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Klima lässt Kastanie faulen

Der Flawiler Bahnhofplatz muss mit neuen Bäumen bepflanzt werden. Hitze und Schädlinge liessen die bestehende Kastanie krank werden. Den idealen Baumersatz zu finden, war jedoch schwierig.
Sara Petrillo
Roger Gehrig von der Gehrig Gärtnerei hebt die Grube für die Hopfenbuche aus. (Bilder: Sara Petrillo)

Roger Gehrig von der Gehrig Gärtnerei hebt die Grube für die Hopfenbuche aus. (Bilder: Sara Petrillo)

Der Flawiler Bahnhofsplatz wird neu gestaltet. Wegen Fäulnisbefalls musste der Baum gegenüber dem Bahnhofgebäude – just jener mit dem grössten, zirka 13 Meter aufweisenden Kronendurchmesser – gefällt werden. An seiner Stelle wurde nun am Donnerstag ein neuer Baum gepflanzt: eine Hopfenbuche. Ausserdem wurden zusätzlich noch vier weitere Bäume gesetzt.

Rosskastanie kommt künftig nicht mehr in Frage

Die Wahl einer neuen Baumart gestaltete sich als kompliziert, da viele Komponenten zu beachten waren. «Die Rosskastanie kam nicht mehr in Frage, da sie aufgrund des Klimawandels und der somit verbundenen Wärme immer mehr von Schädlingen angegriffen wird», sagt Ruedi Steurer. Er ist Präsident der Stiftung des Naturschutzvereins Flawil und Umgebung.

Stadtbäume sind einer Vielzahl von Stressfaktoren ausgesetzt, unter anderem Hitze, Frost und Trockenheit. Durch räumlich begrenzte Baumgruben, welche den Trockenheitsfaktor noch verschlimmern, wird das Wurzelwachstum eingeschränkt.

Zum einen braucht man einen widerspenstigen Baum, der die Stressfaktoren und Anforderungen des Klimas mehrheitlich gut verträgt. Zum anderen darf der Einfluss des Baumes auf seine Umwelt nicht allzu gravierend sein, so darf er zum Beispiel nicht giftig oder brüchig sein.

«Ich war entsetzt darüber, wie wenig Bäume übrig bleiben, die das Klima in der Schweiz gut vertragen und für so einen Bahnhofsplatz überhaupt geeignet sind.»

Es sei fast unmöglich, einen Baum zu finden, der perfekt für den Bahnhofplatz wäre, sagt Steurer.

Hopfenbuche gut als Stadtbaum geeignet

Die Wahl fiel schliesslich auf eine Hopfenbuche und vier Feldahorne. Die Hopfenbuche ist wärmeres Klima gewohnt, da sie aus Südosteuropa stammt. Das bedeutet, sie verträgt die Hitze in der Stadt, welche durch den Asphalt und Kiesboden verstärkt wird, besser als andere Bäume. Zudem hat sich die Hopfenbuche als sehr frostresistent erwiesen und verträgt auch den gesalzenen Boden nicht schlecht.

Auch der Feldahorn eignet sich gut als Stadtbaum, jedoch hat er eine geringere Salzverträglichkeit als die Hopfenbuche.

Manuelle Bewässerung der Bäume

Bei der Art des Bewässerns mussten die Projektverantwortlichen umdenken: Ursprünglich wollten sie ein Bewässerungssystem verwenden, bei dem eine Leitung unter dem Boden gelegt wird. «Dies führte jedoch bautechnisch zu Problemen, weshalb man sich für die Bewässerung von Hand entschied», sagt Roger Gehrig von der Gehrig Gärtnerei, die den Auftrag ausgeführt hat.

Ruedi Steurer, Präsident Stiftung Naturschutzverein Flawil und Umgebung.

Ruedi Steurer, Präsident Stiftung Naturschutzverein Flawil und Umgebung.

Im nächsten Sommer sei der Plan, mit einer Tröpfchenbewässerungsmethode zu arbeiten. Diese aus Amerika kommende Technik nennt man Treegator. Dabei bindet man einen Sack um den Baumstamm und füllt ihn mit Wasser, welches innerhalb der nächsten drei bis vier Stunden herauströpfelt. Der Vorteil an dem System sei, dass das Wasser nicht auslaufe und beim Baum bleibe, sagt Gehrig. Er betont, dass das Bewässern der Pflanzenanlagen einer der wichtigsten Schritte bei der Pflege der Bäume sei. «Heute Samstag sollten die Bäume voraussichtlich alle gepflanzt sein, solange alles gut klappt. Manchmal führt übermässiger Verkehr nämlich zu logistischen Problemen», sagt Roger Gehrig.

Stadtbäume haben es schwer

Schon immer wurden Bäume in der Stadt extremen Bedienungen ausgesetzt. Sie müssen mit vielen Stressfaktoren leben, wie zum Beispiel Hitze, Frost, das Salzen der Strassen und Trockenheit. Da die Bäume in einem künstlichen Umfeld leben, wird das Wurzelwachstum durch kleine und enge Baumgruben einschränkt. Selten kann sich eine Baumkrone voll entwickeln, zu sehr wird sie von den Abgasen der vorbeifahrenden Autos negativ beeinflusst. Auch Wurzeln, die zwischen Kellerwänden und zu kleinen Baumscheiben leben müssen, können sich nicht vollständig entfalten. Weitere Stressfaktoren sind unter anderem Bautätigkeiten, Vandalismus, Hundeurin und Unfallschäden. Hinzu kommen die hohen Temperaturen im Sommer, welche durch den Asphalt und den Kiesboden verstärkt auftreten und ausserdem durch den Klimawandel nur noch ausgeprägter erscheinen. Durch diesen Hitzeschub ist ein vermehrtes Auftreten neuer Schädlinge zu beobachten. Gleichzeitig muss der Baum einige Ansprüche erfüllen: Er soll weder stinken oder kleben noch lärmende Vögel und sonstige Tiere anziehen. Die Suche nach dem perfekten Stadtbaum ist unendlich schwierig und schon fast unmöglich. (red)

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