Kommentar

Das Nein zur Ortsplanungsrevision in Degersheim kann eine Chance sein

Die Skepsis hat gesiegt; die Angst vor den Konsequenzen dessen, was Degersheim im März 2013 mit einer Mehrheit von 62 Prozent gutgeheissen hatte: Das Bundesgesetz über die Raumplanung. Verdichtung nach innen, kein Landverschleiss, den bebauten Raum effektiv Nutzen. Das kling zunächst gut.

Andrea Häusler
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Bringt der zweite Anlauf neue Chancen oder bloss eine Verzögerung?

Bringt der zweite Anlauf neue Chancen oder bloss eine Verzögerung?

Bild: Andrea Häusler

Bei der Umsetzung zeigt sich nun aber, wie anspruchsvoll die Vereinbarkeit von Bewahrung und Entwicklung auf dem enger gewordenen Raum ist. Wie schwierig die Abstimmung der Bedürfnisse Bauwilliger und die Ansprüche an modernes Wohnen mit dem Dorfbild ist.

Mit dem Nein zu den Ortsplanungsinstrumenten gewinnt Degersheim Zeit. Wird nun aber nur aufgewärmt, was schon im Mitwirkungsverfahren diskutiert worden war, bringt der gestrige Urnenentscheid nicht mehr als Zeitverlust.

Entscheidend ist jetzt, ob es gelingt, die – wohl auch coronabedingte – Distanz zwischen den Behörden und Teilen der Bevölkerung zu überbrücken, zu koalieren und den engen gesetzlichen Spielraum zu Gunsten Degersheims auszureizen. Gemeinsam und wissend, dass Kritisieren einfacher ist, als Verantwortung zu tragen und gute Lösungen zu finden.