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Jetzt debattiert die Jugend übers Klima: «Wir können den Klimawandel nicht zu 50 Prozent bekämpfen»

Die Klimagruppe der Kantonsschule organisierte ein Podium. Dabei verliehen die Jugendlichen ihren Vorstellungen Ausdruck, wie der Klimaveränderung beizukommen ist. Während das Problem von allen anerkannt wurde, drifteten die Lösungsansätze auseinander.
Gianni Amstutz
Die Teilnehmer am Podium, von links: Kantischülerin Miriam Rizvi, Timo Räbsamen, Präsident der Juso St. Gallen, Moderatorin Bettina Dyttrich, Nicolas Stillhard, Präsident der Jungfreisinnigen Toggenburg, und Kantischülerin Aimee Bolt. (Bild: Gianni Amstutz)

Die Teilnehmer am Podium, von links: Kantischülerin Miriam Rizvi, Timo Räbsamen, Präsident der Juso St. Gallen, Moderatorin Bettina Dyttrich, Nicolas Stillhard, Präsident der Jungfreisinnigen Toggenburg, und Kantischülerin Aimee Bolt. (Bild: Gianni Amstutz)

Die Klimajugend hat massgeblichen Anteil daran, dass in Wil vor rund einem Monat der Klimanotstand ausgerufen wurde. Konkrete Massnahmen hat das mehrheitlich aus einer älteren Generation zusammengesetzte Stadtparlament damit aber noch nicht beschlossen. Am Mittwochabend debattierten nun an der Kanti Wil Experten und vor allem Jugendliche darüber, wie man dem Klimawandel effektiv entgegenwirkt.

In einer Runde mit Schülerinnen, einer mit Experten und einer dritten mit Jungpolitikern nahmen sich die Beteiligten dem Thema an. Einig waren sich – zumindest im Grundsatz – alle, dass die Klimabewegung Positives bewirkt hat. Sowohl die Wiler Kantischülerin Aimee Bolt als auch Nicolas Stillhard, Präsident der Jungfreisinnigen Toggenburg, betonten die Wichtigkeit, dass dem Thema mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ein Umdenken in der Gesellschaft werde auch Politik und Wirtschaft beeinflussen, die Veränderungen in Angriff zu nehmen. Von Verboten hielten aber beide wenig.

Ethikforscherin Anna Deplazes stimmte ihnen grundsätzlich zu:

«Nur schon, dass das Bewusstsein für die Klimaveränderung heute stärker vorhanden ist, löst einiges aus.»

Man müsse zu dem Punkt kommen, wo Menschen ihr klimaschädliches Verhalten selbst und vor anderen kritisch hinterfragen und rechtfertigen. Dabei nehme die Klimabewegung eine zentrale Rolle ein. Absolute Verbote seien hingegen oft nur wenig nachhaltig.

Für die Klimaaktivisten geht es um alles oder nichts

Für die Vertreter der Klimakollektivs war hingegen klar: Es muss sofort gehandelt werden und die Massnahmen dürfen auch wehtun – sowohl der Staatskasse als im privaten Alltag. Der Wiler Timo Räbsamen,Präsident der Juso St. Gallen, sagte dazu:

«In der Politik braucht es vielleicht oft Kompromisse, doch wir können den Klimawandel nicht zu 50 Prozent bekämpfen»

Es gehe bei der Klimakrise um alles oder nichts. Das sah auch die St. Galler Kantischülerin und Klimaaktivistin Miriam Rizvi so: «Wir haben die Lösung des Problems lange genug den Politikern überlassen.» Nur wegen deren Untätigkeit seien die Jugendlichen überhaupt auf die Strasse demonstrieren gegangen.

Räbsamen präsentierte eine ganze Reihe möglicher Massnahmen. Von einer «massiven Förderung des ÖV» über die zwingende Sanierung alter Gebäude bis hin zu einer umfassenden CO2-Abgabe. FDP-Jungpolitiker Stillhard erwiderte, dass die Durchsetzung solcher Massnahmen nicht mehrheitsfähig sei – im Gegensatz zu jenen des Positionspapiers von seiner Partei.

Die Dringlichkeit des Problems war bei allen Diskussionsteilnehmern unbestritten und wurde von ETH-Klimaforscher Christoph Schär untermauert. «Die Trockenheit im Sommer und die damit einhergehende Wasserknappheit könnte im Mittelmeerraum schon sehr bald zum Problem werden.» Die Massnahmen, die bisher getroffen worden seien, reichten bei weitem nicht aus. Im Gegenteil. Fortschritte, die bisher in den Bereichen Industrie und Wohnen erzielt worden seien, würden durch die Zunahme der Treibstoffemissionen überkompensiert. Auch die CO2-Abgabe der Schweiz sei unzureichend. Es sei unsinnig, sie nur auf CO2, das durch Heizen entsteht, zu erheben und die Mobilität auszuklammern. Schliesslich hätten die Moleküle, die ausgestossen werden, dieselbe Wirkung auf das Klima.

Auch ältere Generation ist gefordert

Während die Klimastreiks als Jugendbewegung starteten, haben sich den Demonstrationen am Samstag auch viele Erwachsene angeschlossen. Da muss mehr gehen, findet Othmar Amstutz, der 1984 für Prowil in das Stadtparlament einzog. Was die Jungen machten, sei grandios. Endlich eine Generation, die das Problem nicht nur sieht, sondern auch anpackt.

«Doch wo bleiben die über 30-Jährigen?»

Auch diese Generation sei gefordert, müsse sich vernetzen. Er will deshalb eine Klimagruppe gründen, die sich regelmässig trifft und austauscht.

Hinweis
Interessierte an der Klimagruppe melden sich unter othmi@gmx.net oder 078 720 02 50

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