KONZERT: Er kam, sah und spielte gross auf

An der Monday Night Music im Flawiler «Park» sorgten mit Kristina Tajsic und Christoph Hegi zwei bekannte Gesichter für die Musik. Mit dabei war jedoch auch ein Überraschungsgast aus Basel.

Michael Hug
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Sängerin Kristina Tajsic gehört beinahe zu den Stammgästen im Flawiler Kulturkeller. (Bild: Michael Hug)

Sängerin Kristina Tajsic gehört beinahe zu den Stammgästen im Flawiler Kulturkeller. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch

Niemand hat gezählt, wie viele Male Sängerin Kristina Tajsic und Pianist Christoph Hegi bereits im Kulturkeller des Flawiler «Parks» waren. Selbst Walter Baumann, der Programmchef bei Monday Night Music, der die beiden seit elf Jahren immer wieder eingeladen hat, weiss es nicht. Klar aber ist, dass der letzte Auftritt erst 17 Monate her ist, im November 2015 war das, zum Auftakt der zehnten Saison bei Monday Night Music. Damals reiste Tajsic mit Hegi alleine an, am vergangenen Montag brachten sie mit dem Bassisten Roman Dylag einen Dritten im Bunde mit.

Dieser Dritte erwies sich als die eigentliche Überraschung des Abends. Natürlich sind die Qualitäten der brillanten Sängerin und ihres formidablen Pianisten unbestritten und immer wieder bemerkens- sowie hörenswert. Doch dieser Bassist, so zurückhaltend und anscheinend unscheinbar Bassisten stets sind, er war das Salz in der Suppe des Dinners, das Tajsic und Hegi dem Publikum servierten. Der sprachlose, weil meist schweigende Dylag ist beileibe kein Unbekannter, ein versierter und überaus kompetenter Musiker dazu. Der gebürtige Pole spielte mit diversen europäischen und amerikanischen Grössen des Genres, war beim Unterhaltungsorchester von Radio Zürich, der SFB Big Band (Paul Kuhn) und der DRS Big Band angestellt und lehrte an der Hochschule für Musik in Basel, wo er heute noch wohnt.

Dylag mag Understatement. Er verbittet es sich, dass über ihn überhaupt geredet wurde und klebte , so es denn trotzdem geschah, sich zum Spasse aller ein Post-it mit der Aufschrift «Silence» auf die Stirn. Er mag offenbar Scherze zu seiner Person nicht, auch nicht wenn sie von Kristina Tajsic kommen, und er quittiert jedes seltsame Über-Improvisieren von Christoph Hegi mit einem Augenrollen. Doch was ihn, die Koryphäe, als Anfänger erscheinen lässt, ist seine Gewohnheit, alles, was zu tönen von ihm erwartet wird, vom Notenblatt abzulesen. Wer den Mann nicht kennt, glaubt, da hätten sich Tajsic und Hegi von einem in Ehre gealterten Hobbyjazzer überreden lassen, ihn doch wieder mal auf einer Bühne auftreten zu lassen.

Aber oha. Roman Dylag hat es faustdick hinter den Ohren. Auch wenn er, was man natürlich seinem Alter – er ist gerade 79 Jahre alt geworden – und eventuell mangelnder Proben zuschreiben kann, vom Blatt abliest, so verpasst er keinen einzigen Einsatz, verfügt über ein exzellentes Gehör und kann schwindelerregende Improvisationen aus seinem Kontrabass kitzeln.

Nun wurde es logischerweise schwierig für das Publikum, sich an diesem Abend ihren persönlichen Liebling herauszusuchen. Für Kristina Tajsic sprach ihre Stimme und die fuchsroten Haare und für Christoph Hegi dessen turbulente Interpretationen auf dem Klavier. Für Roman Dylag sprach seine schweigende Schlitzohrigkeit. Dylag kam, sah und spielte – und fuhr mit einem Lächeln auf den Lippen zurück nach Basel.