Kolumne
Seitenblick: Tierisch ehrlich

Gemäss einer Studie lügen Menschen aus unterschiedlichen Gründen. Absolute Ehrlichkeit findet man hingegen im Tierreich, beispielsweise bei den eigenen Stubentigern.

Urs M. Hemm
Urs M. Hemm
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Katzen zeigen den Menschen deutlich, was sie wollen.

Katzen zeigen den Menschen deutlich, was sie wollen.



Bild: PD

Gemäss Statistik lügt ein Mensch im Durchschnitt 25-mal pro Tag. Laut einer Studie sind die Gründe fürs Lügen vielfältig: Der kleinere Teil sind Lügen aus materiellen Überlegungen, also um sich einen Vorteil zu verschaffen. Die meisten Lügen werden aber aus psychologischen Gründen erzählt, um sich selbst besser darzustellen, Konflikte zu vermeiden oder gegenüber anderen nett zu sein.

Seien wir mal ehrlich. Die alltägliche Begrüssung «Grüezi, wie geht es?» ist zu einer reinen Floskel verkommen. Interessieren wir uns wirklich dafür, wie es dem anderen geht? Nein. Denn die Antwort, die wir auf unsere Frage erwarten ist, «Danke, mir geht es gut». Prima, das Thema ist abgehakt und weiter geht es im Gespräch. Wie würden wir aber reagieren, wenn der Gesprächspartner ehrlich über sein Befinden sprechen und sagen würde «Sehr schlecht. Ich bin seit Tagen krank und meine Frau will sich scheiden lassen»? Wollen wir solche Informationen wirklich haben? Ich denke nicht.

Denn damit belasten wir uns mit den Problemen anderer, die uns eigentlich gar nicht interessieren oder – von der Gegenseite aus gesehen – geben wir Dinge preis, die andere nichts angehen und wir lieber privat halten möchten. Zudem zeigen wir mit dieser Ehrlichkeit eine Schwäche und Verletzlichkeit, die anderen einen Vorteil bringen könnte und uns so zwangsläufig in die Defensive zwingen.

Bei allem, was wir Menschen sagen oder tun, wägen wir bewusst oder unbewusst die Konsequenzen des Gesagten ab. Anders ist es in der Tierwelt. Unsere drei Katzen beispielsweise geben meiner Frau und mir ganz klar und deutlich zu verstehen, was sie gerade wollen und was sie empfinden. Ihre Zuneigung ist uneingeschränkt, ehrlich und ohne jeden Hintergedanken. Sie sind zufrieden, wenn es uns gut geht und einfühlsam und tröstend, wenn sie spüren, dass wir müde und gestresst ist. Sie signalisieren aber auch ganz unmissverständlich, wenn sie in Ruhe gelassen werden möchten und von uns nichts wissen wollen.

Ehrlichkeit ist zwar gut, lügen aber dennoch manchmal besser. Denn ich bin ein höflicher Mensch und sage darum auch immer: «Danke, mir geht es gut.»