu haben. (Bild: Ursula Ammann)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Selten kommt es vor, dass eine Bürgerversammlung so gut besucht ist wie jene der Katholischen Kirchgemeinde Zuzwil am Montagabend. 159 Stimmberechtigte waren anwesend. Das entspricht 15 Prozent. Angesichts der Geschehnisse im vergangenen Jahr verwundert diese Zahl nicht. Der Streit um die Kündigung, die der Kirchenverwaltungsrat ge­gen­über der Pfarreisekretärin Sandra Monsorno und später gegenüber Pfarrer Simon Niederer ausgesprochen hatte, riss die Gemeinde entzwei.

Kirchenverwaltungsratspräsident Marcel Alder machte an der Versammlung deutlich, dass diese Personalentscheide wohlüberlegt und breit abgestützt seien. Zudem müsse man die Vorgeschichte kennen. Er erwähnte die Strafanzeige, die Sandra Monsorno gegen vier Kirchenverwaltungsräte eingereicht hatte, was ein Weiterführen des Arbeitsverhältnisses aus Sicht der Behörde «unmöglich» machte. Simon Niederer wiederum habe mit Unterstützung der IG «Transparenz und Menschlichkeit in der Pfarrei» eine «medienwirksame Polemik» losgetreten.

«Teure Verwaltung» kritisiert

Niederer selbst äusserte sich zu diesem Vorwurf nicht. Die IG hingegen schon. Deren Vertreterin Claudine Hofer bezichtigte den Kirchenverwaltungsrat, eine «Hetzkampagne» lanciert zu haben. Um dies zu unterstreichen, las sie aus einem Rundmail von Marcel Alder. Der KVR-Präsident hatte darin auf Empfehlung des Anwalts Raphael Kühne dazu aufgerufen, Meinungen gegen Niederer öffentlich kund zu tun. Zusammen mit anderen «Beweismitteln» reichte die IG dieses Mail in einer aufsichtsrechtlichen Beschwerde dem Administrationsrat des Katholischen Konfessionsteils St. Gallen ein. Der Schlussbericht stehe noch aus, so Claudine Hofer.

Weitere Mitglieder der IG bemängelten die «teure Verwaltung». Insbesondere legten sie in der Rechnung 2016 den Finger auf einen Betrag von 27450 Franken für Rechtsberatung. Ein Posten, der im Zusammenhang mit den Kündigungen steht. IG-Vertreter Hans Manser forderte, diese Lasten auf alle Kirchgemeinden der Seelsorgeeinheit zu verteilen. Noch etwas weiter ging ein Kirchbürger, indem er meinte, bezahlen sollten diejenigen, «die das eingebrockt haben». Der Kirchenverwaltungsrat sei offenbar seiner Aufgabe nicht gewachsen.

Allerdings genehmigte die Mehrheit der Kirchbürger die positiv abschliessende Rechnung 2016, wie vom KVR vorgelegt und von der GPK zur Annahme empfohlen. 29 Personen stimmten dagegen und bekundeten damit ihre gegnerische Haltung. Genauso taten sie dies beim Budget 2017. Dieses wurde jedoch ebenfalls grossmehrheitlich angenommen.

Das Budget sieht weitere 8000 Franken für die Rechtsberatung vor. Noch ist das Verfahren mit Sandra Monsorno hängig. Die Pfarreisekretärin lässt ihre Kündigung juristisch anfechten. Zur Kirchbürgerversammlung erschien sie in Begleitung ihres Anwalts Heiner Graf. Dieser betonte, seine Mandatin sei nur einmal zum runden Tisch eingeladen worden. Die Strafanzeige habe sie zudem nicht «aus heiterem Himmel» eingereicht, sondern weil sie wiederholt beschuldigt worden sei, 66 Franken aus der Pfarramtskasse genommen zu haben. Auf diesen Vorwurf gehe der KVR im Amtsbericht aber nicht ein.

Als vereinte Kirche nach vorne schauen

Auch Max Imfeld, Anwalt von Simon Niederer, ergriff das Wort. Man solle nicht mehr «den Seich herumerzählen», der blaue Brief an Niederer sei rechtens gewesen. Einem vom Volk gewählten Pfarrer könne man nicht einfach die Kündigung aussprechen, deshalb habe der KVR diese letztlich zurückziehen müssen, sagte er.

«Es stimmt, was Max Imfeld sagt», entgegnete Marcel Alder. Mit der Kündigung habe der Kirchenverwaltungsrat aber gezeigt, «dass jetzt Schluss sein soll».

Wenn man einen Neubeginn fordere, dann gehöre dazu auch der Rücktritt des gesamten Kirchenverwaltungsrats, sagte Roger Wigert, Mitglied des Pfarreirats. Das Gremium hatte Ende Oktober aus Solidarität mit Simon Niederer und Sandra Monsorno in globo das Handtuch geworfen. Einen beachtlichen Applaus bekam eine Kirchbürgerin, die schon zu Beginn der Versammlung gefordert hatte, die Entscheide des Kirchenverwaltungsrats zu akzeptieren. Man müsse nun als eine Kirche nach vorne schauen, sagte sie. Auf ihren Vorschlag, gemeinsam ein Vaterunser zu beten, ging die Versammlung jedoch nicht ein.

Beinahe zum Nebenschauplatz geriet die Verabschiedung von Kirchenverwaltungsrätin Elisabeth Jud. Nach 13 Jahren im Amt hatte sie auf Ende 2016 ihren Rücktritt angekündigt, unterstützte die Ratskollegen wegen der aktuellen Situation aber noch bis zur Versammlung.

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