Kleine Springreitturniere haben es schwer - das Sommerspringen Wil ist abgesagt

In den vergangenen Jahren sind in der Region zahlreiche Springreitturniere verschwunden. Insider nennen dafür häufig einen Grund: Der Aufwand sei vielen Veranstaltern zu gross geworden.

Lara Wüest
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Das Sommerspringen in Wil wurde für dieses Jahr abgesagt, weil andere Veranstalter für ihr Turnier dasselbe Datum wählten. Nächstes Jahr soll es aber wieder stattfinden. Bild: PD

Das Sommerspringen in Wil wurde für dieses Jahr abgesagt, weil andere Veranstalter für ihr Turnier dasselbe Datum wählten. Nächstes Jahr soll es aber wieder stattfinden. Bild: PD

Aus der Schweizer Springturnierszene waren in den vergangenen Jahren viele schlechte Nachrichten zu vernehmen: Das CSI Zürich wurde abgeschafft. Und auch die CSI St. Moritz und Lausanne finden nicht mehr statt. Bei den beiden Letzteren scheiterte es an den Finanzen, in Zürich an infrastrukturellen und logistischen Problemen. Doch nicht nur die Grossen haben zu kämpfen.

Auch in der Region scheint einiges im Argen zu liegen. In den letzten Jahren verschwanden mehrere Springkonkurrenzen von der Bildfläche (siehe Karte). Der Reitklub Wil sagte für dieses Jahr sein Sommerspringen ebenfalls ab. Hört man sich in der Szene um, wird hauptsächlich ein Grund genannt: «Für viele kleinere Veranstalter ist der Aufwand zu gross geworden», sagt Bruno Brovelli, Präsident des Reitclubs St. Gallen und Umgebung. Auch weil die Ansprüche der Reiter an die Infrastruktur und Bodenbeschaffenheit stark gestiegen seien.

Neuen Besitzern ist der Aufwand oft zu gross

Wechselt ein Reitstall den Besitzer, entschliesst sich der neue Eigentümer oft, ein Turnier nicht mehr durchzuführen. Zu aufwendig ist vielen die Suche nach Sponsoren und freiwilligen Helfern oder das Aufstellen eines Festzeltes für die Besucher. Auch die Suche nach geeigneten Parkplätzen für die Autos und Pferdeanhänger stellt sich zuweilen als schwierig heraus. Die Organisatoren wissen zudem nie, ob das Geld von Besuchern, Teilnehmern und Sponsoren am Ende ausreicht, um die Kosten zu decken. Bruno Brovelli schätzt, dass ein dreitägiges Turnier ungefähr 45000 Franken kostet. Neben einem Preisgeld für die Gewinner müssen zum Beispiel auch das Richtergremium, eine Sanität und die Ausrüstung für die Zeitmessung bezahlt werden. Und bei schlechtem Wetter kommen noch Wiederherstellungskosten für den Boden hinzu.

Manche Stallbesitzer verzichten auch deshalb auf das Durchführen eines Turniers, weil ihnen die Erfahrung fehlt. Das sagt auch Nathalie Neuenschwander, neue Besitzerin vom Weierhof in Wängi, wo früher das Rosentalturnier stattfand: «Neben dem Know-how fehlen mir die Kontakte im Reitsport.» Sie ist Physiotherapeutin und führt auf dem Weierhof ein Therapiezentrum für Pferde.

Reiter stellen höhere Ansprüche

Doch auch mit genügend Know-how ist das Fortbestehen eines Turniers nicht gesichert. Mathias Schibli ist Miteigentümer vom Reitstall Ryterland in Henau. Dieser organisiert jedes Jahr ein Hallenspringturnier. Neben dem Know-how verfügt Schibli über gute Kontakte in der Szene und hat viele freiwillige Helfer. Doch er spürt den Wandel in der Szene ebenfalls: «Auch unser Turnier verliert an Attraktivität.» Als Grund nennt er die Grösse der Reithalle: «Unsere Halle ist für heutige Verhältnisse eher klein. Vor allem bei grösseren Prüfungen wollen die Reiter nicht mehr auf so kleinen Plätzen starten.» Wenn Schibli mithalten will, muss er deshalb «etwas ändern», wie er sagt. Und er schmiedet bereits Pläne: «Wir möchten einen grösseren Sandplatz bauen. Ohne diesen dürfte es schwierig werden.»

Unbeliebte Wiesenböden

Neben der Grösse des Turnierplatzes haben auch das Wetter und der Boden einen Einfluss auf die Teilnehmerzahl. Wiesenböden werden immer unbeliebter. Wenn es zu heiss ist, trocknen diese aus und werden zu hart. Und bei schlechtem Wetter werden sie tief und rutschig und die Ansprüche an Reiter und Pferd steigen massiv. «Wenn Regen angesagt ist, sagen viele Teilnehmer kurzfristig ab», sagt Bruno Brovelli. Weil dann auch die Zuschauer ausblieben, bringe das die Veranstalter in eine schwierige Lage.

Deshalb verschwanden in den letzten Jahren mehrere Wiesenturniere ganz oder die Veranstalter wechselten auf Sandplätze. So auch die Reitvereine Gossau und Waldkirch. Beide führten früher Wiesenturniere durch. Nun veranstalten sie ihre Anlässe in der Reitanlage Sommersweid in Gossau. Allerdings können sich nicht viele Vereine einen solchen Wechsel leisten. Oder vermögen einen eigenen Sandplatz zu bauen. «Das kostet mehrere 100000 Franken, das ist vielen zu teuer», sagt Brovelli.

Einen Lichtblick für jene, die gerne auf Wiesen ihre Springprüfung ablegen, gibt es aber dennoch: Das Sommerspringen in Wil wurde zwar für dieses Jahr abgesagt, weil es eine Terminkollision mit einem anderen Turnier in Schaffhausen gab. Doch nächstes Jahr wird es wie gewohnt stattfinden. Auch dessen Veranstalter, der Reitklub Wil, kämpft mit abnehmenden Teilnehmerzahlen. Trotzdem sei das Wiesenturnier nach wie vor gefragt, sagt Charly Gämperle, Präsident des Reitklubs.