Konfliktfreies Nebeneinander im Wald

Neun Monate nach der ersten Informationsveranstaltung geht der Waldentwicklungsplan Neckertal in die Vernehmlassung. Einsicht haben nicht nur die Behörden und Ämter, auch die Bevölkerung kann dazu Stellung nehmen.

Urs M. Hemm
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Christof Gantner Regionalförster Waldregion 5, Toggenburg, Projektleiter

Christof Gantner Regionalförster Waldregion 5, Toggenburg, Projektleiter

NECKERTAL. Die Kunst bei der Erstellung eines Waldentwicklungsplans (WEP) ist es, die Anliegen unterschiedlichster Interessengruppen auf einander abzustimmen, ohne dabei die Ziele aus den Augen zu verlieren. Dazu gehört unter anderem, die Bewirtschaftungsgrundsätze für den Wald festzulegen oder die Funktionen des Waldes zu ermitteln. «Um alle Bedürfnisse berücksichtigen zu können, haben wir von Anfang an alle Interessengruppen in die Diskussion mit einbezogen und eine Arbeitsgruppe gebildet», sagt Christof Gantner, Regionalförster der Waldregion 5 und Projektleiter WEP Neckertal. In der Arbeitsgruppe engagiert waren Vertreter der öffentlichen und privaten Waldeigentümer, des Naturschutzes, der Gemeinden, der Jagd sowie aus Tourismus, Sport und Freizeit.

Gegenseitige Rücksichtnahme

Dank guter Vorbereitung und dank der Erfahrung aus anderen WEP-Projekten sei die Arbeit in der Gruppe sehr konstruktiv gewesen, sagt Christof Gantner. Insgesamt hat sich die Arbeitsgruppe zu drei Sitzungen getroffen, wobei an der ersten die Anliegen aufgenommen wurden. An den zwei folgenden Sitzungen wurden dann Lösungen erarbeitet, beispielsweise wie Freizeit- und Sportaktivitäten zu regeln sind. «Wichtig ist, dass die Ausformulierung für alle passt, sie aber keinen Spielraum für Interpretationen lässt oder dass die Formulierung gar missverständlich ist», erläutert Gantner. So sollen etwa Waldbesucher so gelenkt werden, dass die Lebensräume von Tieren und Pflanzen nicht beeinträchtigt werden und ein konfliktfreies Nebeneinander möglich ist. Dazu gehört zum Beispiel die gegenseitige Rücksichtnahme von Bikern und Wanderern. Zudem sollen die Beeinträchtigungen für die Waldeigentümer und den Jagdbetrieb minimiert werden.

Neben dem Naturschutz regelt der WEP aber auch die wirtschaftliche Nutzung des Waldes. Denn tatsächlich hat der heute vielfältig benutzte Begriff «Nachhaltigkeit» seinen Ursprung in der Waldwirtschaft. «Eine Nutzung des Holzvorrates in den Neckertaler Wäldern ist wirtschaftlich, aber auch ökologisch wünschbar und ohne Beeinträchtigung der Waldfunktion und der nachkommenden Generationen machbar», sagt Christof Gantner. Waldeigentümer seien jedoch nur dann bereit, Holz zu schlagen, wenn der Absatz gesichert ist und der Holzpreis am Schluss einen Gewinn abwirft. Unabhängig davon kann ein Waldeigentümer – auch wenn es sinnvoll wäre – nicht zur Holznutzung gezwungen werden.

Für ganze Bevölkerung offen

Grundsätzlich ist die Vernehmlassung des WEP Neckertal nur für Behörden und Amtsstellen gedacht, insbesondere auch für den Kanton Appenzell Ausserrhoden, der an den WEP-Perimeter angrenzt. «Ich habe aber entschieden, den WEP für die ganze Bevölkerung zugänglich zu machen. Denn je eher sich die Bevölkerung dazu äussern kann, umso eher kann ich reagieren und Bereinigungen vornehmen», sagt Christof Gantner.

Der bereinigte WEP wird ab September für drei Monate aufliegen und soll im Dezember vom Leiter des Volkswirtschaftsdepartements, Benedikt Würth, genehmigt werden.

Der Waldentwicklungsplan Neckertal kann noch bis zum 22. April auf den Gemeindeverwaltungen von Neckertal, Hemberg und Oberhelfenschwil eingesehen werden.