Kleiner Fussballer, grosser Kämpfer: Uzwil-Captain Ifraim Alija im Porträt

Mit Emotionen und einem unbändigen Willen hat es Ifraim Alija bis in die Challenge League geschafft. Auch in der 2. Liga interregional setzt der 33-Jährige auf diese Tugenden – dank ihnen wurde er Captain des FC Uzwil. Morgen Samstag um 17 Uhr führt er seine Mannschaft im Heimderby gegen den FC Bazenheid an.

Tim Frei
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Die Sportanlage Rüti in Henau ist die Heimstätte des FC Uzwil: Sobald Ifraim Alija auf dem Fussballplatz ist, wird er ein anderer Mensch und lässt seinen Emotionen freien Lauf. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Die Sportanlage Rüti in Henau ist die Heimstätte des FC Uzwil: Sobald Ifraim Alija auf dem Fussballplatz ist, wird er ein anderer Mensch und lässt seinen Emotionen freien Lauf. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Das verträgt Ifraim Alija gar nicht. Wenn ein Stürmer sich gegen ihn durchsetzt und der Ball kurz darauf im Tor liegt. In solchen Momenten verwirft der Verteidiger die Hände, wird sehr laut und lässt seinen Emotionen freien Lauf. Alija sagt:

«Ich hasse es, einen Zweikampf zu verlieren. Und sei es nur im Training.»

Emotional kann er auch gegenüber seinen Mitspielern werden. Auch wenn dies negativ ankommen könne, so sei es nie gemeint: «Ich bin einfach ein Typ, der gerne motiviert und die Mitspieler mit dieser Art wachrüttelt.» Denn schliesslich stehe nur eines im Vordergrund: der Teamerfolg. Und für diesen tut er alles.

Seine Defizite macht er mit Willen und Kampf wett

Diese Emotionalität hat den gebürtigen Kosovaren, der mit seiner Familie im Alter von sechs Jahren in die Schweiz gezogen ist, zu dem gemacht, was er heute ist: Weil er mit 1,78 Meter ein klein gewachsener Innenverteidiger ist, macht er seine Defizite – Schnelligkeit, Kopfballstärke und Technik – mit Willen, Kampf, Hartnäckigkeit und Emotionen wett. Und dies so gut, dass er es bis in die Challenge League schaffte. 114 Mal lief er in der zweithöchsten Liga auf – 56 Mal für seinen Stammverein Wil und 58 Mal für Gossau.

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Noch zwei weitere Saisons hätte er wohl auf diesem Level spielen können, sagt der heute 33-Jährige.

«Doch ich war mir bewusst, dass ich ein mittelmässiger Challenge-League-Spieler war.»

So beendete er seine Profikarriere schon mit 26 Jahren. Ihr trauert er nicht nach. Im Gegenteil: «Es war eine schöne Zeit. Doch jetzt geniesse ich es, einfach Spass am Fussball zu haben», sagt der ausgebildete Heizungsmonteur, der seit der Emigration in Wil lebt.

Mats Hummels ist sein Vorbild

Wichtig für sein Spiel ist seine Fitness. Sie half, seine Nachteile als klein gewachsener Verteidiger zu kompensieren. Abgesehen von Stabilisationsübungen musste er nebst den Trainings und den Partien kaum etwas speziell in die Fitness investieren. Das war aber auch gar nicht nötig, trainierte er doch beim FC Wil sieben Mal pro Woche.

«Die Fitness war für mich immer das Wichtigste. Wenn du als Verteidiger im Kopf nicht parat bist, weil deine Beine müde sind, hast du keine Chance.»

Wie viele Fussballer hat auch Alija ein grosses Vorbild: den Innenverteidiger Mats Hummels, der aktuell für Bayern München spielt. Der Deutsche ist für den Kosovaren «seit Jahren der beste Innenverteidiger der Welt». Am Weltmeister von 2014 beeindruckt ihn die Angriffsauslösung:

«Sein erster Pass ist überragend.»

So eine Qualität wollte er auch erreichen, doch es blieb beim Wunschdenken: Über seine Spielauslösung sagt Alija, sie sei seine Schwäche. «Diagonalpässe sind eher meine Stärke.»

«Gipfel» ist ein Leader

Der Übername von Alija lautet «Gipfel». «Manche Menschen kennen mich nur unter Gipfel», sagt er. Was es mit diesem Spitznamen auf sich hat, ist einem engen Freundeskreis vorbehalten. Und dabei möchte es Alija belassen. Für Sokol Maliqi, Trainer des FC Uzwil, würde «Zecke» gerade so gut passen. Der 37-Jährige sagt über seinen Spieler:

«Er ist für den Gegner ein unangenehmer Wadenbeisser, der nie lockerlässt»

Weiter schätzt er an seinem Captain dessen gesunde Härte, die starke Persönlichkeit, hohe Trainingspräsenz und Leaderqualitäten. Aufgrund dieser Fähigkeiten habe Alija ein so hohes Ansehen im Team.

«Ich trage jetzt einfach eine Binde»

Alija ist zudem bei stehenden Bällen sehr torgefährlich, was bei seiner Körpergrösse überrascht. Eine solch hohe Torquote wie bei Uzwil hatte er noch nie in seiner Laufbahn. Erklären kann er sich das nicht.

«Irgendwie fällt der Ball immer vor meine Füsse. Im Alter steht man halt richtig.»

Seit der Winterpause ist Alija Captain beim FC Uzwil. «Schön, dass mir der Trainer das Vertrauen gegeben hat.» Eine neue Erfahrung ist es für den Verteidiger jedoch nicht. In Gossau war er mehrere Saisons Captain. Da verwundert es auch nicht, dass Alija sich mit dem neuen Amt nicht verändert hat. «Ich trage jetzt einfach eine Binde und muss vor dem Spiel beim Schiedsrichter unterschreiben.»

390 Spiele, 29 Treffer, sieben Vereine

Ifraim Alija durchlief beim FC Wil sämtliche Nachwuchsstufen, ehe er am 8. April 2004 in der Super League gegen den FC St. Gallen debütierte. Es blieb sein einziges Spiel in der höchsten Schweizer Liga. Später spielte er für die St. Galler U21, Gossau, Wil, Kreuzlingen und Sirnach. Derzeit bestreitet der 33-Jährige seine zweite Saison für den FC Uzwil. Gerne würde er auch in der nächsten Saison für die Uzwiler auflaufen. In seiner Karriere hat er in bisher 390 Partien 29 Treffer erzielt. (tm)

Derby gegen Bazenheid: Partie zweier Tabellennachbarn

Das zweite Aufeinandertreffen in dieser Saison zwischen dem FC Uzwil und dem FC Bazenheid ist ein Derby zweier Tabellennachbarn. Zwischen den viertklassierten Toggenburgern und den fünftplatzierten Uzwilern liegen vier Punkte. Die erste Begegnung in dieser Spielzeit endete 1:1 in Bazenheid. Um die Toggenburger im Kampf um den vierten Platz in der
2. Liga interregional unter Druck zu setzen, ist für die Uzwiler morgen Samstag um 17 Uhr im Heimspiel ein Sieg Pflicht. (tm)

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