Kreisgericht Wil
Drogen, Alkohol, kein Führerschein: Vorbestrafter Mazedonier fährt fast Polizisten an und muss erneut in Haft

Vier Monate sass der 30-jährige Mazedonier 2018 im Gefängnis, jetzt schickt ihn das Kreisgericht Wil wegen weiterer, mehrheitlich in Uzwil verübter Delikte wieder in Haft.

Andrea Häusler
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Der Angeklagte will die Polizisten aufgrund des blendenden Taschenlampenlichts nicht als solche erkannt haben.

Der Angeklagte will die Polizisten aufgrund des blendenden Taschenlampenlichts nicht als solche erkannt haben.

Symbolbild: Nadia Schärli / Neue Luzerner Zeitung

Recht und Ordnung kümmerten den 30-jährigen Mazedonier mit C-Niederlassungsbewilligung in der Vergangenheit wenig. Selbst die laufende Bewährungsfrist nach einer Verurteilung durch das Bezirksgericht Winterthur im Jahr 2015 hinderte ihn nicht daran, weiter zu delinquieren. Die Konsequenz: Im Juli 2018 verurteilte ihn die Staatsanwaltschaft Innerschwyz wegen anderer Delikte zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 120 Tagen. Es waren nicht die einzigen Verfehlungen des jungen Mannes in diesem Jahr. Bereits vorgängig hatte er sich wiederholt gesetzeswidrig verhalten – mehrheitlich im Raum Uzwil. Deswegen stand er nun vor dem Kreisgericht Wil.

Beinahe Polizisten angefahren

Obwohl ihm die Fahrerlaubnis bereits im Frühjahr 2013 auf unbestimmte Zeit entzogen worden war, kaufte der Beschuldigte am 9. Mai 2018 ein BMW-Cabrio, das er in der Folge öfter durchs Dorf lenkte – öfter unter Drogen und/oder Alkohol. Mit dem Auto gegen einen Polizeibeamten alkoholisiert und unter dem Einfluss von Kokain und THC stand er auch am 11. Mai 2018. Nach einer nächtlichen Spritztour mit seiner Freundin parkierte er das Auto im Fahrzeugunterstand an deren Wohnadresse. Ein lautstarker Streit zwischen den beiden rief schliesslich die Polizei auf den Plan.

Um sich der Personen- und Ausweiskontrolle zu entziehen, setze der Beschuldigte das Auto zurück, beschleunigte dann abrupt vorwärts und hätte dabei beinahe einen der beiden Polizisten erfasst. Die Flucht endete vorerst vor dem Patrouillenfahrzeug, das die Ausfahrt versperrte. Angesichts des zweiten Polizisten und der gezogenen Dienstwaffe stieg er mit erhobenen Händen aus. Statt sich aber, wie aufgefordert, auf den Boden zu legen, setzte er seine Flucht über eine Mauer fort.

30 Monate Freiheitsentzug

In der Anklageschrift reihte sich Straftatbestand an Straftatbestand: Diverse Strassenverkehrsdelikte, Gewalt und Drohung gegen Beamte, mehrfache Hinderung einer Amtshandlung sowie Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz. Hinzu kam eine Übertretung des Ausländergesetzes, weil er sich im Jahr 2014, trotz abgewiesenem Gesuch um einen Kantonswechsel von Zürich nach St.Gallen, meist in Uzwil gewohnt hatte.

Die Anklage beantragte den Widerruf der bedingten zwölfmonatigen Freiheitsstrafe des Bezirksgerichts Winterthur, die Verurteilung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 30 Monaten, eine Geldstrafe von 600 und eine Busse von 1000 Franken.

Polizisten nicht als solche erkannt

Der Beschuldige, heute tatsächlich im Kanton Zürich wohnhaft, war weitgehend geständig. Einzig die angeklagte «Gewalt und Drohung gegen Beamte», sprich die Sache beim Fahrzeugunterstand in Uzwil, bestritt er. Er habe die Polizisten nicht als solche wahrgenommen, sagte er an Schranken. Er habe Angst gehabt – auch weil seine Freundin verheiratet war.

In diesem Punkt forderte die Verteidigung denn auch einen Freispruch nach dem Grundsatz in dubio pro reo. Geblendet vom Licht der Taschenlampen der Polizisten, sei er von einer Gefahr ausgegangen. Dem Beschuldigten attestierte er einen soliden Lebenswandel in den vergangenen drei Jahren und stellte ihm eine insgesamt gute Prognose: Er arbeite und verzichte auf Drogen, werde Vater und beabsichtige zu heiraten. Der Verteidiger beantragte den Verzicht auf den Widerruf der Vorstrafe des Bezirksgerichts Winterthur und eine bedingte Gesamtfreiheitsstrafe von 20 Monaten.

Für acht Monate ins Gefängnis

Das Gericht glaubte der Version des Beschuldigten im Hauptanklagepunkt nicht. Der Fahrzeugunterstand sei beleuchtet gewesen und die uniformierten Beamten hätten sich auch verbal zu erkennen gegeben, begründete der vorsitzende Richter.

Das Gericht verurteilte ihn im Wesentlichen im Sinne der Anklage, reduzierte jedoch das Strafmass. Der 30-Jährige wurde – inklusive der widerrufenen Strafe aus Winterthur – mit einer Gesamtfreiheitsstrafe von 24 Monaten sanktioniert. Wobei acht Monate zu vollziehen und 16 Monate mit einer Frist von drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt sind. Hinzu kommen eine Geldstrafe von 1800 Franken sowie – wegen Betäubungsmitteldelikten – eine Busse von 500 Franken. Die Verfahrenskosten trägt der Beschuldigte.

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