KREISGERICHT: «Ich hätte mir besser einen Job gesucht»

Ein Mann Mitte dreissig aus der Region Wil wurde vom Kreisgericht Toggenburg zu einer bedingten Freiheitsstrafe, zu einer Ersatzforderung und zu einer Busse verurteilt. Er baute Cannabis an, das er verkaufte und selber konsumierte.

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Der Angeklagte erzielte mit dem Verkauf von Marihuana gegen 1 (Bild: PD)

Der Angeklagte erzielte mit dem Verkauf von Marihuana gegen 1 (Bild: PD)

Den ersten Joint rauchte der Mann als Teenager auf einem Campingplatz im Tessin. Es sei ihm davon übel geworden, sagte er dem Richter. Später sei er in schlechte Kreise geraten und habe angefangen, ab und zu Marihuana zu rauchen. «Es war für mich ein Genussmittel, ich war nie süchtig danach», betonte er. Als Beweis dafür sagte er, dass er seit einem Tag Ende April 2016 nie mehr davon geraucht habe.

An besagtem Tag standen Kantonspolizisten vor seinem Einfamilienhaus. Dort, im Heizungsraum, fanden sie eine Hanf-indooranlage mit 24 Cannabispflanzen, die in Betrieb war. In weiteren Räumen lagerten Marihuana, Schnittabfall sowie Stecklinge und Utensilien für den Bau einer weiteren Anlage. Der Angeschuldigte bestritt nie, dass er in seinem Zuhause Cannabis angepflanzt hat. Es sei aber nicht Geldgier gewesen, die ihn zu diesem Tun veranlasst habe. Er habe Schulden gehabt und habe das Cannabis angebaut und verkauft, um diese zu tilgen. Zudem habe er selber Cannabis anpflanzen wollen, damit er wisse, was er konsumiere. Er habe das ausprobieren wollen. Im Nachhinein sei ihm klar, dass es «ein Seich» war. «Ich hätte mir besser einen Job gesucht, um meine Einkünfte aufzubessern», sagte er reuig.

Heute habe er mit Cannabis aufgehört, er habe sich aus der Szene zurückgezogen. Der Mann ist aus seinem damaligen Haus ausgezogen und geht einer geregelten Arbeit nach. Geld habe er nicht viel, es reiche aber inzwischen, dass er keine Schulden mehr habe. Dafür verzichte er aber beispielsweise auf Ferien.

«Möchte das Ganze schnell hinter mich bringen»

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft anerkannte der Angeschuldigte vollumfänglich. Auch bezüglich der angebauten Menge – er habe zwischen November 2014 und April 2016 4,8 Kilogramm Marihuana gewonnen und davon 4 Kilogramm sowie 70 selbstgezogene Stecklinge verkauft – herrschte Übereinstimmung. Der von der Staatsanwaltschaft angenommene Gewinn von zwischen 12000 und 14000 Franken schien dem Angeschuldigten realistisch.

Der Einzelrichter des Kreisgerichts Toggenburg folgte vollumfänglich den Strafanträgen der Staatsanwaltschaft. Er sprach den Mann schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren. Er muss eine Ersatzforderung von 5000 Franken an den Staat leisten. Zudem sprach der Einzelrichter eine Busse von 600 Franken aus für das Rauchen des Marihuanas. Die von der Polizei beschlagnahmten Betäubungsmittel und Gegenstände werden vernichtet. Der Mann sagte, dass er froh sei, wenn das Ganze möglichst schnell vorbei sei und dass er die Strafe akzeptieren könne. Er wolle nach vorne schauen. Aber noch für einige Zeit muss er Termine bei der Suchtberatung wahrnehmen und Urin- und Haarproben beim Strassenverkehrsamt abgeben. Diese Auflagen, sagte er mehrmals, verstehe er nicht. Denn er werde gleich bestraft, obwohl er nicht beim Fahren unter Drogeneinfluss erwischt worden sei. Er habe sich diesbezüglich nie etwas zu Schulden kommen lassen und habe sich nie an Steuer gesetzt, nachdem er einen Joint geraucht habe.

Sabine Schmid

sabine.schmid

@toggenburgmedien.ch