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Krabbeltierchen im Ladenregal: Die Migros Wil verkauft seit kurzem Insekten – Restaurants sind skeptisch

Gemäss dem Grossverteiler läuft der Verkauf von essbaren Insekten gut. In den Wiler Restaurants dagegen werden Grillen und Mehlwürmer wohl nicht so bald auf der Speisekarte stehen.
Lara Wüest
Quiche mit Mehlwürmern: Noch mag ein solcher Anblick ungewohnt sein. Doch in einigen Jahren finden sich Insekten womöglich auf unserem täglichen Speiseplan. Bild: Keystone

Quiche mit Mehlwürmern: Noch mag ein solcher Anblick ungewohnt sein. Doch in einigen Jahren finden sich Insekten womöglich auf unserem täglichen Speiseplan. Bild: Keystone

«Ein bis zwei Esslöffel Butter oder Öl in der Bratpfanne erwärmen, die Insekten kurz anrösten und nach Belieben würzen.» Das ist nicht etwa ein Rezept aus einem Survival-Ratgeber, sondern steht auf der Verpackung eines Lebensmittels aus der Migros Wil. Seit vergangenem Oktober können Kunden dort essbare Insekten kaufen. In einem Regal neben asiatischen Nudelsuppen sind nun auch getrocknete Heuschrecken, Mehlwürmer und Grillen zu finden. Ihr Anblick: gewöhnungsbedürftig. Die Tierchen sind noch ganz. Die Heuschrecken mit ihren langen, dürren Beinchen und Glubschaugen haben noch ihre zarten Flügelchen. Diese kann man sogar essen, wie der Verpackung zu entnehmen ist. Die Grillen, etwas kleiner als die Heuschrecken, aber ebenfalls mit langen Beinchen, erinnern farblich an Kellerasseln. Ihr Geruch ähnelt dem von Nüssen, ihre Konsistenz derjenigen von Cornflakes.

Mehlwürmer machen das Rennen

Wiler Migros-Kunden lassen sich von Anblick der Krabbeltierchen aber scheinbar nicht abschrecken. Die Akzeptanz der Produkte sei hoch, die Verkäufe würden die Erwartungen übersteigen, sagt Andreas Bühler, Leiter der Kommunikation der Genossenschaft Migros Ostschweiz. Wie viele Insekten bisher den Weg über die Ladentheke in die Einkaufstaschen der Kunden gefunden haben, verrät er jedoch nicht. Nur so viel:

«Von den Mehlwürmern verkaufen wir die höchste Stückzahl.»

Seit gut einem halben Jahr in der Migros Wil zu kaufen: Heuschrecken, Mehlwürmer und Grillen.Bild: Lara Wüest

Seit gut einem halben Jahr in der Migros Wil zu kaufen: Heuschrecken, Mehlwürmer und Grillen.Bild: Lara Wüest

Seit dem 1. Mai 2017 ist der Verkauf von Grillen, Mehlwürmern und Heuschrecken als Lebensmittel in der Schweiz erlaubt. Sie dürfen als ganze Tiere, zerstückelt oder gemahlen angeboten werden. Manche Detailhändler führen auch Snacks oder Fastfood-Produkte wie Burger.

Grosse Hoffnung in kleine Tierchen gesetzt

Essbare Insekten weisen viele Vorteile auf: Ihr Proteingehalt entspricht einem durchschnittlichen Stück Fleisch oder Fisch. Zudem enthalten sie wertvolle Mineralstoffe. Und anders als andere tierische Produkte weisen Insekten sogar Nahrungsfasern auf. Diese sind wichtig für eine gute Verdauung. Die Vereinten Nationen hoffen sogar, dass sich mit den Insekten der Kampf gegen den Hunger gewinnen lässt, weil sie einen so hohen Nährwert haben. Und die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung kommt zum Schluss: «Insekten können eine Alternative zu bisher bereits bekannten Proteinlieferanten sein.» Im Gegensatz zu diesen bekannten Proteinlieferanten lassen sich die Insekten zugleich viel umweltfreundlicher züchten. Sie brauchen deutlich weniger Land, Wasser und Futter als beispielsweise Rinder oder Schweine. Und das schont das Klima.

Ob sich Insekten als Nahrungsmittel tatsächlich durchsetzen, muss sich aber noch zeigen. Pascal Herren sagt:

«Viele Leute sehen zwar ein, dass die Produktion von essbaren Insekten besser ist für die Umwelt, als diejenige von Fleisch. Doch der Ekel hindert sie am Verzehr.»

Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Wädenswil und forscht auf dem Gebiet der essbaren Insekten. Zugleich sind die Produkte verbesserungswürdig. «Diese können geschmacklich noch weiterentwickelt werden», so Herren. Seine Prognose: «Es wird noch eine Weile dauern, bis Insekten als Nahrungsmittel etabliert sind. Das geschieht nicht von heute auf morgen.»

Skepsis in der Gastroszene

Das Angebot in den Läden beschränkt sich bisher auf vereinzelte Produkte. Und auch in den Restaurants wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis die Grillen und Heuschrecken die Rinder und Schweine von den Tellern verdrängt haben. So sieht das zumindest Errico Mirto, Besitzer des Restaurants Freischütz in Wil. «Ich persönlich sehe die Insekten als gute Ergänzung zu unseren Nahrungsmitteln. Doch die Szene ist noch nicht bereit dafür.» Das werde mindestens noch 15 Jahre dauern. Und Karin Geissbühler, die zusammen mit ihrem Mann das Gasthaus Rössli besitzt, sagt:

«Ich glaube nicht, dass sich die essbaren Insekten in der Wiler Gastroszene durchsetzten werden. Ich selber würde sie niemals essen.»

Auf ihrer Speisekarte wird man Insekten deshalb in Zukunft vergeblich suchen.

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