Kölliker spricht über seinen Krebs

WIL. Die Krebsliga Ostschweiz zelebrierte ihren diesjährigen Solidaritätsabend in Wil. Dabei äusserte sich Regierungsrat Stefan Kölliker erstmals öffentlich zu seiner Brustkrebserkrankung vor zwei Jahren. Heute ist er gesund und fit.

Christof Lampart
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Regierungsrat Stefan Kölliker schilderte, wie er seine eigene Erkrankung erlebte und machte allen Betroffenen Mut, ebenfalls darüber zu reden. (Bild: Christof Lampart)

Regierungsrat Stefan Kölliker schilderte, wie er seine eigene Erkrankung erlebte und machte allen Betroffenen Mut, ebenfalls darüber zu reden. (Bild: Christof Lampart)

Im Kalender der Krebsliga ist der Oktober ganz dem Kampf gegen den Brustkrebs gewidmet ist. Der letzte Freitag galt als nationaler Solidaritätstag, weshalb die Krebsliga Ostschweiz ins evangelische Kirchgemeindehaus nach Wil einlud. Dort fanden sich über 100 Personen ein, um gemeinsam ein Kürbisrisotto zu geniessen und danach besinnlich einige pinke Lampions anzuzünden.

«Ich war wie entrückt»

Dazwischen richtete der St. Galler Regierungsrat Stefan Kölliker sehr persönliche Worte an die Gäste. Dass Kölliker etwas zu sagen haben würde, war allen klar, die seine Biographie kannten. Doch wie er es sagen würde, war offen – denn der Magistrat hatte zuvor noch nie öffentlich über seine Krankheit gesprochen. «Für mich war das jetzt hier ein guter Moment, um erstmals darüber zu reden. Aber es war nicht einfach. Ich bin jedoch sehr froh, dass ich es getan habe», bekannte Kölliker danach.

Er schilderte die Momente nach der Diagnose. «Ich war wie entrückt, meinte, nicht richtig gehört zu haben. Dann die grosse Leere, ein schwarzes Loch, Herzrasen und Beklommenheit, Anspannung und erhöhter Puls. Wie am Ziel eines Laufes – doch ich stand am Anfang, ohne einen Meter gegangen zu sein», sagte er. «Wörtlich und bildhaft am Start eines Laufes, den ich freiwillig nie in Angriff genommen hätte.»

Rissiges Weltbild

Er habe sich vor Augen führen müssen, was diese Erkrankung für seine Ehefrau und die drei Kinder bedeuten könnte. «Mein Weltbild, meine Lebensanschauung bekam Brüche und Risse. Bisher funktionierte mein Leben mit den täglichen <Ups and Downs>, die Zahnrädchen griffen ineinander und nun sollte plötzlich alles auseinanderfallen?», Die Operation, sagte Kölliker, sei happig, jedoch erfolgreich gewesen. Die Chemotherapie mit verschiedenen Medikamentencocktails bezeichnete er als «währschaft»; die Bestrahlungstherapie im Brustbereich als «komplikationslos».

Fast während der ganzen Zeit habe er seine Funktion als Regierungsrat reduziert wahrgenommen. Dabei war er 2013 sogar noch Regierungspräsident und hatte somit die Sitzungen der Regierung zu leiten. Allerdings kam Kölliker rasch an seine körperlichen Grenzen: «Zum Teil war mittags schon Schluss mit meinen Arbeitsaktivitäten», blickte der Politiker zurück.

Psyche entscheidet

Heute habe er zwei Erkenntnisse gewonnen und einen Entscheid getroffen. Er werde für eine weitere Amtszeit als Regierungsrat kandidieren, denn «ich bin gesund und fühle mich ausgezeichnet». Seine erste Erkenntnis betreffe die Medizin. Die Ärzte und das Pflegepersonal leisteten Hervorragendes. Und doch gleiche die Behandlung eines Krebskranken einem Pröbeln, weil jeder Körper mit seinem eigenen Stoffwechsel anders reagierte. Dies bedinge eine gehörige Portion Vertrauen in die behandelnden Ärzte. Und doch: «Die psychische Robustheit ist für die Genesung ebenso wichtig wie die körperliche. Wer bereit ist, diese Herausforderung anzunehmen, besteht diesen «Gesundungsmarathon».

Aus der Anonymität treten

Kölliker ermutigte die Betroffenen: «Treten Sie heraus aus der Anonymität des Alleinseins und verbünden Sie sich; dazu dient auch der heutige Anlass. Und lassen Sie sich nicht vom Krebs überraschen, sondern überraschen Sie den Krebs. Denn wer denkt, was möglich ist, hat Möglichkeiten zum Handeln. Wer nicht denkt, was möglich ist, gibt dem Krebs Raum, sich einzunisten und auszubreiten.»