Könnte ihr Konzept den Pistenwinter retten? Neu gegründete Uzwiler Firma handelt mit mobilen Street-Food-Wagen

Man kennt sie vor allem von Stränden im Ausland: Kleine Wagen mit eingebauten Fritteusen oder Kochplatten. Zwei Uzwiler haben eine Schweizer Marktlücke gewittert und gründeten eine GmbH. Anstatt lange im Fussballstadion oder in der Badi anzustehen für Snacks, wollen sie mit den kompakten Ständen etwas Meerfeeling in die Schweiz holen.

Dinah Hauser
Merken
Drucken
Teilen
Die Jugendfreunde gründeten eine eigene GmbH: Danijel Gasic (links) und Goran Bugara wollen etwas Meerfeeling in die Schweiz bringen.

Die Jugendfreunde gründeten eine eigene GmbH: Danijel Gasic (links) und Goran Bugara wollen etwas Meerfeeling in die Schweiz bringen.

Bild: Dinah Hauser

Die Idee entstand – wie so viele andere – beim Feierabendbier. Nach einer Velotour irgendwann zwischen dem Lockdown und den Sommerferien erzählte Goran Bugara seinem Jugendfreund Danijel Gasic, dass der Schwager seinen Stand für Spiralkartoffeln verkaufen möchte. Beide waren angetan von der Idee, selbst auf Märkten oder an privaten Festen das frittierte Gemüse am Spiess anzubieten. Doch die Idee wuchs. Gasic recherchierte und witterte ein Geschäftsmodell. «In der Schweiz gibt es keinen Anbieter oder Händler von mobilen Street-Food-Wagen dieser Art.»

Anders als Marktstände aus Holz sind diese Wagen aus Edelstahl und kompakt, die Crêpesplatten oder Fritteusen gleich eingebaut. Zudem sind sie wesentlich kleiner als Food-Trucks, seien somit vielseitig einsetzbar, wie die Unternehmer festhalten und sie benötigen keinen grossen Lagerplatz, was die Fixkosten gering halte. «Bedeutet also: Wagen platzieren, Gasflasche aufdrehen und der Spass kann losgehen», preisen die jungen Unternehmer ihre Idee an. Ob Crêpes, Spiralkartoffeln, Maiskolben, Tortillas, oder Snacks wie Pommes frites oder Würste, für alles haben sie einen Wagen und Ausstattung bereit.

Anbieter solcher Verkaufswagen habe Gasic nur im Ausland gefunden. Wer schon einmal am Meer in den Ferien war, kennt solche Stände vielleicht. Bugara sagt:

«Ob Bodensee oder Bettenauer Weiher: Wir wollen etwas Meerfeeling in die Schweiz bringen.»

Eines führte zum anderen. Bald war ein Partner aus dem EU-Raum gefunden, der die Wagen herstellt. Kürzlich folgten der Eintrag ins Handelsregister sowie ein Internetauftritt mit eigener Website und Verlinkungen zu diversen Social-Media-Plattformen. Erste Wagen seien bereits bestellt. «Wegen der Pandemie ist wahrscheinlich mit längeren Lieferzeiten zu rechnen», sagt Gasic.

Ein Street-Food-Wagen mit ausziehbarer Fritteuse.

Ein Street-Food-Wagen mit ausziehbarer Fritteuse.

Bild: PD

Stände sind fast überall aufstellbar

Da die Wagen mit Gas betrieben werden, sind sie unabhängig vom Stromnetz. Mit zirka 1,6 auf 0,7 Metern Standfläche sei der Wagen auch im Haus oder in der Garage gut lagerbar. Je nach Modell sind die Masse unterschiedlich, zudem gibt es Varianten als offener Wagen oder mit abschliessbaren Seitentüren. Die ermögliche es, den Wagen auch über Nacht draussen stehen zu lassen.

Nebst Marktfahrern und Privatpersonen wollen die beiden Uzwiler auch Firmen, Organisationen oder Veranstalter ansprechen. Sie können sich vorstellen, dass etwa ein Badirestaurant mit einer Aussenstation den Ansturm etwas verlagern oder gar das Angebot ausbauen kann. Oder ein Fussballverein ohne Clubhaus könnte den Gästen so eine Verpflegungsmöglichkeit bieten. Die beiden Jungunternehmer verraten:

«Ein mobiler Wagen mit Bierzapfhahn ist ebenfalls in Planung.»

