Kräutersträusse gegen Unheil aller Art

Im Blumenkeller der Flawiler St. Laurentius-Kirche türmen sich auf vier Tischen buntfarbene Sommerblumen und vielerlei Grünzeug. Der Duft von Küchen- und Heilkräutern schwängert die Luft mit intensiven, würzigen Gerüchen. Es ist Freitag, der Tag vor Mariä Himmelfahrt.

Andrea Häusler
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In gut einer Stunde verarbeiten die Frauen die frischen Kräuter zu weit über hundert segensreichen Sträussen. (Bild: Andrea Häusler)

In gut einer Stunde verarbeiten die Frauen die frischen Kräuter zu weit über hundert segensreichen Sträussen. (Bild: Andrea Häusler)

Im Blumenkeller der Flawiler St. Laurentius-Kirche türmen sich auf vier Tischen buntfarbene Sommerblumen und vielerlei Grünzeug. Der Duft von Küchen- und Heilkräutern schwängert die Luft mit intensiven, würzigen Gerüchen. Es ist Freitag, der Tag vor Mariä Himmelfahrt. Acht Frauen machen sich mit Gartenscheren, Hanfschnur und viel Liebe über den üppigen «Gartenrückschnitt» her, kreieren kleine Blumen- und Kräutersträusschen. Noch am Abend sollen sie im Gottesdienst gesegnet werden.

160 Kräutersträusse

160 Sträusse habe man im Vorjahr verteilt, sagt Anna Lumpert, Präsidentin der organisierenden Frauengemeinschaft Flawil. Dieses Jahr dürften es ähnlich viele werden, oder mehr. Denn der Vorrat an Blumen und Kräutern ist heuer weit grösser, wie allgemein festgestellt wird. Wohl des trockenen Wetters wegen, so die kollektive Meinung. Eine Stunde bis anderthalb sei man jeweils mit Binden beschäftigt, sagt Angelika Heer, eine der Freizeitfloristinnen. Tatsächlich wird routiniert, fast fliessbandmässig gearbeitet, aber auch geplaudert: über Kräuter, Gott und die Welt. «Diese Salbei riecht weit intensiver als meine», stellt Angelika Heer fest und greift zum nächsten Kräuterzweig: «Pfefferminz oder Majoran?» Schlüssig ist man sich nicht. Denn die Düfte mischen sich, erst recht an den Händen.

Sieben Sakramente

«Immer mindestens sieben verschiedene Kräuter nehmen», sagt Anna Lumpert augenzwinkernd, während sie Ringelblumen, Tagetes und Malven zu einem Strauss bindet. Das verlange der Brauch. Zumindest habe sie das so gelesen. «Wirklich?», fragt eine der Frauen ehrlich erstaunt. Wirklich. Der Legende nach sollen die Jünger, nachdem sie das Grab Marias geöffnet hatten, nicht nur ihren Leichnam vorgefunden haben, sondern auch duftende Blüten und Kräuter. Die sieben Kräuter symbolisieren die sieben Sakramente oder auch die sieben Schmerzen Mariens. Kurz nach 14 Uhr überrascht eine Besucherin die betriebsame Frauengruppe, in der Hand ein Plastikbecken voller Sträusse. Mangels Zeit hatte sie zu Hause gebunden. Andere, sagt Anna Lumpert, hätten einfach Kräuter aus ihren Gärten vorbeigebracht.

Die Strauss-Kollektion 2015 wird rasch weg sein, ist Anna Lumpert überzeugt. Einleuchtend, denn Schutz vor Krankheit und Unheil ist immer gefragt.