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Knappes Resultat beim Frühfranzösisch

Grosser Rat des Kantons Thurgau

Rückblick auf die Grossratssitzung vom Mittwoch

Diese Grossratssitzung wurde schweizweit mit grosser Spannung erwartet: Frühfranzösisch in der Primarschule – ja oder nein? Eine Motion aus dem Jahr 2013 verlangte die Verschiebung des Französischunterrichts auf die Oberstufe. Die entsprechende Gesetzesänderung wurde am Mittwoch in zweiter Lesung beraten. Dazu lag ein Antrag vor, diesen Gesetzesartikel zu streichen, also beim Frühfranzösisch zu bleiben.

Für die Beibehaltung des Frühfranzösisch sprachen die überlastete Stundentafel der Sekundarschule im Falle der Verschiebung, die fehlende Harmonisierung innerhalb der Deutschschweizer Kantone, aber auch vom Erziehungsdepartement in Aussicht gestellte Verbesserungen des Französischunterrichts auf der Mittelstufe. Gegen das Frühfranzösisch wurde ins Feld geführt, dass der Französischunterricht auf der Mittelstufe sehr ineffizient sei, dass viele Schülerinnen und Schüler überfordert seien, dass primär die heute mangelhaften Deutschkenntnisse zu verbessern seien und dass ein konzentrierter Französischunterricht auf der Oberstufe mit entsprechend höherer Lektionszahl bessere Resultate bringe. Niemand wollte Französisch abschaffen; es ging lediglich um den erfolgreichsten Weg zu guten Französischkenntnissen.

Urs Schrepfer, Sirnach, vertrat als Kommissionspräsident die Kommissionsmeinung. Dennoch äusserte er sich auch kritisch zu den vom Erziehungsdepartement kurzfristig in Aussicht gestellten Massnahmen zur Verbesserung des Französischunterrichts. Christa Kaufmann, Bichelsee, sprach sich für die Beibehaltung des Frühfranzösisch aus, weil sie eine «Thurgauer Insel» vermeiden wolle, aber auch weil sie zuversichtlich ist, dass die breit geführte Debatte viel bewegt hat. Iwan Wüst, Tuttwil, berief sich auf die bekannte Linguistin Pfenninger, die die Annahme «je früher Sprachen lernen, desto besser» in Frage stellt. Für ihn verlangen die oft mangelhaften Deutschkenntnisse am Ende der Schulzeit primär eine Stärkung des Deutschunterrichts.

Mit dem knappen Resultat von 62 zu 60 wurde schliesslich der Streichungsantrag angenommen – es bleibt also beim Frühfranzösisch. Ich – und die Mehrheit der Grünen-Fraktion – hätten es allerdings lieber anders gehabt: den Streichungsantrag ablehnen, um anschliessend das Geschäft an die Regierung zurückzuweisen. Dann hätte das Departement in Zusammenarbeit mit Bildung Thurgau und dem Schulgemeindeverband ein verbindliches Sprachenkonzept für die Mittelstufe ausarbeiten können. Dem Motionsanliegen, das die Regierung ablehnt, wäre dann dieses Konzept als indirekter Gegenvorschlag gegenübergestanden. Jetzt können wir nur zuschauen, was von den Verbesserungsvorschlägen des Departements –– sie wurden in der Diskussion etwas böswillig auch als «heisse Luft» bezeichnet – tatsächlich umgesetzt wird.

Eine sehr klare und erfreuliche Mehrheit fand schliesslich die Motion «Standesinitiative zum Ausschluss des Palmöls aus dem Freihandelsabkommen mit Malaysia», die von vier Kantonsräten eingereicht wurde. Im Kern geht es darum, dass ein Produkt, das zur Vernichtung von primärem Urwald, zur Armut der Landbevölkerung, zu massivem Pestizideinsatz in den Palmplantagen beiträgt, nicht noch durch Privilegien weiter verbilligt wird. Verständlich auch, dass zu den Motionären zwei Bauern gehören, steht das billige Palmöl doch in direkter Konkurrenz zu den viel gesünderen einheimischen Raps- und Sonnenblumenölen.

Toni Kappeler

Die «Wiler Zeitung» bietet den Kantonsrätinnen und Kantonsräten des Bezirks Münchwilen die Möglichkeit, sich vor und nach den Sitzungen des Grossen Rates zu den Geschäften zu äussern.

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