Kommentar
Solider Wiler Rechnungsabschluss: Erhöhung des Steuerfusses wäre nun fehl am Platz

Der Stadtrat präsentiert für das Jahr 2020 eine schwarze Null. Nun verträgt es ein paar magere Jahre. Warum nun von einem nach oben angepassten Steuerfuss abgesehen werden sollte.

Gianni Amstutz
Gianni Amstutz
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Bis anhin hat die Coronapandemie keine gewichtigen Auswirkungen auf die Steuereinnahmen der Stadt Wil.

Bis anhin hat die Coronapandemie keine gewichtigen Auswirkungen auf die Steuereinnahmen der Stadt Wil.

Bild: Britta Gut

Die Auswirkungen der Pandemie sind im Finanzhaushalt der Stadt Wil noch nicht spürbar. Dank zusätzlicher Abgaben der Technischen Betriebe kann der Stadtrat eine schwarze Null präsentieren.

In Euphorie verfallen sollte er deswegen nicht. Einerseits ist ungewiss, ob Covid-19 in den kommenden Jahren nicht doch noch zu Einbussen bei den Steuereinnahmen führt. Anderseits ist das Ergebnis auch aufgrund unerwartet tiefer Ausgaben so erfreulich. Besonders im Asyl- und Sozialbereich könnten sich diese aber schnell wieder in eine andere Richtung bewegen.

Pessimismus ist aber auch nicht angebracht. Das Ergebnis ist solid und die Stadtfinanzen sind im Lot. Die Pro-Kopf-Verschuldung ist auf einem fast historischen Tief – und würde unter anderen Umständen wohl sogar die Diskussion um eine Steuersenkung anheizen. Diese ist aktuell pandemiebedingt und wegen zusätzlicher Belastungen aufgrund der Steuerreform und AHV-Finanzierung nicht angezeigt.

Deutlich daneben

Eine Steuerfusserhöhung auf das nächste Jahr hin, wie sie vom ehemaligen Stadtrat angekündigt wurde, scheint derzeit aber mindestens genauso fragwürdig. In seiner Prognose für 2020 rechnete der Stadtrat im Finanzplan mit einem Defizit von vier Millionen und lag damit deutlich daneben.

Das freie Eigenkapital ist auf fast 83 Millionen Franken gestiegen. Nimmt die Investitionstätigkeit der Stadt, welche in den vergangenen Jahren sehr tief war, nicht massiv zu, lassen sich damit ein paar magere Jahre verkraften.

Eine Erhöhung des Steuerfusses wird erst wieder zum Thema, wenn die Grossinvestitionen wie die Neugestaltung des Bahnhofs, die Schulraumplanung oder die flankierenden Massnahmen auf den Tisch kommen. Jedes einzelne dieser Projekte ist mit Investitionen im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich verbunden. Ohne Steuererhöhung lässt sich dies kaum finanzieren.

Damit kann aber auch dank des guten Rechnungsabschlusses zugewartet werden. Zumal bis dahin auch die Auswirkungen der Pandemie besser abschätzbar sein dürften.