Archäologie
Kleines Glöckchen an die grosse Glocke gehängt: Thurgauer dürfen das besondere Exponat als erste sehen

Die neue Kabinettsausstellung im Archäologiemuseum des Kantons Thurgau in Frauenfeld widmet sich den Unterwassergrabungen beim Mäuseturm bei Güttingen. Dabei wird eine Besonderheit gezeigt.

Christof Lampart
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Archäologe Urs Leuzinger zeigt ein Beil, das im Rahmen der archäologischen Erforschung gefunden worden ist.

Archäologe Urs Leuzinger zeigt ein Beil, das im Rahmen der archäologischen Erforschung gefunden worden ist.

Ralph Ribi

Klein, aber fein – auf diesen Nenner lassen sich die in loser Reihenfolge organisierten Kabinettsausstellungen im «Le Trésor»-Zimmer im Archäologiemuseum des Kantons Thurgau in Frauenfeld bringen. Klein, weil sie nur einen Raum im dritten Geschoss umfassen, fein, weil die gerade gezeigten Objekte aus der Bronze-, Römer- und Mittelalterzeit ausgrabungsmässig neu und von grossem archäologischen Gehalt sind.

Die Reihenfolge wurde kurzerhand umgekehrt

«Wir sind froh, dass wir einen Raum haben, wo wir ohne grossen gestalterischen Aufwand Funde präsentieren können, die es unserer Meinung nach verdienen, so rasch wie möglich gezeigt zu werden», erklärt der Konservator des Archäologischen Museum Thurgau, Urs Leuzinger, am freitäglichen Medientermin. Die im Rahmen der Kabinettsausstellung «Der sagenhafte Mäuseturm von Güttingen» gezeigten Gegenstände sind sogar so neu, dass sie erst gesäubert und konserviert, aber noch nicht wissenschaftlich ausgewertet sind. Leuzinger sagt:

«Eigentlich wäre es wissenschaftlich richtig, zuerst alle Objekte gründlich zu untersuchen und auszuwerten, bevor man sie öffentlich zeigt.»

«Dass wir es andersherum machen, hat damit zu tun, dass das gefundene Silberglöckchen ab Oktober in einer grossen Wanderausstellung zu sehen sein wird, an der sechs Museen teilnehmen und die in St.Gallen startet. Da wollten wir den interessierten Thurgauerinnen und Thurgauern die Chance geben, das Glöcklein hier zuerst zu sehen, bevor es auf grosse Reise geht.»

Das Mittelalterliche Glöcklein ist eine Kostbarkeit, die bald auch in anderen Museen zu sehen sein wird.

Das Mittelalterliche Glöcklein ist eine Kostbarkeit, die bald auch in anderen Museen zu sehen sein wird.

Ralph Ribi

Was gibt es genau zu sehen in der neuen Ausstellung? Nebst einer Vitrine mit den wenigen, aber bedeutsamen Schätzen wie Glöcklein, Lappenäxte und zwei gerippten Goldbleche sind vier Erklärfahnen zu den Themen «Der sagenhafte Turm bei Güttingen», «Dörfer in der Spätbronzezeit», «Eine Burg im See» und «Wie der Mäuseturm zu seinem Namen kam» ausgestellt. Hier erfährt man allerlei über die Grabungen und Bergungsarbeiten in den Jahren 2017 bis 2020 am Mäuseturm und beim mehrphasigen Pfahlfeld aus der Bronzezeit. Der Mäuseturm liegt heute rund 240 Meter vom Bodenseeufer entfernt und 20 bis 30 Meter unter Wasser. Um die vorletzte Jahrtausendwende herum war dies noch festes Land.

Archäologe Urs Leuzinger hat eine Ausstellung kuratiert, die einen vertieften Einblick in die wissenschaftliche Arbeit gibt.

Archäologe Urs Leuzinger hat eine Ausstellung kuratiert, die einen vertieften Einblick in die wissenschaftliche Arbeit gibt.

Bild: Ralph Ribi

Ergänzt wird die Kabinettsausstellung, die bis zum 15. August zu sehen ist, mit einem vierminütigen Video, in welchem über die Unterwassergrabungen im Bodensee berichtet wird.

Weiteres zur Ausstellung unter: www.archaeologie.tg.ch