«Komme mit der Kalaschnikow»

SIRNACH. Weil ein Hinterthurgauer wiederholt mit dem Einsatz von Waffen gedroht hatte, stand er vor dem Bezirksgericht. Die Liste mit möglichen Verfehlungen ist lang.

Silvan Meile
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Er sei eigentlich ein ruhiger Mensch, sagte der 50jährige Angeklagte am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Münchwilen. Auf dem Sozialamt der Gemeinde Aadorf hatte er sich allerdings wiederholt verbale Ausraster geleistet. Mitarbeitern der Sozialen Dienste drohte er gemäss Anklageschrift, mit einer Kalaschnikow vorbeizukommen. In einer Organisation für Betreuung und Integration, wo der Angeklagte an Arbeitseinsätzen teilzunehmen hatte, kündigte er ebenfalls lautstark massive Gewaltanwendung an. Er werde die Institution mit einem Sturmgewehr bewaffnet aufsuchen oder eine Granate zünden, äusserte er gegenüber verschiedenen Mitarbeitern.

Mehrere Unfälle an einem Tag

An diese Vorfälle könne er sich nicht erinnern, sagte der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Münchwilen, das während des Umbaus des Gerichtsgebäudes in Sirnach (Dreitannen) tagt. Der Fall kam im Mai 2012 ins Rollen, als der Aadorfer in stark alkoholisiertem Zustand und nach dem Konsum von Medikamenten mit seinem Auto an einem Tag verschiedene Selbstunfälle verschuldete. In halsbrecherischer Fahrt durch Aadorf touchierte er zwei parkierte Autos, eine Hausmauer und einen Gartenzaun. Dies geschah lediglich zwei Tage, nachdem dem Beschuldigten von der Polizei der Führerausweis wegen Alkohols hinter dem Steuer entzogen worden war. Der Staatsanwalt sprach von einer «Amokfahrt, wie sie im Buche steht».

Ex-Freundin verletzt

Zu den Drohungen und den Übertretungen des Strassenverkehrsgesetzes kamen mehrere Verstösse gegen das Waffengesetz hinzu. Zwischen 2001 und 2006 verkaufte und kaufte er verschiedene Handfeuerwaffen, ohne schriftliche Waffenübertragungsverträge abzuschliessen.

Die Staatsanwaltschaft erwähnte an der Verhandlung auch einen Fall aus dem Jahr 1990. Damals schoss der Beschuldigte in stark alkoholisiertem Zustand während eines Streites zweimal durch eine Haustür und verletzte dabei seine Ex-Freundin und deren Freund. Später gab der Angeklagte weitere Schüsse ab und traf seinen vermeintlichen Widersacher in der Bauchgegend. Danach richtete er die Waffe gegen sich selbst, drückte ab und erlitt ernsthafte Verletzungen, heisst es in der aktuellen Anklageschrift rückblickend. Die Strafe dafür hat er längst abgesessen.

Antrag abgewiesen

Seit 15 Monaten sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Sie wurde schon mehrfach verlängert. Die Staatsanwaltschaft beantragt nun eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Ein Antrag der Verteidigung, eine zweites Gutachten erstellen zu lassen, wies das Gericht ab. Das Urteil folgt.

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