KOLUMNE
Ein wunderbares Konzert mit einem Misston der schweizerischen Art

Auch wenn der Sommer heuer nie recht in die Gänge kam, gibt es in der Region das mediterrane Lebensgefühl. Auch dank spontanen Konzerten an öffentlichen Plätzen. Wie es sich in diesem Land gehört, passt das aber nicht allen.

Simon Dudle
Simon Dudle
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Am Nachmittag die Trompete hervornehmen und ein spontanes Konzert in der Öffentlichkeit geben? Passt nicht allen.

Am Nachmittag die Trompete hervornehmen und ein spontanes Konzert in der Öffentlichkeit geben? Passt nicht allen.

Bild: Benjamin Duda

Mit dem Sommer 2021 ist es so eine Sache. Gemütlich draussen im eigenen Garten sitzen und die noch immer recht langen Abende geniessen? Schwierig. Oder zumindest selten.

Da kommt es umso gelegener, wenn sich eine Szene wie diese abspielt. Zugetragen hat sie sich diese Woche am Wiler Stadtweier. Könnte aber auch auf einem Wanderweg im Toggenburg gewesen sein. Auf der Brücke beim Ententeich steht ein Mann mit Trompete. «So ein Tag, so wunderschön wie heute», schallt es über das Gewässer. Einfach nur wohltuend.

Spezielle musikalische Unterhaltung

Die Leute auf den Bänkli rund um den Weier schunkeln mit, oder lauschen zumindest dem unerwarteten Konzertgenuss. Und das mitten am Nachmittag um 14.30 Uhr. Als der letzte Ton verstummt, wird geklatscht wie einst für das Pflegepersonal. «Zugabe», hört man eine Frau rufen. Et voilà. «Auf des Munots altem Turme» wird zum Besten gegeben.

Die Schweiz wäre aber nicht die Schweiz, wenn es nicht auch diese Reaktion gegeben hätte: «Das geht ja wohl gar nicht. Der trifft ja keinen Ton. Der vertreibt alle Enten», sagt ein Mann zu seiner Begleitperson halblaut, dafür umso bestimmter.

Man kann es bekanntlich nicht allen recht machen. Und ja: Jeder Ton wurde effektiv nicht getroffen. Und ja: Wer Sommernachmittage im Wiler Zentrum verbringt, der kann ein Lied singen von einer Drehorgel spielenden Frau und einer in verschiedenen Tonlagen singenden Familie, die in der Oberen Bahnhofstrasse den einen oder anderen Rappen ergattern wollen.

Die Toggenburger machen es vor

Aber ja: Man möge sich doch an der Lebensfreude ergötzen, welche ein solch spontanes Konzert mit sich bringt. Man möge Musik als die Sprache verstehen, die uns vereint, auch wenn die Orthografie nicht ganz stimmt.

Die Aktion liesse sich gar ausweiten. So wie vor ein paar Wochen auf dem Klangweg im Obertoggenburg. An zwei Tagen hat das Toggenburger Orchester an verschiedenen Orten die Wanderer überrascht und aufgespielt. Doch wetten, dass auch das nicht allen gepasst hat und gar die Kühe davongelaufen sind?

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