Kolumne
Seitenblick: «Grüezi, Meier»

Seit gut zwei Jahren ist Intersexualität in Deutschland als drittes Geschlecht anerkannt. Mit dem unlängst kommunizierten Entscheid des Lufthansakonzerns, die Fluggäste an Bord nicht mehr als «Damen» und «Herren» zu begrüssen, hat die Airline-Gruppe die Genderdiskussion neu lanciert. Anlass genug, sich Gedanken über eine konsequent durchgegenderte Sprache zu machen.

Andrea Häusler
Andrea Häusler
Merken
Drucken
Teilen

Bild: Ronald Wittek / EPA

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – korrekt? Eigentlich nicht – egal ob ausgeschrieben, mit Gender-stern oder Gendergap. Zwar spricht diese Formulierung weibliche und männliche Personen gleichwertig an, doch schliesst sie Menschen aus, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zugehörig fühlen.

Nichtsdestotrotz sind derlei Anreden im Brief- und Mailverkehr gängig und toleriert. Nun zeigt aber der deutsche Lufthansakonzern, in welche Richtung die sprachliche Reise geht: Die Fluggesellschaft, zu der auch die Swiss gehört, verbannt die Begrüssung «Sehr geehrte Damen und Herren, herzlich willkommen an Bord» aus den Kabinen. Künftig werden die Passagiere mit einem genderneutralen «Guten Tag», «Guten Abend» oder einem «Herzlich willkommen an Bord» begrüsst.

Damit kann sich nun männiglich angesprochen fühlen – selbst der Hund in der Box und der Fisch auf dem Teller. Oder eben niemand. Wodurch sich die Absicht in der Wirkung ins Gegenteil verkehrt: Nicht eine Minderheit wird mehr in die Unsichtbarkeit verbannt und damit auf subtile Weise benachteiligt, sondern gleich alle. Zumindest so lange, wie andere Airlines ihre Passagiere oder Fluggäste als solche wahrnehmen und begrüssen.

Genderwahnsinn? Vielleicht. Die Furcht, jemanden mit seiner Wortwahl zu diskriminieren, nimmt zunehmend eigenwillige Züge an. Und man darf gespannt sein, welche Blüten diese Entwicklung noch treibt. Fakt ist aber, dass eine konsequent durchgegenderte Sprache mehr verändern wird als die Kommunikation, die Länge der Zeitungstexte, den Lesefluss in Büchern und bestenfalls das Denken.

Lufthansa hat – nachdem sich die sprachliche Gleichstellung von Mann und Frau weitgehende etabliert hat, mit dem Einbezug des dritten Geschlechts in neue Höhen der Genderdiskussion abgehoben. Und der Entscheid regt zum Nachdenken an. Was, wenn nun gleich das Telefon klingelt und sich eine männliche oder weibliche Stimme mit «Meier» meldet? Da böte sich – airlinekonform – ein knappes «Grüezi» an. Unverfänglich wäre auch ein «Grüezi, Meier». Klingt unhöflich? Ich glaube, den Versuch spare ich mir noch auf.