Und die beiden Sportbegeisterten wissen aus eigener Erfahrung: «Bei den langen Schlangen in den Stadien löscht's einigen Gästen ab. Sie gehen dann – mit dem Risiko spannende Spielminuten zu verpassen – vor oder nach der Pause etwas zu Essen oder zu Trinken holen.»

Die Coronapandemie sehen die beiden Unternehmer auch als Chance: «Aktuell meiden viele Leute geschlossene Räume. Mit unseren Wagen treffen wir den Zeitgeist», sagt Bugara. Ihre Idee haben sie deshalb zur Jahreszeit passend an Bergbahnen in der ganzen Schweiz herangetragen. «Wir sind auf offene Ohren gestossen. Bei einigen potenziellen Kunden wird sogar bereits in der Geschäftsleitung darüber diskutiert», sagt Gasic. Ob diesen Winter Uzwiler Verpflegungsstände an den Pistenrändern stehen, wird sich wohl bald zeigen.

Die Personen hinter der Idee

Die Uzwiler Danijel Gasic (links) und Goran Bugara fordern sich wöchentlich zum Tennis heraus.

Die Uzwiler Danijel Gasic (links) und Goran Bugara fordern sich wöchentlich zum Tennis heraus.

Bild Dinah Hauser

Doch wer sind die Köpfe hinter dem Konzept? Danijel Gasic ist in Luzern geboren, in Bazenheid aufgewachsen und lebt seit 20 Jahren in Uzwil. Als gelernter Polymechaniker mit Weiterbildung im Bereich Maschinenbau kennt er sich mit Gerätschaften aller Art aus. Seit seinem Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft arbeitet der heute 36-Jährige im Verkauf im Bereich Industriedienstleistungen. Er hat zwei Kinder.

Goran Bugara hat ebenfalls zwei Kinder und ist 38 Jahre alt. Der gebürtige Uzwiler verbrachte sein ganzes Leben in der Gemeinde. Seine Lehre als Anlagen- und Apparatebauer absolvierte er bei der Bühler AG, heute ist er als Qualitätsmanager für Lieferantenentwicklung tätig. Die beiden Freunde sind seit jeher sportlich unterwegs. Beide spielten beim FC Uzwil und gründeten einen Verein, welcher heute an den FC Uzwil angeschlossen ist. Wöchentlich fordern sie sich beim Tennis heraus und machen gemeinsame Velotouren.

Beide sind froh um die Unterstützung der Familien: «Unsere Frauen halten uns den Rücken frei und bringen eigene Ideen ein», sagt Bugara. So sei etwa die Eigenkreation Kingscup entstanden – eine Art Brotbecher mit Fleisch- oder Gemüsefüllung. «In dieser Art ist die Kreation neuartig und nicht vergleichbar mit bekannten Gerichten.» Es seien lustige Tage in der eigenen Küche gewesen – die Kinder waren Testesser. Zudem hilft Gasics Bruder bei der Bewirtschaftung der Website und fungiert als Marketingberater.

Einer der Wagen mit abschliessbaren Türen.

Einer der Wagen mit abschliessbaren Türen.

Bild: PD

Name ist Programm

Da die ursprüngliche Idee auf Spiralkartoffeln aufbaute, sei erst der Firmenname Mr. Potato im Gespräch gewesen. Die beiden Co-Geschäftsführer entschieden sich aber nochmals für eine Namenssuche. Schliesslich sei man bei «Street Food King» gelandet. Nicht aus Überheblichkeit wie Bugara sagt, «sondern weil wir ein einzigartiges Produkt bieten». Gasic ergänzt:

«Wir wollen den Kunden zum Street Food König machen.»

Dass sich eine Anschaffung lohnt, zeigen die Unternehmer anhand eines Rechnungsbeispiels in der Badi: Ein Crêpesstand verkauft die Süssigkeit für sieben Franken das Stück. Während 12 Wochen gehen sie von 42 Sonnentagen aus. Unter der Woche werden täglich 40 Stück verkauft, an den Wochenenden täglich 120. Das ergibt für die Saison Einnahmen von über 18'000 Franken. Ein Wagen koste etwas mehr als einen Drittel davon.

Nebst dem Verkauf der Wagen vermieten sie diese auch und bieten Catering Service an. Zudem können die Wagen nach Kundenwünschen individuell gestaltet werden. «Im Moment ist es noch ein Nebenerwerb. Doch wir können uns vorstellen, später in die Selbstständigkeit überzugehen», sagt Bugara.

Weitere Informationen: www.streetfoodking.ch.